Bildungscampus: Sieger steht fest. Unter 66 eingereichten Projekten setzt sich der Entwurf des Wiener Architektenbüros „Franz & Sue“ durch.

Von Carina Fenz. Erstellt am 19. Juni 2021 (06:14)

Mehr Raum für die Bildung wollte die Stadt — das Architekturbüro Franz & Sue hat gezeigt, wie das aussehen kann. Die Gewinner des europaweit ausgeschriebenen Wettbewerbs für den Bau des neuen Bildungscampus bei der Europäischen Mittelschule — 66 Projekte wurden eingereicht — haben eindrucksvolle Pläne für das Zentrum für Bildung abgeliefert.
Wie geht es jetzt weiter?

„Nachdem der Wettbewerb abgeschlossen ist, schreitet man ins Verhandlungsverfahren, welches im Gemeinderat gipfelt“, erklärt Amtsleiter Roland Poiger. 2022 will man die Einreich- und Bewilligungsphase abschließen, 2023 den Bau starten, um 2024 bereits ins neue Gebäude zu übersiedeln.

Zeitplan ist sportlich, aber schaffbar

Ein Zeitplan, der so Poiger „sportlich, aber schaffbar“ sei. Dem stimmt auch Architekt Robert Diem — im Zuge der Präsentation —  mit einem Schmunzeln im Gesicht zu. Für die Stadtgemeinde gab es vom Wiener Architekten auch noch ein weiteres Geschenk, nämlich reichlich Lobesworte. „Ein so vorbildliches Verfahren, wie wir es hier in Oberwart hatten, ist nicht selbstverständlich. Auf die präzise Aufgabenstellung konnten wir eine klare Antwort geben“, gibt sich Diem zufrieden.

Cluster schaffen fünf Schulen in einer Schule

Weitblick, Offenheit und Transparenz waren Volksschuldirektorin Roswitha Imre bei den Planungen des Bildungscampus ein ganz besonders Anliegen. Der Frontalunterricht hat schon längst den Weg aus den Klassenzimmern gefunden, „es gehe darum, Kindern Raum zu bieten, um sich entfalten zu können.“ Und genau das hat man mit fünf Clustern in den oberen beiden Stockwerken geschafft.

„Ein Cluster beherbergt Klassenräume, einen Raum für ruhiges Lernen, einen Marktplatz und eine großzügige Loggia“, erklärt Architekt Robert Diem. Für die Volksschuldirektorin enorm wichtig, weil man mit mehr als 300 Schülern eine große Schule sei. „So schaffen wir fünf kleine Schulen in einer Schule“, sagt Imre.

Rosner: Zukunftsweisende Entscheidung

Bürgermeister Georg Rosner spricht von einer zukunftsweisenden Entscheidung für die Stadt, die die Zukunft und Entwicklung des Bildungsstandortes positiv beeinflussen wird: „Das Areal rund um die Mittelschule wird zu einem Zentrum für Lernen, Freizeit und Begegnung und wird das Stadtbild nachhaltig prägen. Daher war es uns sehr wichtig, auf alle Details zu achten. Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit waren ebenso zentrale Themen, wie die Architektur und das Erscheinungsbild“, so Rosner.

Hasler: Kindern Freiraum verschaffen

SPÖ-Fraktionsvorsitzender Stadtrat Ewald Hasler war Teil der Jury und erklärt zur Entscheidung für dieses Projekt: „Kinder verbringen immer mehr Zeit in Betreuungseinrichtungen. Ganztägige Betreuung wird auch bei uns bald der Standard und nicht mehr die Ausnahme sein. Wenn Schulen und Kindergärten die Kinder in ihren Bewegungsmöglichkeiten einschränken, so verarmt auch das Sozialverhalten der Kinder. Wenn wir ihnen nicht ermöglichen, ihre Umgebung mit allen Sinnen zu erfahren, dann werden sie auch später die Welt nicht begreifen.“

Stadtrat Christian Benedek von der FPÖ, der ebenfalls in der Jury vertreten war, freut sich vor allem über die einstimmige Einigung über alle Parteigrenzen hinweg: „Ein zukunftsweisendes Projekt, das natürlich jetzt weitere Schritte erfordert sowie einer gesicherten Finanzierung bedarf, um alle geplanten Projekte zu verwirklichen.“

HBLA und HAK könnte Gebäude nutzen

Was die Nachnutzung der aktuellen Volksschule angeht, will man nicht vorgreifen. „Hier wird es auch Verhandlungen geben, um das Gebäude, in die in unmittelbarer Nähe befindlichen Bundesschulen (HBLA und HAK), einzugliedern“,will Rosner der Diskussion noch nicht vorgreifen.
Ebenso zurückhalten gibt sich der Stadtchef mit den Kosten für den Campus-Neubau. „Rund 16 Millionen Euro Netto sollen die Baukosten für den ersten Bauabschnitt nicht überschreiten“, so Rosner.