Neckenmarkt: Schlepper auf Heroin

Erstellt am 04. Februar 2022 | 05:42
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Symbolbild Gerichtssaal
Symbolbild Gerichtssaal
Foto: shutterstock.com/Nirat.pix
Vier Jahre Haft für 36-Jährigen, der 31 Flüchtlinge in Kastenwagen pferchte und bei Neckenmarkt mit Motorschaden in den Graben fuhr.
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Er sei, bekannte der 36-jährige Angeklagte vorige Woche am Landesgericht Eisenstadt, seit 14 Jahren drogensüchtig. Für die Schlepperfahrt am 2. Dezember 2021 habe er von seinen Auftraggebern 15 Gramm Heroin bekommen. „Ohne Drogen könnte ich nicht wegfahren“, gab er zu. Auch während der Fahrt habe er Suchtgift konsumiert.

Seine Auftraggeber hätten ihm gesagt, er solle Diebsgut an der Grenze zwischen Ungarn und Serbien abholen. Als er im Dunkeln am vereinbarten Ort ankam, seien plötzlich Menschen in den Laderaum des von ihm gelenkten Kastenwagens gesprungen. Als er bemerkte, dass er nicht gestohlene Gegenstände, sondern Flüchtlinge transportieren sollte, habe er zuerst nicht fahren wollen, sagte der Angeklagte. Daraufhin habe er einen Anruf bekommen, behauptete der Angeklagte. „Man drohte mir: Wenn du nicht fährst, passiert deiner Familie etwas.“ Er sei dann losgefahren und habe an einem zweiten Ort noch weitere fünf Flüchtlinge in den Laderaum steigen lassen. Auf einer Fläche von 5,2 Quadratmeter drängten sich daraufhin 31 Personen, darunter ein Kind. Mindestens sechs Stunden war der Flüchtlingstransport unterwegs.

„Was glauben Sie, wie es den 31 Personen während dieser Fahrt ging?“, fragte Richterin Karin Lückl. „Ich wusste nicht, wie viele Personen drinnen sind“, antwortete der Angeklagte. „Wir bekamen wenig Luft und mussten schwer atmen“, hatte einer der Flüchtlinge bei der Polizei angegeben. „Wir waren übereinandergestapelt und bekamen weder etwas zu trinken noch etwas zu essen“, berichtete ein anderer. Die Geschleppten mussten sogar ihre Notdurft im Laderaum verrichten, weil der Schlepper nicht einmal für eine Toilettenpause anhielt.

Am 2. Dezember 2021 fuhr der Kastenwagen mit den 31 Menschen im Laderaum bei Neckenmarkt in einen Straßengraben. Das völlig überladene Fahrzeug hatte einen Motorschaden. Der Fahrer stürzte vom Fahrersitz und blieb mit gebrochenem Oberschenkel liegen. Zur Verhandlung in der Vorwoche erschien er auf Krücken. „Die Flüchtlinge traten die Türe auf und schrien: Water! Water!“, berichtete ein Polizeibeamter, der vor Ort gewesen war. Der Schlepper wurde zu vier Jahren Haft verurteilt. Er nahm diese Strafe an.

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