Oberpullendorfs Poly-Leiter Radostics geht in Pension. Nach über 40 Jahren an der Polytechnischen Schule geht Rene Radostics in Pension. Er hinterlässt viele künstlerische Spuren.

Von Michaela Grabner. Erstellt am 02. Juli 2020 (05:11)
Schulzeit zu Ende. Nach 40 Jahren, davon die letzten zehn als Direktor, wechselt Rene Radostics vom Direktorzimmer in den Ruhestand.
BVZ

„Mein erster Schultag als Lehrer war ein Aprilscherz“, schildert Rene Radostics, der die vergangenen zehn Jahre die Polytechnische Schule Oberpullendorf als Direktor geleitet hat. Am 1. April 1978 startete er seine Lehrerlaufbahn, nach dem heurigen Schuljahr darf er seinen Ruhestand antreten. „Ich war immer im Poly. Ich bin sicher einer der wenigen Lehrer, die keine andere Schule von innen kennen“, meint er.

Nur gleich im Anschluss an seine Ausbildung in Musik und Mathematik hat er ein halbes Jahr Musik am Gymnasium unterrichtet. Nach der Zusatzausbildung im Fachbereich Dienstleistungen und Tourismus wurde er dann Lehrer in der Polytechnischen Schule.

„Ich habe schon als Junglehrer viele Projekte mit der Gemeinde und Vereinen umgesetzt“, so Radostics. Egal ob das Fliesenmosaik auf der Mauer gegenüber dem Schwimmbad, bunte Parkbänke für die Stadt, ein Riesen-Osterei fürs Stadtmarketing oder Gestaltungen im Schulhaus selbst – Rene Radostics hat gemeinsam mit seinen Schülern Spuren hinterlassen.

„Ich bin überzeugt, wie immer der Schultyp künftig heißen wird, ob wir eine fünfte NMS oder ein nullte Berufsschulklasse werden, dass die Lerninhalte, die an der Polytechnischen Schule vermittelt werden, wertvolle sind. Wir sehen uns als Nahtstelle zwischen Schule und Beruf.“Rene Radostics

Ein wichtiges Anliegen war ihm auch immer die Schulentwicklung, weshalb er zehn Jahre im Bundesvorstand von Poly Aktiv tätig gewesen ist. „Als ich vor zehn Jahren Direktor wurde, habe ich die Landeswettbewerbe für Polytechnische Schulen initiiert. Es ist ein Format, dass sowohl dem Poly nutzt, als auch den Schülern und der Wirtschaft“, unterstreicht Radostics. Er war auch über 20 Jahre in der Lehrerfortbildung der Bildungsdirektion als Kursleiter und Vortragender im Fachbereich Dienstleistungen/Kreatives Gestalten tätig.

„Ich bin meinen Lehrern sehr dankbar, weil ich mich immer zu 100 Prozent auf sie verlassen konnte. Die Kameradschaft im Lehrkörper werde ich am meisten vermissen und den guten Kaffee um 7 Uhr früh bei amikalen Gesprächen im Sozialraum“, gesteht Radostics.

In positiver Erinnerung werden ihm unter anderem die zwei großen EU-Projekte bleiben, die er als Gesamtleiter mit seinem Team sowie Lehrern aus anderen Ländern im Bereich der Schulentwicklung umsetzen durfte. So wurde etwa der Übertritt in die Lehre in verschiedenen Berufen im Europavergleich untersucht. Weitere Highlights waren der erste Preis beim Wettbewerb „rauschendes Brüssel“, für den ein Lied kreiert wurde, das die Beziehungen zwischen Wien und Brüssel thematisierte und das mit einer Belgien-Reise belohnt wurde. „Die Schüler haben den Text beigesteuert, das Musikarrangement kam von mir“, erzählt Radostics.

Am Computer ein kleines Musikstudio eingerichtet

Mit einer anderen Schülergruppe hatte er ein weiteres selbst komponiertes Lied im Tonstudio Pinkafeld aufgenommen. „Unser Lebenskundebuch hieß damals ‚Okay sein‘. Das war auch der Titel der Single“, so Radostics. Schon seit 40 Jahren spielt er Musik, wofür er nun im Ruhestand noch mehr Zeit haben wird. „Dieses Hobby will ich weiter pflegen. Ich habe mir am Computer ein kleines Musikstudio eingerichtet. Und auch mein zweites Hobby, die Malerei, will ich vertiefen“, meint Radostics, der sich mit Stefan Blagusz als Krebsler und Plutzer einen Namen gemacht hat.

Für die Polytechnische Schule wünscht er sich, dass die Schulentwicklung weiter vorangetrieben wird und der Stellenwert der Schule ein noch höherer wird, so dass die Wirtschaft auf gut ausgebildete zukünftige Lehrlinge zählen kann. Auf die Frage, warum man die Polytechnische Schule besuchen sollte, meint Radostics: „Weil unser Schultyp ein ganz moderner ist, die Fachbereichsfächer frei wählbar sind und es unsere Aufgabe ist, Grundwissen auf dem Niveau der neunten Schulstufe zu vermitteln als Vorbereitung auf die Berufsschule und das Berufsleben.“