Zwei Tote bei Unfall auf S31: 9.000 Euro Geldstrafe. Plus 10 Monate Freiheitsstrafe bedingt für 58-jährige Frau, die am 17. November 2017 schweren Unfall bei Oberpullendorf verschuldete.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 06. Mai 2019 (11:16)
APA (Symbolbild)

„So gechillt darf man nicht fahren, vor allem, wenn man die Örtlichkeiten nicht kennt“, rügte Richterin Doris Halper-Praunias nach der Urteilsverkündung jene 58-jährige Niederösterreich, die am Montag, 6. Mai 2019 am Landesgericht Eisenstadt für den von ihr am 17. November 2017 verursachten Verkehrsunfall zu einer bedingten Haftstrafe von 10 Monaten und einer unbedingten Geldstrafe von 9000 Euro verurteilt wurde.

Die Angeklagte hatte angegeben, sie sei bei dem geplanten Familienausflug in die Therme Lutzmannsburg „gechillt“ unterwegs gewesen. Dass die S31 bei Oberpullendorf zu einer Straße mit Gegenverkehr wurde, habe sie übersehen.

Trotz Gegenverkehr überholt

Sie hatte in einer unübersichtlichen Kurve trotz Gegenverkehr einen PKW und einen LKW überholt und kollidierte dabei mit dem Auto einer 57-jährigen Frau, die an der Unfallstelle ihren schweren Verletzungen erlag. Der 84-jährige Vater der getöteten Frau starb Monate später im Spital.

Da sich die Angeklagte damit verantwortete, sie habe nicht bemerkt, dass sie nicht mehr auf der Autobahn gewesen sei, ließ die Richterin den Verkehrssachverständigen Michael Plank erheben, wie die Beschilderung zum Unfallzeitpunkt gewesen war.

Es stellte sich heraus, dass damals drei Tafeln auf die Tatsache hingewiesen hatten, dass mit Gegenverkehr zu rechnen war. Zwischenzeitlich wurde für den Straßenabschnitt übrigens ein Überholverbot verordnet.

Grob fahrlässig gehandelt

Staatsanwältin Beatrix Resatz warf der Angeklagten eine „grobe Sorgfaltswidrigkeit“ vor.

Einer der Privatbeteiligtenvertreter verwies auf die vom Verkehrssachverständigen mit 15 Sekunden berechnete Dauer des riskanten Überholvorgangs: „15 Sekunden – das ist eine Ewigkeit im Straßenverkehr!“

Außerdem sei, so der Anwalt der Hinterbliebenen der Unfallopfer, bei der angeklagten Lenkerin eine Reaktionsverzögerung festgestellt worden.

Der Anwalt der Angeklagten bezeichnete den Unfall als „fürchterliches, dramatisches Resultat einer Fehlleistung“, zu der es gekommen sei, weil seine Mandantin das eines der Gefahrenzeichen am Fahrbahnrand übersehen habe.

„Ich kann nur sagen, dass es mir wirklich leid tut“, erklärte abschließend die angeklagte Lenkerin.

Riskantes Überholmanöver

Auf das Urteil – 10 Monate bedingt und 9000 Euro Geldstrafe – reagierte sie mit Tränen.

Die Richterin erläuterte, warum es sich bei dem Verhalten der Angeklagten um die streng bestrafte „grobe Fahrlässigkeit“ gehandelt habe: Es habe sich um ein riskantes Überholmanöver in einer unübersichtlichen Kurve, ohne auf den Gegenverkehr zu achten, gehandelt.

Die Frau habe drei Hinweisschilder übersehen, die den Gegenverkehrsbereich anzeigten, das sei grob fahrlässig.

Kein Ausgleich für Menschenleben

„Keine Strafe der Welt kann zwei Menschenleben ausgleichen“, führte die Richterin weiter aus.

Eine unbedingte Haftstrafe habe sie nicht verhängt, so die Richterin, weil dieser folgenschwere grobe Fehler auch jedem anderen Lenker hätte passieren können. Sie habe jedoch eine „relativ hohe Geldstrafe“ verhängt.

An die Mutter und Ehefrau der beiden Verstorbenen muss die Angeklagte 15.000 Euro bezahlen, an die Hinterbliebenen der getöteten Lenkerin weitere 500 Euro. Alle weiteren Forderungen werden am Zivilrechtsweg eingeklagt.

Das Urteil ist rechtskräftig.