Jutta Treiber gibt Einblick in Arbeitswelt. Jutta Treiber, die seit dreißig Jahren als freiberufliche Schriftstellerin arbeitet, gewährte einen Einblick in ihre Arbeitswelt.

Von Michaela Grabner. Erstellt am 21. September 2018 (05:00)
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In ihrem Schreibzimmer. Jutta Treiber mit ihrem ersten Buch „Ich will eine Geschichte schreiben“ und dem Cover ihres neuesten Erwachsenenromans „Halt den Mund sagte die Mutter und dann starb sie“, der im Oktober erscheint.
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„If you can meet with triumph and disaster/ And treat those two impostors just the same“: Dieses Zitat von Rudyard Kipling – Autor des Dschungelbuchs – ist auf einem gelben Notizzettel zu lesen, der auf der Pinnwand über Jutta Treibers Schreibtisch hängt. „Man muss Triumph und Niederlage gleich behandeln und damit fertig werden, es gehört beides zum Leben – Höhen und Tiefen, so verstehe ich das“, erklärt die Autorin, die am Wochenende zu Tagen der offenen Schreibzimmertür eingeladen hat, ihr Lebensmotto.

Seit 30 Jahren freie Schriftstellerin

Seit 30 Jahren arbeitet Jutta Treiber mittlerweile als freie Schriftstellerin. 53 Bücher hat sie bislang geschrieben, viele Einzeltitel wurden in andere Sprachen übersetzt von Chinesisch und Koreanisch über Dänisch und Spanisch bis zu Estnisch und Griechisch – insgesamt in 23 europäische und asiatische Sprachen. Mit Anthologien, Hörspielen, Theaterstücken, etc. kommt sie auf etwa 100 Werke.

Im Oktober erscheint Treibers neuer Roman für Erwachsene „Halt den Mund, sagte Mutter und dann starb sie“, in dem es um den Tod verschiedener Menschen und um Abschiede geht. Während Treiber ihre kleinsten Bilderbücher in ein paar Tagen fertiggestellt hat, braucht sie für Jugendbücher etwa ein Jahr. „Bei Erwachsenenromanen ist Ende nie, zwischen zwei bis zu fünf, sechs Jahren – allerdings arbeitet man nicht kontinuierlich daran, da gibt es immer wieder große Unterbrechungen durch andere Projekte“, schildert Treiber.

Ihre Ideen schöpft sie aus verschiedenen Quellen. „Zuerst wartest du auf eine Idee, es muss ein Funke überspringen. Diese kann mir plötzlich nur so einfallen, oder man liest etwas in der Zeitung oder stößt auf einen Artikel im Internet. Oder es erzählt mir jemand eine Geschichte, die ‚stehle‘ ich dann mit anderen Namen, dass man die Person nicht 1:1 wiedererkennt.“

„Der Arbeitsalltag ist bei mir immer ein Chaos so wie mein Leben überhaupt. Es gibt keine bestimmten Regeln."

Die Idee für das Kinderbuch, an dem sie gerade arbeitet, hat Treiber aus dem Internet gefischt. Sie hat dort von einem Mann gelesen, der in Hamburg einen leerstehenden Kiosk gekauft hat und dort nun Zeit verkauft und eine Figur geschaffen, die in einer Kleinstadt etwas Ähnliches macht und so ein ganzes Viertel neu belebt.

„Mit einer Idee gehe ich dann eine Zeit lang schwanger und schreibe gar nichts, außer es fällt mir ein guter Satz oder eine weitere Idee ein. Erst, wenn ich das Gefühl habe, dass die Geschichte in meinem Kopf einigermaßen fertig ist, fange ich mit dem Schreiben an“, schilderte Treiber interessierten Besuchern, die Einblick in die Arbeitswelt eines Schriftstellers erhalten wollten.

„Der Arbeitsalltag ist bei mir immer ein Chaos so wie mein Leben überhaupt. Es gibt keine bestimmten Regeln. Ich mache zuerst das, was notwendig ist – Termine ausmachen, E-Mails bearbeiten, organisatorische Dinge. Notwendig ist aber oft auch das, was in der Familie anfällt. Das ist wichtiger als alles andere. Und wenn das erledigt ist, habe ich Zeit für mich und fürs Schreiben.“