Gottfried Putz: Abschied nach 43 Jahren am Taktstock. Gottfried Putz leitete über vier Jahrzehnte den Musikverein Dörfl. Damit ist er Burgenlands längstdienendster Kapellmeister. Nun übergab er sein Amt.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 11. März 2020 (03:15)
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Dank und Anerkennung. Bürgermeisterin Klaudia Friedl, Josef Rosnak, Franz Horvath, Blasmusikverband-Landesobmannstellvertreter Günther Kleidosty, Bezirksobmann des Burgenländischen Blasmusikverbandes Richard Wolfram, Obmann des Musikverein Dörfl Viktor Emmer, Ewald Schlaffer, Johann Stifter und Johann Kneisz ehrten Gottfried Putz. Als Musiker bleibt er der Kapelle erhalten und musiziert dann Seite an Seite mit zwei seiner fünf Enkel. Die Enkel Nummer drei und vier lernen bereits Blockflöte, der Jüngste ist erst 7 Monate.
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Bei der Generalversammlung des Musikvereins Dörfl wurde Kapellmeister Gottfried Putz nach 43 Jahren aus seinem Amt verabschiedet. Er erhielt das Goldene Verdienstzeichen des Österreichischen Blasmusikverbandes. Außerdem wurde er von seinen Musikkollegen zum Ehrenkapellmeister gemacht. Die BVZ sprach mit Burgenlands längstdienendstem Kapellmeister über seine Zeit am Taktstock.

BVZ: Wie kam es dazu, dass Sie vor über 40 Jahren den Taktstock des Musikvereins Dörfl übernommen haben?
Gottfried Putz: Ich habe im Alter von zehn Jahren als Musikant begonnen und spielte damals bereits zehn Jahre, seit der Gründung, Flügelhorn in der Kapelle. Ich war auch deren Stabführer. Eine kurzfristige Doppelführung des Kapellmeisteramtes hielt nicht lange an, und somit stellte ich mich der Wahl des Kapellmeisters. Bei der Abstimmung gab es damals zwei Gegenstimmen und das ermutigte mich umso mehr, dieses Amt mit vollem Elan zu übernehmen. Das war im Jahr 1977. Dass ich so lange Kapellmeister bleibe, hätte ich selbst nicht gedacht, aber die Jahre verliefen im Nu und damit auch meine Funktion als Kapellmeister.

Was hat Ihnen an der Arbeit als Kapellmeister besondere Freude bereitet?
Die Proben, das Erarbeiten eines Musikstückes und das Endergebnis nach vielen Proben.

„Vorbild zu sein in der Kapelle war mir immer wichtig.“ Gottfried Putz

Wie viele Musikanten haben Sie im Verein ausgebildet?
Wenn man Aktive und Ausgeschiedene zusammenzählt, sind es 150 Musiker und Musikerinnen, die ich in der Kapelle ausgebildet und begleitet habe.

Was zeichnet Ihrer Meinung nach einen guten Kapellmeister aus?
In allen verschiedenen Facetten (Organisieren, Mitdenken, bezüglich Musikalität, Bedürfnisse der Kapelle und ihrer Mitglieder, Stücke, die für die Kapelle passend sind) immer einen Schritt voraus zu sein. Auch der Umgang mit den Menschen im Allgemeinen sowie keine Vorurteile gegenüber den Musikern zu haben ist sehr entscheidend – Stichwort „jedem Zeit geben“.

Worauf sind Sie rückblickend auf die über vier Jahrzehnte besonders stolz?
Die Tatsache eine gute Kapelle (gefestigt in allen Registern) an meinen Nachfolger weitergeben zu können; mit der Gewissheit, dass auch der Grundstein für eine gute Nachwuchsarbeit gelegt wurde. Des Weiteren bin ich auf unsere CD-Produktion im Jahr 2016/2017 stolz, da wir die gesamten Stücke „nur“ mit unseren MusikerInnen aufgenommen und keine Substitute gebraucht haben. Hier möchte ich auch noch erwähnen, dass ich besonders auf die ORF-Auftritte, die live gespielt wurden, stolz bin, da diese eine eigene Herausforderung für den Verein sind. Auch die Erweiterung unseres Musikhauses im Jahr 2002 zähle ich als sehr positiven Aspekt auf, sowie unsere Partnerschaft mit dem Musikverein Brendlorenzen (BRD), die mittlerweile 35 Jahre andauert.

Warum haben Sie sich gerade jetzt zum Rücktritt entschlossen?
Der Gedanke zu diesem Entschluss reifte schon länger in mir; da mich mein Nachfolger, Franz Horvath, schon seit mehr als einem Jahr sehr unterstützt hat (Proben geleitet, Auftritte und Konzerte dirigiert) und ich das Gefühl bekommen habe, dass ihn die MusikerInnen auch als Dirigent akzeptieren bzw. er die Arbeit auch sehr gut umsetzte, trat ich an Franz heran mit der Frage, ob er die Kapelle musikalisch übernehmen möchte. Nach mehreren Gesprächen mit dem Obmann, Viktor Emmer, mir und Franz Horvath, stimmte dieser meinem Wunsch zu.

Werden Sie der Kapelle als Musiker oder in anderer Form erhalten bleiben?
Auf alle Fälle. In einem der oben erwähnten Gespräche brachte ich den Wunsch vor, in der Kapelle weiter musizieren zu wollen. Das war für die Gesprächspartner selbstverständlich. Ich werde als Flügelhornist, Trompeter, Schlagzeuger und überall dort, wo ich gebraucht werde und werden kann, mein Bestes geben. Mit der Funktion als Medienreferent und Archivar übernehme ich Tätigkeiten, die ich als Kapellmeister schon immer gemacht habe, und bleibe dem Vorstand des Musikvereins erhalten.