Königsdorf: Briefe an die Heimat

Vater-Tochter-Duo gedenkt mit Buch dem Onkel. Ein Krieg, das Eismeer, Willi Fischl, viele Briefe und ein ganzes Leben.

Erstellt am 04. September 2021 | 05:12
Königsdorf: Briefe an die Heimat
Erinnerungsarbeit. Walter Fischer und seine Tochter Sabine Schmied haben ein Buch über Fischls Onkel, Willibald, herausgegeben. 
Foto: Vanessa Bruckner

„Er war mein Lieblingsonkel. Und auch, wenn der Herrgott es nicht gut mit dem Willi gemeint hat und ich ihn kaum kannte, weil ich ja erst vier Jahre alt war, als er starb, erinnere ich mich trotzdem an so vieles, das kann sich ein anderer gar nicht vorstellen.“ Jener Mann, der hier von seinem geliebten Onkel Willi spricht, ist heute selbst bereits 84 Jahre alt. Walter Fischl ist längst in Pension, neben ihm sitzt seine Tochter Sabine, vor den beiden liegt ein sehr schön gestaltetes Buch mit einem schwarz-weiß-Foto am Cover. Ein Foto, das Willibald Fischl zeigt, ein junger, fescher Soldat, der heute einen Ticken älter wäre, als das Burgenland.

1920 geboren, in Königsdorf, in eben jenem Haus, in dem heute noch Walter Fischl lebt – Willis Neffe.

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1940 wird Willibald zum Kriegsdienst eingezogen, er stirbt ein Jahr später, wenige Wochen nach seinem 21. Geburtstag, als Pionier an der Eismeer-Front. Sein Neffe Walter und dessen Tochter Sabine Schmied, haben das letzte Lebensjahr des Soldaten durch zahlreiche Recherchen rekonstruiert und daraus, anlässlich des 100. Geburtstages von Willibald Fischl, ein Buch verfasst. „Das waren auch für mich sehr emotionale Monate. Die in Summe 23 Feldpostbriefe aus den Jahren 1940 und 1941 meines Großonkels Willi haben mich stark berührt.

Mein 84-jähriger Vater, Walter Fischl, ist mit seinem außergewöhnlichen Gedächtnis ein toller Zeitzeuge gewesen und hat wesentlich zum Entstehen der Dokumentation beigetragen“, erzählt Sabine Schmied.

„Was mit uns wird, wissen wir nicht“

Am Beginn standen die vielen in Kurrent verfassten Feldpostbriefe, die die Mutter des Soldaten sorgfältig aufbewahrt hatte. Durch die Transkription konnte die Familie viel Persönliches über Willibald erfahren, aber wenig über seinen Weg in den Hohen Norden und seinen Alltag als Frontsoldat.

Sabine Schmied gelang es durch ergänzende private sowie historische Recherchen, das letzte leidvolle Lebensjahr ihres Großonkels nachzuzeichnen, unter anderem konnte sie seinen genauen Einsatzort an der Front ausmachen.

Durch den Kontakt zum Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge erfuhr sie auch vom Kriegsdenkmal am Soldatenfriedhof Parkkina-Petschenga an der Eismeerküste, wo seit August 2000 über 6.100 Gefallene mit Namen und Lebensdaten verewigt sind.

Dort hat auch Willibald Fischl eine würdige letzte Ruhestätte erhalten. Die 23 erhaltenen Feldpostbriefe, Fotos und andere Originaldokumente, verwoben mit historischen Daten, ergeben einen authentischen Blick auf die traumatischen Kriegserlebnisse im Hohen Norden. Daneben beschreiben die bewegenden Zeilen der Soldatenmutter Cäcilia Fischl, zitiert aus ihren nach Willibalds Tod retour gekommenen Briefen, das Leid der Angehörigen in der Heimat und die Resilienz, mit der die Familie diese schwierige Zeit überstehen konnte. Die Herausgeber, Sabine Schmied und Walter Fischl, wünschen sich - stellvertretend für alle kriegsgeschädigten Familien -, dass ihre sehr persönliche Publikation als Plädoyer für ein friedvolles Zusammenleben wahrgenommen wird.

Das Buch „Willibald Fischl, Briefe an die Heimat“, kann direkt bei Sabine Schmied unter +43 660 31 32 743 oder via Mail unter sabine@schmied.at bestellt werden.