Dem Handel fehlt die "Laufkundschaft". Auch vielen Gewerbetreibenden aus Oberpullendorf bereitet die Entwicklung der Kundenfrequenz Sorgen.

Von Jennifer Priedl, Michaela Grabner und Dieter Dank. Erstellt am 12. November 2020 (05:55)
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Gezielte Käufe. „Unsere Kunden kommen meist zu uns, wenn sie klare Vorstellungen haben, etwa um eine Waschmaschine zu kaufen“, so Wolfgang Lehrner, im Bild mit Tochter Theresa. Eine genaue Einschätzung hinsichtlich Auswirkungen auf die Kundenfrequenz sei ihm nach rund einer Woche noch nicht möglich.
Dank

Mit Frequenz- und Umsatzverlusten, vor allem für die Branchen Bekleidung, Schuhe, Uhren und Schmuck, während des aktuellen zweiten Lockdowns rechnet der Handelsverband. „Wenn wir eines vom ersten Lockdown im März gelernt haben, ist es, dass der Handel die Gastronomie braucht. Die Betretungsverbote in der Gastro führen auch zu Frequenz- und Umsatzrückgängen im Handel“, so Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will. „Die Laufkundschaft wird durch die zusätzlichen Restriktionen von den Geschäften ferngehalten – für manche Branchen gleicht das einem Quasi-Lockdown. Der Trend wird dadurch befeuert, dass auch weniger nachgefragt wird, da keine Kultur- und Freizeitaktivitäten stattfinden können.“

Diese Einschätzung deckt sich mit den Erfahrungen der vergangenen Tage von Oberpullendorfer Geschäftsleuten. „Es sind weniger Kunden und somit auch weniger Käufe. Die Laufkundschaft fehlt komplett und es kommen nur gezielt Kunden, weil sie etwas Bestimmtes brauchen“, schildert Walter Sturm von der Fotronic Flieszar Handels GmbH. „Das hängt alles mit der Schließung der Gastronomie und dem verstärkten Home-Office zusammen. Viele Leute sind verunsichert und es profitiert der Online-Handel. Es kommen aber ältere Menschen zu uns, welche keinen Online-Zugang haben und die persönliche Fachberatung schätzen.“

„Der Handel hat angesichts exponentiell steigender Infektionszahlen vollstes Verständnis für die Covid-Maßnahmen. Es braucht aber auch Verständnis dafür, dass der Handel – auch wenn er offenhalten darf – in bestimmten Sektoren Wirtschaftshilfen und Entschädigungen im selben Ausmaß benötigen wird wie von Betretungsverboten betroffene Branchen.“ Handelssprecher Rainer Will

Dass die Laufkundschaft komplett fehlt, berichten auch Herbert Honc vom Raiffeisen-Lagerhaus, Nicole Kreiner-Rzucidlo vom Modegeschäft RuNi sowie Sabine Schlögl vom Juwelier Sacaja. „Es ist beides ruckartig gesunken, es sind insgesamt weniger Kunden und weniger Käufe. Die Kunden kommen nur gezielt, wenn sie etwas Bestimmtes brauchen, Laufkundschaft gibt es nicht“, schildert Lagerhaus-Geschäftsführer Herbert Honc. „Die Kunden sind auch vorsichtiger und wickeln den Einkauf schneller ab.“

Nicht nur die Gastro-Schließung und Home-Office seien hier entscheidend, sondern auch das verstärkte Aufkommen der Personen in Quarantäne. „Natürlich sind die Auswirkungen des Teil-Lockdowns, vor allem mit der Schließung der Gastronomie stark zu spüren“, meint auch Nicole Kreiner-Rzucidlo. „Und da es keine Feiern und Veranstaltungen gibt, ist das natürlich noch viel deutlicher zu spüren und leider boomt dann der Online-Handel statt der Regionalität“. Auch Sabine Schlögl stellt fest, dass „insgesamt viel weniger los ist, das spürt man immens.“ Auch ihrer Meinung nach hängt das einerseits stark mit der geschlossenen Gastronomie zusammen, andererseits damit, dass es keine Feiern und Veranstaltungen gibt.

„Der Oktober lief gut, da wurde einiges nachgeholt durch die Firmungen und Erstkommunionen, die im Frühjahr nicht stattfinden konnten“, erklärt Schlögl. Noch zufrieden mit dem Verkauf zeigt sich hingegen Bernd Pöltl von Textilien Pöltl. „Es läuft trotz Maßnahmen noch gut. Die Leute denken jetzt regionaler, meiner Einschätzung nach. Wir haben viele Stammkunden und die Kunden bevorzugen jetzt kleinere Geschäfte und Regionalität eher als große Shoppingcenter und das sehe ich als großen Pluspunkt für uns. Wir hoffen weiterhin das Beste“, so Pöltl.

Noch keine Prognose betreffend Kundenfrequenz kann Andreas Picher von „Sport 2000“ und „Spiel & Spaß“ Picher im Einkaufszentrum Stoob-Süd abgeben. „Es sind ja erst ein paar Tage vergangen. Natürlich sind die Menschen zurzeit nicht motiviert einen Skianzug oder Skischuhe zu kaufen“, so Picher. Man habe heuer aber davon profitiert, dass die Leute viel Bewegung und Fitness betrieben haben. „Vor allem die Fahrradbranche hat geboomt. Das größere Problem war für uns der Lieferengpass von Lego-Produkten, Fahrrädern und Helmen“, erklärt Picher. Grundsätzlich glaubt er aber, dass die Leute nur mehr gezielt kommen, weil sie irgendetwas Bestimmtes brauchen, „zum Bummeln eher weniger.“