Aus Langeweile in Fahrzeugen Feuer gelegt

Erstellt am 22. April 2022 | 04:24
Lesezeit: 3 Min
Prozess Gericht Symbolbild
Foto: Shutterstock.com/Billion Photos
Jugendliche begingen Einbruchsdiebstähle im Bezirk Güssing und hinterließen eine Spur der Verwüstung. Diversion und Schuldspruch ohne Strafe.
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Von Jänner bis Oktober 2021 richteten Jugendliche in Güssing großen Sachschaden an. Unter anderem zogen sie durch die Stadt und rissen Mistkübel aus der Verankerung. Bei einem Autohändler wurde in zwei Gebrauchtwagen Feuer gelegt. Bei anderen Fahrzeugen wurden Scheiben eingeschlagen. Bei diversen Firmen, im BFI, beim Tennisclub Güssing und an einem Schulgebäude begingen die Jugendlichen Einbruchsdiebstähle oder richteten Sachschaden an. Vom Lagerplatz eines Gastronomiebetriebes wurden 28 Flaschen Rum und drei Paletten Red Bull gestohlen.

Vorige Woche mussten sich zwei der Täter, ein 15-jähriger Schüler und ein gleichaltriger Lehrstellensuchender, vor Gericht verantworten. Dem Schüler wurden drei Einbruchsdiebstähle und zehn Sachbeschädigungen zur Last gelegt. Sein Freund hatte acht Einbruchsdiebstähle und zwölf Sachbeschädigungen sowie eine Körperverletzung zu verantworten.

„Ich dachte mir, es kann nichts passieren“, sagte der Schüler. Bei den Autos, in denen Feuer gelegt worden war, habe es sich um „Unfallwracks“ gehandelt. Der Autohändler hatte zunächst einen Schaden von mehr als 16.000 Euro geltend gemacht, sich dann aber mit 4000 Euro begnügt, die bereits vor dem Prozesstermin je zur Hälfte von den beiden Angeklagten bezahlt wurden.

Die Jugendlichen hatten in Güssing Hinweistafeln aus der Verankerung gerissen und bei der Festwiese eine Sitzbank in den Strembach geworfen. „Wie kommt man auf so etwas?“, wunderte sich Richterin Gabriele Nemeskeri. „Ich weiß es selber nicht“, antwortete der Schüler. Die gestohlenen Getränke waren großteils an den Gastronomiebetrieb zurückgestellt worden. Beim Tennisclub hatten die Jugendlichen einen Schaden von 1500 Euro verursacht und 130 Euro Bargeld gestohlen.

Stadtgemeinde wollte nur 500 Euro für Verwüstung

Die Gemeinde Güssing machte für den Sachschaden rund 500 Euro geltend. „Uns war sehr langweilig“, gab der Lehrstellensuchende als Grund für die Straftaten an. Die Körperverletzung hatte er im Juni 2021 begangen. Im Zuge eines Streits soll er seinen 17-jährigen Kontrahenten mit einem Messer am Ellbogen erwischt haben. Die Wunde musste genäht werden. Für den Schüler kam eine Diversion in Frage.

Er muss 60 Stunden gemeinnützige Leistungen erbringen, dann wird das Verfahren gegen ihn eingestellt. Der Lehrstellensuchende hatte im Sommer 2021 wegen eines Diebstahls gemeinnützige Leistungen erbracht. Das hatte ihn aber nicht von weiteren Straftaten abgehalten. Daher sprach sich der Staatsanwalt nunmehr gegen diese milde Form der Erledigung des Strafverfahrens aus.

„Wir haben hier kein kriminelles Kind sitzen“, ersuchte der Verteidiger des Lehrstellensuchenden dennoch um Milde. Sein Mandant sei sogar zum Autohändler zurückgekehrt und habe das Feuer in den Autos gelöscht. Die Richterin zeigte Verständnis mit den Jugendlichen und verwies auf die Einschränkungen während der Corona Lockdowns. Sie sprach den Lehrstellensuchenden schuldig, sprach jedoch keine Strafe aus.

„Ich glaube, Sie haben eine Chance verdient“, sagte sie.

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