Piringsdorfer sind stolz auf ihre Sprache

In Piringsdorf erfüllte man sich ein großes Anliegen und veröffentlichte ein Wörterbuch „Deutsch - Piringerisch“.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_7055582_opu40sarah_sprachinsel_piringsdorf.jpg
Dabei: Michaela Töpfer, Thomas Hauser, Klaudia Friedl, Stefanie Kohwalter, Rudolf Muhr, Johann Richter, Judith Tscheppe, Horst Horvath, Annemarie Klinger und Johann Janisch.
Foto: BVZ

„Kooln“, „launtsgan“, „prossln“ – Wer schon einmal mit dem Piringerischen in Berührung gekommen ist, weiß, diese Begriffe für „bellen“, „herumliegen“ und „hinfallen“ hört man nicht überall im Bezirk. Piringsdorf bildet nämlich eine „Sprachinsel“.

Projekt startete 2014

Dies ist auch der Name des Buches, das am vergangenen Freitag vorgestellt wurde: „Sprachinsel Piringsdorf“. Bürgermeister Thomas Hauser konnte als Ehrengäste Sprachwissenschafter Rudolf Muhr von der Universität Graz, Judith Tscheppe vom burgenländischen Volksbildungswerk sowie Horst Horvath und Annemarie Klinger vom „Lex Liszt 12“- Verlag, in Piringsdorf begrüßen, die allesamt das Projekt unterstützt haben. Auch Landtagsabgeordnete Klaudia Friedl, Landtagsabgeordneter Johann Richter, Altbürgermeister Stefan Hauser, Vizebürgermeister Michael Böhm und Volksschuldirektorin Michaela Töpfer waren dabei.

Begonnen hatte das Projekt „Wörterbuch“ bereits 2014. „Ich hab den Stolz gespürt, den die Piringer Kinder in Verbindung mit ihrer Sprache hatten. Wir haben dann begonnen, Hausaufgaben und Texte auch auf Piringerisch zu schreiben,“ erklärt Direktorin und Hauptinitiatorin Michaela Töpfer die Anfänge des Buches. Man verglich regionale Ausdrücke mit dem Schriftdeutsch und begann, Wörter und Texte zu sammeln. Bald trat Töpfer in Verbindung mit Tscheppe, welche schließlich Muhr ins Boot geholt hatte.

Der damalige Bürgermeister Stefan Hauser sowie Vizebürgermeister Michael Böhm unterstützten das Vorhaben von Anfang an. Bald wurden in der Ortschaft Arbeitsgruppen gebildet, die sich mit dem Sammeln von Wörtern, Geschichten und Sprüchen beschäftigten. Auf Tonband aufgenommen wurden die gesammelten Ausdrücke an Muhr geschickt, der sie verschriftlichte. Unter Bürgermeister Thomas Hauser wurde das Buch schließlich fertiggestellt.

„Ihr dürft wirklich stolz auf eure Sprache sein!“Sprachwissenschafter Rudolf Muhr

Nach drei Jahren intensiver Arbeit konnte man das Ergebnis präsentieren: In diesem besonderen Wörterbuch sind über 2.300 Piringer Begriffe ins Schriftdeutsche übersetzt worden. Geschichten und Sprüche sind genauso Teil des Werkes wie Texte von Schulkindern.

„Ihr dürft wirklich stolz auf eure Sprache sein!“, sagte Muhr. Laut dem Sprachwissenschafter gehen einige Ausdrücke des Piringerischen bis ins Mittelhochdeutsche zurück. Die Erklärung hierfür sieht er in der Siedlungsgeschichte des Ortes.

„Das Piringerische darf nicht aussterben!“, war der einstimmige Tenor des vergangenen Freitagabends.

Das Wörterbuch wurde vom Lex - Liszt 12 - Verlag produziert und kann ab jetzt in der Gemeinde und im Buchhandel erworben werden.