2019 war außergewöhnlich warm. Alexander Konrad, der seit 1985 das Wetter beobachtet, hat für die BVZ das Wetter des Vorjahres analysiert.

Von Michaela Grabner. Erstellt am 11. Januar 2020 (06:23)
Wetterfrosch. Alexander Konrad hat mittlerweile eine beachtliche Frösche-Sammlung. Begonnen hat alles mit einem Stofffrosch, den ihm seine Oma geschenkt hatte und der ihn als Glücksbringer auf Reisen begleitet. „Dann bekam ich einen zweiten und einen dritten und irgendwann entwickelte das ganze eine Eigendynamik“, so Konrad.
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„Das Jahr 2019 wird als außergewöhnlich warmes, aber weder zu feuchtes noch zu trockenes in die Witterungsgeschichte eingehen. Die Jahrestemperatur lag um 2,03 Grad über dem langjährigen Mittel, womit der bisherige Rekord aus 2015 eingestellt wurde“, lautet die Wetter-Bilanz für 2019 von Alexander Konrad. Der Salmannsdorfer weiß, wovon er spricht, schließlich beobachtet er seit einem Schulausflug im Jahr 1985 zur Wetterstation Glashütten bei Lockenhaus das Wetter – zunächst mit relativ einfachen Mitteln. 2000 stellte er auf amtlich geeichte Messgeräte um, 2014 bis 2017 erfolgte die schrittweise Umrüstung auf vollautomatisch digital. „Früher war es eher zeitaufwändig, seit die Station automatisch läuft, brauche ich die Werte nur noch von Zeit zu Zeit auszulesen und einmal im Monat benötige ich etwa ein bis zwei Stunden um die Werte zu interpretieren und mit früheren Jahren zu vergleichen“, so Konrad. Dabei konnte er für 2019 feststellen, dass es – anders als im bisherigen Rekordjahr 2015 – keine extreme Sommerhitze gab. „Die absolute Höchsttemperatur des Jahres 2019 erreicht in der Statistik seit 2000 nur Platz 35. Es gab aber auch keine wirklichen Kälteperioden, die absolute Minimumtemperatur fiel nicht einmal unter -10 Grad.“ Der Niederschlag liegt laut Konrad mit 766 Litern pro Quadratmeter ziemlich genau im Normbereich, allerdings gab es deutlich weniger Schnee als im Mittel.

Zum 38. Mal kein Schnee in Heiliger Nacht

„Der Winter 2018/2019 brachte es auf 50 Zentimeter Neuschnee und 43 Tage mit geschlossener Schneedecke, doppelt so hohe Werte wären durchaus als normal zu bezeichnen. Die Schneewerte des bisherigen Winters 2019/2020 sind eine vernachlässigbare Größe.“ Zum 38. Mal in Folge gab es in der Heiligen Nacht keinen Schneefall.

„Weihnacht, die im grünen Kleid, hält für Ostern Schnee bereit“, lautet eine Bauernregel. Aus der Sicht von Konrad sind diese allerdings sehr differenziert zu betrachten. „Diese Bauernregeln versuchen aus dem Istzustand des Wetters die Zukunft abzulesen. Ich möchte als Beispiel die Siebenschläferregeln hernehmen. Ihre Berechtigung haben sie insofern, als ein im Juni gut ausgeprägtes Azorenhoch auch im Juli und August besteht und so für tendenziell sonniges und warmes Wetter sorgt. Allerdings darf man als Prognosegrundlage nicht einen speziellen Tag hernehmen, sondern muss das Wetter über einen längeren Zeitraum beobachten. Wir können uns in einer Schönwetterphase befinden und am Lostag selbst (es ist übrigens der 27. Juni) geht ein sommerlicher Gewitterregen nieder, dann gilt es trotzdem als ‚Schönwetter‘. Andrerseits kann es passieren, dass im Zuge einer wechselhaften Westströmung gerade ein Zwischenhoch aktiv ist, dann scheint an diesem Tag die Sonne und der Tag ist für die Interpretation der Bauernregel trotzdem als ‚Schlechtwetter‘ zu interpretieren.“

„ 120 Jahre wären für Tages-Prognose nötig“

Konrad versucht sich erst gar nicht an Prognosen. „Da gibt es Superrechner, die pro Sekunde 1.000 Billiarden Rechenoperationen durchführen. Wenn man einem gewöhnlichen Heimcomputer ein langes Leben wünscht, würde er 120 Jahre brauchen, um eine Prognose für die nächsten 24 Stunden zu erstellen. Und dann soll ein burgenländischer Dorfdepp daherkommen und sagen: ‚Ich kann es besser‘ – das wäre Anmaßung.“

Er hat auch kein persönliches Lieblingswetter: „So wie man beim Essen nicht jeden Tag sein Lieblingsessen haben will oder zumindest haben sollte, möchte ich auch mein bevorzugtes Wetter nicht auf eine bestimmte Erscheinungsform reduzieren. Gerade der ständige Wechsel von unterschiedlichen Wetterphasen macht ja den Reiz des Wetters aus, da gehört Hitze genauso dazu wie Schnee, aber auch ein Gewitter oder nebelig-trübes Novemberwetter. Nur Unwetter brauche ich nicht. Ganz ähnlich verhält es sich bei den Jahreszeiten, auch hier möchte ich auf keine verzichten.“