Betrugsverdacht: Gierig oder hilfsbereit?. Sollte ein leichtgläubiger 63-jähriger Pensionist um weitere 40.000 Euro „erleichtert“ werden?

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 21. Dezember 2019 (06:27)
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APA (Symbolbild)

Ein 43-jähriger in Wien lebender Rumäne, Vater von vier Kindern, muss sich vor Richterin Doris Halper-Praunias wegen des Vorwurfs des schweren Betrugs verantworten. Das mutmaßliche Opfer: ein 63-jähriger Pensionist aus dem Bezirk Oberwart.

„Dieses Verfahren ist ein Nebenprodukt aus einem anderen umfangreichen Betrugsverfahren“, berichtete Staatsanwalt Christian Petö.

Das mutmaßliche Opfer, der 63-jährige Pensionist, soll im Jahr 2017 um „einige hunderttausend Euro“ erleichtert worden sein. Nach der Täterin, einer Rumänin, die sich das Vertrauen des leichtgläubigen Pensionisten erschlichen haben soll, wird gefahndet.

Vermittelt soll die Betrügerin von der Lebensgefährtin des nunmehr angeklagten Rumänen worden sein. Angeblich handelte es sich um eine Verwandte der in Wien lebenden rumänischen Familie.

Angeklagter: „Ich sagte, Sie sind dumm!“

Ein 44-jähriger Freund des Pensionisten, Vermieter jener Wohnung, in dem der 43-jährige Rumäne mit seiner Familie 2017 wohnte, wollte die Angelegenheit klären und fuhr mit dem Rumänen im September 2017 ins Südburgenland zu dem frustrierten Pensionisten. „Er sagte zu mir, diese Frau, die mit deiner Lebensgefährtin zu mir kam, hat mein Geld genommen: 100.000 Euro“, erinnerte sich der Angeklagte an das Zusammentreffen mit dem Pensionisten. „Ich sagte, Sie sind dumm! Wieso geben Sie so viel Geld aus!“, berichtete der Angeklagte weiter.

Er habe dem Pensionisten angeboten, diesem bei der Suche nach der Betrügerin behilflich zu sein. Allerdings: „Die Leute arbeiten nicht umsonst für uns in Rumänien“, erklärte der Angeklagte. Laut dem früheren Wohnungsvermieter soll der Angeklagte für seine Nachforschungen 40.000 Euro gefordert haben. Der Angeklagte bestritt, so viel Geld verlangt zu haben.

„Der Angeklagte sagte, er habe Polizistenfreunde, die würden schauen, ob sie die Frau finden“, berichtete der frühere Wohnungsvermieter des Beschuldigten. Er habe seinem Freund empfohlen, kein weiteres Geld herzuborgen. Wegen eines Spitalaufenthalts konnte der betrogene Pensionist nicht zur Zeugenaussage ins Gericht kommen. Der Prozess wurde vertagt.