Knallbunte Couch gegen Kleinstadtsterben. Rund um die knallbunte Couch im Zeitgeschäft von Jutta Treibers Protagonisten Herrn Benno wird es ganz schön lebendig.

Von Michaela Grabner. Erstellt am 15. August 2019 (03:22)
Tritremmel
Druckfrisch. Dieser Tage ist „Die knallbunte Couch“ von Jutta Treiber erschienen.

„Die knallbunte Couch“ ist dieser Tage frisch aus der Druckmaschine gekommen. Jutta Treibers neuestes Kinderbuch beschäftigt sich mit dem Thema Kleinstadtsterben. „Das ist mir ein riesiges Anliegen, weil Oberpullendorf auch ein bisschen stirbt, aber hoffentlich bald wieder belebt wird“, betont Treiber.

Protagonist des Buchs ist Herr Benno, der in einer Kleinstadt aufgewachsen ist und später die ganze Welt bereist – als Sportjournalist, Kriegsberichterstatter und Regisseur in kleineren Theatern. In der Pension kehrt er in seine Heimatstadt zurück. Erstmals in seinem Leben hat er Zeit und mit der möchte er etwas anfangen. Als er auf der Hauptstraße spazieren geht und die vielen leer stehenden Geschäfte sieht, fasst er einen Entschluss. Er eröffnet in einem leeren Laden „Zeit und Zuhören – das knallbunte Zeitgeschäft“.

„Zuerst kommen Kinder, mit denen er lernt, später Leute, die ihm ihre Probleme erzählen. Schließlich gründen sie eine kleine Theatergruppe und spielen die Geschichten, die die Leute im Geschäft erzählt haben, also ein Stück über ihr eigenes Leben“, schildert Treiber. Und so wird es rund um die knallbunte Couch im Zeitgeschäft wieder lebendig.

„Es ist ein Kinderbuch, aber wie halt alle meine Kinderbücher im Grunde auch gut für Erwachsene lesbar“

Das Buch thematisiert aber nicht nur das Kleinstadtsterben, sondern es zeigt auch, wie Barrieren zwischen Generationen und Kulturen überwunden werden können und wie viel Freude ein achtsamer Umgang miteinander schenken kann. „Es ist ein Kinderbuch, aber wie halt alle meine Kinderbücher im Grunde auch gut für Erwachsene lesbar“, meint Treiber. Inspiriert zu diesem Buch wurde sie durch eine kleine Notiz, die sie im Internet gefunden hat. Darin wurde über einen Mann berichtet, der in Hamburg einen leer stehenden Kiosk übernommen hat und dort Zeit schenkt und der zum Vorbild für Treibers Herrn Benno wurde. „Ich habe das mit der Kleinstadt-Geschichte verbunden“, erzählt Treiber.

Sie wird ihr jüngstes Werk am 28. August um 19 Uhr im Kino Oberpullendorf im Zuge von „Sommer erlesen – diesmal klein und anders“ vorstellen. Im Rahmen der Buchpräsentation wird es auch eine Nachlese auf die Neuerscheinungen der vergangenen Monate geben: den Erwachsenenroman „Halt den Mund, sagte Mutter und dann starb sie“, den Sammelband „Das große Vorlesebuch“, für das Treiber mit anderen Autoren im Vorfeld Buchstabenbücher mit Geschichten und Gedichten zum jeweiligen Buchstaben geschrieben hatte, und die Neuauflage des Bilderbuchs „Naja“ rund um den Figurendoktor und den mit ihrem Aussehen unzufriedenen Dreieck, Kreis und Quadrat. Das Buch setzt sich kritisch mit dem Streben nach Schönheitsidealen auseinander.

Albanische Neuauflage „Vergewaltigt“

Ganz neu herausgekommen ist auch eine zweite Auflage von Treibers Buch „Vergewaltigt“ auf Albanisch. Ob und wann es weitere Treiber-Bücher geben wird, steht noch in den Sternen. Ihre Ziele 50 Bücher zu schreiben und 3.000 Lesungen zu halten, hat Treiber nicht nur erreicht, sondern überschritten. Nun braucht sie eine Atempause. „Momentan habe ich gar kein Bedürfnis etwas zu schreiben. Ich weiß nicht, wie lange ich eine Schaffenspause brauche“, so Treiber. „Aber sag niemals nie.“