800 Familien zum Wunschkind verholfen

Leiter Peter Bauer und sein Team ließen die Entwicklung des Instituts am Krankenhaus Revue passieren.

Erstellt am 27. Februar 2019 | 04:22
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Feierten das Jubiläum. Gynäkologie-Primar Martin Fabsits, Kinderwunschambulanz-Leiter Peter Bauer und ihr Team konnten anlässlich 20 Jahre Kinderwunschzentrum auch Familienlandesrätin Verena Dunst, KRAGES-Geschäftsführer Harald Keckeis, ärztlichen Direktor Herbert Tillhof, Pflegedirektorin Bettina Schmidt sowie den kaufmännischen Direktor Manfred Degendorfer begrüßen.
Foto: BVZ

„Als ich Mitte der 90er-Jahre zum damaligen KRAGES-Geschäftsführer gepilgert bin, um ihn zu informieren, dass wir eine künstliche Befruchtungs-Abteilung machen wollen, hat er gefragt ob wir in Oberpullendorf auch zum Mond fliegen wollen“, erinnert sich Primar Martin Fabsits von der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe.

„Ein ganzes Dorf, voll mit Wunschkindern“

Etwas mehr als zwei Jahrzehnte später sind die Oberpullendorfer zwar immer noch nicht am Mond gelandet, aber in den mittlerweile 20 Jahren seit Bestehen des Kinderwunschzentrums am Krankenhaus Oberpullendorf sind 800 Wunschkinder dank IVF (In-vitro-fertilisation) – also Befruchtung der Eizelle im Reagenzglas – zur Welt gekommen. Über 3.000 solcher IVFs wurden in den zwanzig Jahren durchgeführt, über 2.600 Paare betreut. Darüber hinaus bietet man aber das komplette Spektrum der Kinderwunschmedizin an – oft kommt es schon nach hormonellen oder operativen Eingriffen zur Schwangerschaft.

Kinderwunschzentrum Oberpullendorf
BVZ

Unter dem Motto „Ein ganzes Dorf, voll mit Wunschkindern“ – immerhin wurde sozusagen ein ganzes burgenländisches Dorf an Wunschkindern im Reagenzglas in Oberpullendorf gezeugt – wurde am Freitag in der KUGA 20 Jahre Kinderwunschzentrum und IVF im Burgenland bei einer Veranstaltung mit Fachvorträgen zum Thema und einer Podiumsdiskussion gefeiert.

Oberarzt Peter Bauer, der Leiter des Kinderwunschzentrums, warf dabei einen Blick zurück zu den Anfängen. „Schon unsere vierte Patientin ist schwanger geworden und Ende 2000 konnten wir die Geburt des ersten IFV-Babys feiern. Und wir haben die 25 Prozent Schwangerschaftsrate halten können“, schildert er. Aktuell liegt die Schwangerschaftsrate bei 40 Prozent/Embryotransfer.

Ein Meilenstein in der Entwicklung des Instituts war die Geburt des ersten burgenländischen Kryo-Babys im März 2008, wofür das Team mit dem Kery-Preis ausgezeichnet wurde. Unter Kryokonservierung versteht man das Einfrieren von Zellen in flüssigem Stickstoff (-196°C). Durch dieses Verfahren ist es möglich, Embryonen und Spermien einzufrieren und über einen längeren Zeitraum zu lagern. Ein weiterer wichtiger Meilenstein ist das seit 2017 neue, moderne Labor mit einem Entnahmeraum, der OP-Qualität hat.

Neue Technologie soll zum Einsatz kommen

Arzt Lukas Wallner stellte in seinem Fachvortrag „Embryonalentwicklung im Rotlicht – der Blick in den Brutschrank“ eine neue Technologie vor, die demnächst auch im Krankenhaus Oberpullendorf angeboten werden soll –

die sogenannte Embryo Time Lapse Selection. Moderne Technologie ermöglicht es, die Embryonen ohne diese aus dem Brutschrank herausnehmen und sie somit möglichen Störeinflüssen aussetzen zu müssen in den ersten fünf Tagen zu beobachten und das quasi rund um die Uhr in hunderten Bildern. Die Vorteile des Time Lapse sind laut Wallner eine bessere Embryoselektion für Transfer bzw. Kryokonservierung sowie bessere Arbeitsbedingungen im Labor. Laut Studien werden durch die Time-Lapse-Selektion 15 bis 20 Prozent höhere klinische Schwangerschaftsraten erreicht sowie die Fehlgeburtsrate um bis zu 28 Prozent verringert.

Jedes siebente Paar ist heutzutage von ungewollter Kinderlosigkeit betroffen. Auch vor diesem Hintergrund meinte Familienlandesrätin Verena Dunst, die zum Jubiläum gratulierte: „Sie haben vielen in den vergangenen 20 Jahren die Chance gegeben, Familie zu werden und vielen Paaren das gemeinsame Leben gerettet.“