Mikroplastik in Leber nachgewiesen: Kobersdorfer im Interview

Erstellt am 07. August 2022 | 05:59
Lesezeit: 4 Min
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In Hamburg tätig. Thomas Horvatits fühlt sich dem Burgenland aber nach wie vor eng verbunden.
Foto: UKE
An der Uni-Klinik Hamburg wurde erstmals Mikroplastik in einer Leber festgestellt - im Team ist auch ein gebürtiger Kobersdorfer.
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Der gebürtige Kobersdorfer Thomas Horvatits war Teil eines Team, das erstmals Mikroplastik in einer menschlichen Leber nachweisen konnte. Mit der BVZ sprach er über seine Forschung seinen Heimatbezug.

BVZ: Wie war Ihr Werdegang?

Thomas Horvatits: „Als Burgenländer habe ich in Wien studiert, als Student verschiedene Praktika/Famulaturen bei den Barmherzigen Brüdern in Eisenstadt, sowie in der Praxis meines Vaters in Kobersdorf gemacht, bevor ich als Arzt in Ausbildung in der Klinik für Gastroenterologie/Innere Medizin am AKH begann.

BVZ: Was hat Sie nach Hamburg geführt?

Horvatits: Primär habe ich aus beruflichen Gründen gewechselt. Ich arbeitete in einer wissenschaftlichen Arbeitsgruppe am AKH, die sich mit Lebererkrankungen bei kritisch kranken Patienten beschäftigte. Es ergab sich 2014 die Möglichkeit, für uns als ganzes Team von Wien an die Uni-Klinik Hamburg (UKE) zu wechseln.

BVZ: Wie kam es dazu, dass Sie sich mit Mikroplastik beschäftigt haben?

Horvatits: Die Umweltbelastung durch Mikroplastik ist ein allgegenwärtiges Problem. Kollegen aus Wien veröffentlichten vor ein paar Jahren eine Studie, in der erstmalig Mikroplastik im Stuhl von Menschen gefunden wurde. Als Internist mit dem Schwerpunkt für Leber-, Magen- und Darmerkrankungen fragte ich mich, ob sich diese Partikel auch im Körper anreichern können. Von Anfang an vermutete ich, dass der Darm und die Leber eine zentrale Rolle spielen.

BVZ: Wie kann man sich Ihre Forschung bzw. Ihren Alltag als Forschender vorstellen?

Horvatits: Im Alltag bin ich ein Arzt und für meine Patienten da. Ich bin Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie, und arbeite als Oberarzt an der Uniklinik Hamburg. Meine Forschungsarbeit ist eng mit der klinischen Tätigkeit verknüpft, findet aber natürlich auch im Labor (wenn auch immer weniger) statt. Wissenschaftlich beschäftige ich mich vor allem mit Lebererkrankungen, aber auch Magen-Darm-Erkrankungen. Die Mikroplastik-Studie konnte nur als große Kooperation zwischen Instituten durchgeführt werden.

So konnte ich mit Hilfe der Transplantationsmedizin, als auch der Rechtsmedizin Proben gewinnen, der analytische Teil lief dann in Kooperation mit der Universität Hamburg, bei meiner Partnerin Dr. Fischer. Wir arbeiteten über zwei Jahre, bis wir Ergebnisse veröffentlichen konnten.

BVZ: Die Resonanz auf Ihre Forschungsergebnisse war groß. Haben Sie mit diesem großen Interesse gerechnet?

Horvatits: Das Thema Mikroplastik gerät immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Insofern gingen wir schon davon aus, dass unsere Studie mit erstmaligem Nachweis von Mikroplastik in menschlichem Lebergewebe (aber nur bei Patienten mit zirrhotischer Leber) auf Aufmerksamkeit stoßen wird. Dass das Interesse in lokaler als auch internationaler Presse aber derart groß ist, das hat uns dann aber schon überrascht.

BVZ: Welche Implikationen ergeben sich durch Ihre Forschungsergebnisse?

Horvatits : Unsere Studie war ein wichtiger Schritt, um zu zeigen, dass sich Mikroplastik nicht nur unter „Labor-Bedingungen“ bei Mäusen, die mit Plastik gefüttert werden im Körper anreichern kann, sondern, dass dieses auch bei Menschen in der Leber nachweisbar ist. Die spannendste Frage ist noch ungeklärt: Welchen Stellenwert hat dies? Ist Mikroplastik in der Leber gefährlich oder ohne wesentliche Relevanz? Auch am UKE Hamburg wird weiter geforscht, ich werde diese Projekte begleiten.

BVZ: Wie groß ist Ihr Bezug zu Kobersdorf?

Horvatits: Mein Bezug zu Kobersdorf ist groß. Es ist der Ort, in dem ich aufgewachsen bin, wo mein Vater als Hausarzt tätig ist. Ich fühle mich dem Burgenland eng verbunden. Meine Familie und ich verbringen nach wie vor viel Zeit im Burgenland. Hamburg ist eine beeindruckende Stadt, die eine gute Lebensqualität und sehr viel zu bieten hat. Dennoch freue ich mich schon, wenn es wieder ins Burgenland geht.

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