41-Jähriger sammelte Nazi-Zeug. Unternehmer hortete fragwürdige Devotionalien und verschickte geschmacklose Botschaften: Verurteilt.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 25. Februar 2021 (03:51)
APA (Symbolbild)

Zumindest über einen Zeitraum von sieben Jahren hinweg hat sich ein 41-jähriger Unternehmer aus dem Bezirk Oberwart im nationalsozialistischen Sinne wiederbetätigt. Vorige Woche wurde der Mann von einem Schwurgericht in Eisenstadt verurteilt.

Mit 15 habe ihn sein Vater auf den Flohmarkt mitgenommen. „Da begann ich mich dafür zu interessieren“, berichtete der Unternehmer. 2009 meldete er sich bei einem Militaria-Forum im Internet an und tauschte und kaufte Nazi-Devotionalien.

„Das waren Gegenstände, auf denen man das Hakenkreuz, Abkürzungen wie SS oder andere Zeichen des Nationalsozialismus sieht“, führte Staatsanwalt Anton Paukner aus. Der Angeklagte habe sich „rege“ auf der Plattform bewegt: „1000 Beiträge von ihm sind dort verzeichnet“, sagte der Staatsanwalt.

Außerdem habe er über WhatsApp 800 bis 900 Videos und Fotos mit nationalsozialistischem Hintergrund verschickt, zum Beispiel Kampflieder oder Darstellungen von Adolf Hitler.

Soldbücher und Koppelschlösser

„Da waren extrem geschmacklose Formulierungen dabei!“, ermahnte Richterin Birgit Falb den Angeklagten. Auch verstehe sie nicht, warum man „so hartnäckig nach SS-Soldbüchern und Koppelschlössern sucht“. „Die sind relativ begehrt und selten“, antwortete der Angeklagte. Gerichtspräsident Karl Mitterhöfer wunderte sich über den Benutzernamen, den der 41-Jährige verwendet hatte: „Als Grenadier80 kommunizierten Sie mit jemandem, der sich als Admiral bezeichnete“, sagte der Gerichtspräsident, und er empfahl dem Angeklagten: „Das ist eine so heikle Zeit, deshalb sollte man die Sammlung solcher Gegenstände den Museen überlassen.“

Eine anonyme Anzeige hatte die Ermittlungen gegen den Unternehmer ins Rollen gebracht. „Kurze Zeit danach trennte sich seine Frau von ihm und ging mit dem Nachbarn zusammen“, sagte der Anwalt des Angeklagten. „Man weiß nicht, woher die Anzeige kam, aber man kann es sich denken.“

„Ich bin geheilt von dem ganzen Zeug!“, sagte der Angeklagte. „Es hat mich meine Ehe gekostet.“

Er wurde zu 16 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt und nahm das Urteil an.