Erfahrungsberichte zur Corona-Matura

Knapp 600 Maturanten haben an acht Schulen im Bezirk Oberwart ihre (schriftliche) Reifeprüfung heuer unter besonderen Rahmenbedingungen abgelegt.

Eva-Maria Leeb
Eva-Maria Leeb Erstellt am 11. Juni 2020 | 05:30
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Schüler Schule Prüfung Matura Symbolbild
Wenn die Matura vorbei ist, stellt sich die Frage, ob man noch mitversichert ist.
Foto: LStockStudio/Shutterstock.com

Für knapp 600 Maturanten aus dem BG/BRG/BORG Oberschützen, dem Wimmer Gymnasium Oberschützen, der HTL Pinkafeld, der HLW Pinkafeld, der HBLA, BHAK und des Zweisprachigen Gymnasiums sowie der BAFEP Oberwart — ging die Reifeprüfung heuer unter besonderen Rahmenbedingungen über die Bühne. So fand diese heuer nur schriftlich statt, die mündliche Matura war freiwillig, wobei nur wenige Schüler im Bezirk Oberwart von dieser Möglichkeit Gebrauch machte. Wir haben uns in den Schulen umgehört:

Wimmer Gynmasium Oberschützen: Alle 44 berechtigen Schüler sind am Wimmer Gymnasium zur Matura angetreten und „alle haben die vorgegebenen Arbeitszeiten für die Klausuren voll ausgenutzt“, erklärt Direktor Gottfried Wurm. Ein Schüler muss zu einer Kompensationsprüfung antreten. Auf die Frage, wie das Niveau der heurigen Matura im Vergleich zu vorangegangenen Jahren zu beurteilen ist, meint Wurm: „Anhand der sogenannten Feldtestungen werden ja jedes Jahr Schüler, die vor der Matura stehen getestet, inwieweit die Aufgabenstellungen bewältig- und damit wieder vergleichbar sind. Ob diese ‚Einnivellierung‘ dem Niveau zuträglich ist, beziehungsweise, ob es zur Steigerung des Momentanen beiträgt, sei dahingestellt.“ Geht es nach Wurm, dann soll die Jahresnote der letzten Klasse zukünftig eher nicht in die Beurteilung der Matura miteinfließen, denn „wie sich gezeigt hat, führt das immer wieder zu einem Missbrauch.“ Die Zeugnisse werden am Wimmer Gymnasium klassenweise, unter Einhaltung aller Sicherheitsauflagen, übergeben.

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Ingrid Weltler-Müller, Direktorin am BG/BRG/BORG Oberschützen
BVZ

BG/BRG/BORG Oberschützen: 38 Schüler haben heuer am BG/BRG/BORG Oberschützen maturiert. Drei Schüler müssen im Herbst zu einer Wiederholungsprüfung antreten. Dass man bei der heurigen Matura nicht „durchfallen“ konnte, wollte Direktorin Ingrid Weltler-Müller nicht gelten lassen. „Man kann durchfallen. Bei uns hat niemand die Option der Kompensationsprüfung in Anspruch genommen, der auf Nicht Genügend war.“ Im Gegensatz zu anderen Schulen, wir es am BG/BRG/BORG Oberschützen aber mehr Maturanten geben, die zur mündlichen Matura antreten. „Fünf in Englisch und Latein“, so Weltler-Müller. Das Niveau der heurigen Matura ist für Weltler-Müller ebenso, wie für viele ihrer Kollegen, „vergleichbar mit dem der Vorjahre.“ Die Idee, auch zukünftig die Jahresnote der letzten Klasse in die Maturanote miteinfließen zu lassen, befürwortet die Direktorin. Wie genau die Maturanten die Zeugnisse überreicht bekommen, steht noch nicht fest. „Wir bemühen uns, um eine klassenweise Verabschiedung mit Zeugnisübergabe.“

HTL Pinkafeld: Knapp 220 Absolventen haben ihre Ausbildung an der HTL Pinkafeld abgeschlossen. „Es sind alle Schülerinnen und Schüler zur Matura angetreten, es hat keiner quasi ‚leer‘ abgegeben“, erklärt HTL-Direktor Wilfried Lercher. Zur Kompensationsprüfung seien nur Schüler mit einem „Nicht genügend angetreten, ein Schüler sei freiwillig in Englisch zur mündlichen Matura angetreten. „Das Niveau war vergleichbar mit den letzten Jahren“, sagt der Direktor. Auf die Frage, ob die heuer geltende Regelung, dass die Jahresnote der achten Klasse in die Maturabeurteilung miteinfließt, beibehalten werden soll, antwortet Lercher: „Könnte man, aber dann muss man generell über Form und Sinn einer Matura nachdenken. Auf jeden Fall sollten die Spielregeln nicht im Nachhinein geändert werden.“ Übergeben wurden die Reifeprüfungszeugnisse an der HTL mit einer feierlichen Verabschiedung klassenweise gemeinsam mit den Lehrer, „leider aber ohne Eltern, Verwandte und Freunde“, so der Direktor.

