Handwerkskunst: Der Ton gibt den Ton an

Erstellt am 12. Juni 2022 | 05:31
Lesezeit: 4 Min
Sie sind eine Familie in Bernstein, teilen die Leidenschaft zum Material Ton und heißen bezeichnenderweise „Krug“. Mehr Liebe zum Beruf geht eigentlich nicht.
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Schon vor tausend Jahren wurden Krüge aus Ton gefertigt. Damals, im alten Ägypten zum Beispiel. Heute, wir schreiben das Jahr 2022, fertigen „3x Krug“ in Bernstein sehr viel Schönes aus Ton – und wir reden hier nicht nur von Krügen, eh klar.

Reinhard, Andrea und Verena Krug sind nicht nur Vater, Mutter und Tochter, sondern auch arbeitstechnisch eng miteinander verbunden, denn allen dreien gemein ist die Liebe zum Handwerk mit dem Material Ton. Während der Papa, also der Reinhard, sich auf den Beruf des Hafners spezialisiert hat und für seine Kunden individuelle Öfen, Heizkamine, Kachelherde oder Backöfen plant und ausführt, sind die beiden Damen des Hauses beruflich damit beschäftigt, Kunstobjekte aus Ton zu formen und Interessierten bei Töpferkursen das Material und Handwerk näher zu bringen.

Reinhard Krug besuchte Anfang der 1980er die Keramikschule in Stoob, Tochter Verena eröffnet ihren Eltern dann mit 14: „Ich will auch nach Stoob und Keramikerin werden.“ Dass ihr das Handwerk quasi in die Wiege gelegt wurde, erklärt die heute 29-Jährige so: „Wir waren schon als Kinder oft bei Mama in der Werkstatt und sind mit dem Handwerk aufgewachsen. Aktuell bin ich zwar in der Babypause, aber meine Mama und ich haben unsere Ateliers beide zuhause und ich kann mir immer noch keinen schöneren Beruf vorstellen.“

Vom Handwerk zur gemeinsamen Familie

Mama Andrea Krug, die das Handwerk in der Ortweinschule in Graz erlernt hat, lernte über die Liebe zum Töpfern übrigens auch ihre große Liebe, Ehemann Reinhard kennen. „Wir haben beide beim gleichen Keramiker im Bezirk gearbeitet. Der Reinhard als Hafner und ich war für die Fertigung der Kacheln zuständig. Wir haben damals schon super zusammengearbeitet. Ein anderer Hafner, heute heißt es ja Ofensetzer, hätte mit meiner Nummerierung der Kacheln beispielsweise nix anfangen können, aber Reinhard und ich hatten da unser ganz eigenes System“, erzählt Andrea Krug, die seit 30 Jahren mit ihrem Reinhard verheiratet ist. Das „System“ scheint also nach wie vor bestens zu funktionieren!

In diesen 30 gemeinsamen Jahren hat sich beim Ehepaar Krug aber auch beruflich viel verändert. „Früher gab es große Hafner-Betriebe mit 30, 40 Angestellten. Fast jeder hatte einen Ofen daheim und Wald mit dem nötigen Holz dazu. Dann kamen Öl- und Gasheizungen und so wurden wir Hafner meist Einmann-Betriebe.

Allerdings merkt man durch die aktuelle wirtschaftliche Krise, den Krieg in der Ukraine wie generell jetzt ein enormes Umdenken bei den Leuten kommt und der Trend wieder retour zum eigenen Kamin und Ofen geht. Vor allem das Thema Blackout spielt dabei eine große Rolle“, berichtet der Fachmann aus Bernstein, der zwar, wie seine Frau und Tochter, auch das Töpfern als Handwerk erlernt hat, zuletzt aber vor sieben Jahren an der Töpferscheibe gesessen ist. „Das überlasse ich den Damen.“

Eine gemeinsame Familie, eine gemeinsame Tonlage

Dreimal Krug, ganz viel Ton und oft auch die Frage danach, wer den Ton daheim angibt. Verena Krug-Heinisch: „Man fragt den anderen schon auch einmal um seine Meinung zur eigenen Arbeit, oder wenn ich mal wo anstehe, bitte ich die Mama um Hilfe. Jeder von uns arbeitet auf seine Weise mit dem Material. Vergleiche sind da fehl am Platz, weil die Freude an unserer Arbeit stets im Vordergrund steht.“

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