Rita Ratasich radelt quer durch Asien. Rita Ratasich ist am 8. März 2019 von Nebersdorf aufgebrochen, um mit dem Rad durch Asien zu fahren. Nach mehr als 17.400 Kilometern berichtet sie von ihrer Reise. Von Sarah Tesch

Von Sarah Tesch. Erstellt am 11. März 2020 (04:38)
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Viele Menschen kennen wohl das Gefühl von Freiheit, den Traum vom Abenteuer, wenn man auf Reisen in fernen Ländern ist. Rita Ratasich hat sich ihren Wunsch erfüllt, mit dem Rad nach Südostasien zu fahren. Vor einem Jahr ist sie aus ihrem Heimatort Nebersdorf losgestartet und hat bis jetzt eine beachtliche Strecke zurückgelegt: 19 Länder und mehr als 17.400 Kilometer hat sie hinter sich. „Bei meinen ersten beiden größeren Radreisen bin ich 2016 von zuhause nach Istanbul gefahren und Ende 2016/Anfang 2017 durch Südostasien geradelt. In Asien ist die Idee entstanden, dorthin zurückzukehren, aber von zuhause aus mit dem Rad“, erzählt Ratasich.

Unterwegs. Aktuell ist Rita Ratasich mit dem Paddelboot unterwegs (links). Auch in Nepal hat die Nebersdorferin Halt gemacht.
zVg

„Für mich ist das Rad die beste Art, ein Land zu ‚erfahren‘. Man kommt an Orte, wo man als normaler Tourist nie hinkommen würde. Das Rad gibt mir die Freiheit, wo und wann ich will stehen zu bleiben oder abzubiegen, nicht an öffentlichen Verkehr gebunden zu sein.“

Angesichts der weiten Reise lässt die Nebersdorferin ihre Familie stets per GPS wissen, wo sie sich aufhält. Hindernisse gab es vor dem Start nicht, aber doch eine Sorge: Einsamkeit. Diese hat sich bis jetzt allerdings nicht eingestellt, da Ratasich stets Gesellschaft gefunden hat. Daraus haben sich auch interessante Geschichten ergeben. Wie die des Campingplatz-Besitzers in Kroatien, der eine Granatenexplosion nur überlebt hatte, weil er ins Haus ging, das Salz für sein Frühstück zu holen. Oder die eines Tankstellen-Besitzers in der Türkei, der nach einem langen Gespräch über Religionen meinte: „Am Ende sind wir doch alle Brüder.“

Wandern im Himalaja und arbeiten auf Farmen

Abgesehen von Magenproblemen und zwei platten Reifen in Zentralasien war Rita Ratasich mit ihrem Rad ohne Schwierigkeiten unterwegs. „Man lernt dabei aber heiße Duschen, Pizza und Supermärkte ganz anders zu schätzen“, erzählt Ratasich. Ein Ort, den sie unbedingt besuchen wollte, war der Pamir Highway. Die zweithöchste Fernstraße der Welt führt hauptsächlich durch Tadschikistan und wird im Sommer zum „Radfahrer-Highway“.

Zwischen den Radetappen war Ratasich auch im Himalaja wandern. Oder auch arbeiten: „Ich habe mich vor Kurzem bei einer Website angemeldet, auf der man Farmen, Hostels und alles Mögliche findet, wo man für ein paar Stunden Arbeit pro Tag ein Bett und Essen bekommt. Das möchte ich in den kommenden Monaten verstärkt nutzen.“ Durch das Reisen mit dem Rad hat sich bei der Nebersdorferin etwas verändert: das Gefühl, jede Sehenswürdigkeit sehen zu müssen. „Es muss nicht alles in einer Stadt abgeklappert werden, weil oft andere Begegnungen viel mehr wert sind“.

Im Laufe der Zeit ist die Radlerin mehr als 100 anderen Radreisenden aus 22 Nationen begegnet. Auch allein reisende Frauen waren darunter. Eine Französin etwa, die allein durch das südliche Afrika geradelt ist. Oder eine Engländerin, die vom Vietnam heimwärts fährt und dabei Vorträge in Schulen hält. „Wann immer ich solo radelnden oder anders allein reisenden Frauen begegne, ist es eine unglaubliche Bestärkung im eigenen Tun“, so Ratasich. „Man fühlt sich weniger allein und kann sich auch über Schwierigkeiten oder Bewältigungsmöglichkeiten austauschen.“

Aktuell ist Rita Ratasich in Myanmar mit einem Paddelboot auf dem Fluss Irrawady unterwegs, weitergehen soll es nach Thailand und dann nach Malaysia. Die genaue Route steht aber noch nicht fest – genauso wenig wie das Ende der Reise. „Ende Mai möchte ich für eine Sommerpause heimfliegen, um Freunde und Familie wieder zu sehen. Im August werde ich dann zurückkehren und meine Route Richtung Neuseeland fortsetzen.“