HLW Pinkafeld: „Wir hatten heuer 45 Maturanten, alle sind zur Reifeprüfung angetreten“, erklärt Harald Zapfel, Direktor der HLW Pinkafeld. Auch hier hat niemand die geltende Regelung „ausgenutzt“ und nach 30 Minuten die Klausur abgegeben. Die Kompensationsprüfung musste kein Maturant in Anspruch nehmen, auch zur mündlichen Matura ist in der HLW niemand angetreten. „Die schriftliche Matura war vom Niveau her heuer sicher gleich wie im Vorjahr“, sagt Zapfel, der dafür wäre, die Praxis, die Zeugnisnote der Abschlussklasse in die Maturanote einfließen zu lassen, beizubehalten. Die Verabschiedung der Maturantinnen und Maturanten der HLW wird erst am 1. Juli stattfinden, „da dann mehr als 100 Personen zusammenkommen dürfen“, sagt der Direktor.

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Andreas Lonyai, Direktor an der BHAK/BHAS Oberwart
BVZ

BHAK Oberwart: „Ein leistungsstarker Jahrgang hat die Matura in der BHAK Oberwart absolviert“, freut sich Direktor Andreas Lonyai. 40 Schüler, alle des Jahrgangs, sind zur Reifeprüfung angetreten und auch alle verzichten auf die Möglichkeit einer mündlichen Prüfung. „Das inhaltliche Niveau ist mit dem, der vergangenen Jahre vergleichbar. Hilfreich war für manche sicher die verlängerte Arbeitsdauer, denn jede Klausur wurde österreichweit um eine Stunde Arbeitszeit verlängert“, erklärt Lonyai, der der Regelung nicht abgeneigt ist, die Jahresnoten in die Maturabeurteilung einfließen zu lassen, allerdings „müsse man über Details diskutieren. Vor allem bei Prüfungsgebieten, denen zwei Gegenstände zugrunde liegen.“ Die Maturaklassen werden in der BHAK alle einzeln mit einem kleinen Festakt verabschiedet, „damit wir auch im Rahmen der Verordnungen die Teilnahme von Angehörigen ermöglichen und einen würdigen Rahmen bieten können“, erklärt Lonyai.

BAFEP Oberwart: 69 Schüler sind bei der Matura angetreten. Nur eine Person muss Wiederholungsprüfungen im September ablegen. Aus gesundheitlichen Gründen hat niemand auf die Ablegung verzichtet. „Alle 69 sind zu den Klausurprüfungen gekommen und haben diese erledigt. Es wurden keine leeren Zettel abgegeben“, berichtet Direktor Herwig Wallner. Die Option einer Kompensationsprüfung nahm niemand in Anspruch. Zur mündlichen Matura treten zwei Kandidatinnen im Gegenstart Ungarisch freiwillig an. Das Niveau bei der Matura änderte sich im Gegensatz zu den Vorjahren nicht. Die Aufgabenstellungen bei den schriftlichen Klausurprüfungen wiesen keine Unterschiede zu den vergangenen Jahren auf. „Ich finde, die Matura des Jahres 2020 ist gleichwertig.“ Wallner findet auch, dass die Jahresnote der achten Klasse in die Maturabeurteilung weiterhin miteinbezogen werden soll. Die Reifeprüfungszeugnisse werden heuer im kleinen, aber trotzdem feierlichen Rahmen übergeben.

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Martin Zsivkovits, Direktor am Zweisprachigen Gymnasium Oberwart
BVZ

ZBG Oberwart: Am Zweisprachigen Gymnasium sind heuer 20 Schüler bei der Matura angetreten, aber „es durften nicht alle antreten. Wir haben auch Schüler, die den ersten Nebentermin wahrnehmen, falls sie zuvor die Wiederholungsprüfungen bestehen. Es gibt auch Schüler, die eine Kompensationsprüfung in Anspruch nehmen“, erklärt Christine Gyöngyös, provisorische Schulleiterin. Das Maturaniveau war laut Gyöngyös, „mit dem aus den Vorjahren vergleichbar.“ Dass die Jahresnote der achten Klasse in die Maturanote miteinfließt, findet Gyöngyös nicht vorteilhaft, denn „da gibt es viel zu viel Spekulationsfreiraum.“ Die Zeugnisüberreichung an die Maturanten findet im ZBG im Zuge einer Maturafeier statt, die aber an die derzeitigen Hygienebedingungen angepasst ist. Auch die Anzahl der Begleitpersonen wird stark eingeschränkt sein.

HBLA Oberwart: 72 Schüler sind in der HBLA zur heurigen Matura angetreten. „Wenige müssen den Nebentermin im Herbst in Anspruch nehmen, zwei Schüler treten zu einer Kompensationsprüfung an“, erklärt Direktor Aristoteles Papajanopulos. Das Niveau der Zentralmatura im heurigen Jahr war laut Papajanopulos „ähnlich, wie im Vorjahr“, aber „die Ergebnisse wesentlich besser“, sagt Papajanopulos. Dass die Jahresnote der letzten Klasse in die Maturabeurteilung miteinfließt, findet Papajanopulos für „nicht schlecht.“ Die Maturantenverabschiedung mit Zeugnisverteilung wurde im Freien abgehalten. „Außerdem haben wir mehrere Termine gehabt, um die Anzahl von 100 Personen nicht zu überschreiten.“