Filialleiter griff in Tresor: 10 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung

Aktualisiert am 29. Juli 2022 | 05:56
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Tresor Safe Symbolbild
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30-Jähriger finanzierte mit Kundengeld den Bau seines Einfamilienhauses. Schaden bei mehr als 60.000 Euro.
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Von 2019 bis zum Eklat im Dezember 2021 leitete ein 30-jähriger Mann aus dem Bezirk Oberwart die Filiale einer Handelskette in seinem Heimatbezirk. Irgendwann war bei der Geschäftsführung der Eindruck entstanden, dass der Filialleiter „ein bisschen die Kontrolle verloren hat“, wie es sein Ex-Vorgesetzter formulierte. „Er antwortete nicht auf Anfragen, schickte Waren nicht, war nicht in der Filiale.“ Das sei der Grund für die Kündigung im Dezember 2021 gewesen. Bei der gleich danach durchgeführten Inventur stellte sich heraus, dass Ware fehlte. Außerdem klaffte beim Vergleich der Einnahmen mit den aufs Bankkonto der Handelskette überwiesenen Beträgen eine Lücke von 9.420 Euro. Daraufhin wurde die Kündigung in eine fristlose Entlassung umgewandelt.

„Ich habe das halt, beim Einzahlen mehr oder weniger ist mir das untergegangen.“

Vorige Woche musste sich der Ex-Filialleiter wegen schweren Diebstahls, Veruntreuung und Untreue vor Gericht verantworten. Er bekannte sich weitgehend schuldig. Befragt zum Verschwinden von Bargeld aus dem Tresor stotterte er: „Ich habe das halt, beim Einzahlen mehr oder weniger ist mir das untergegangen.“ Er wisse selbst nicht mehr, wie „das passiert ist“. „Was machten Sie mit dem Geld?“, fragte die Richterin. „Wahrscheinlich ging es auf meine Hausbaurechnung“, gab der Angeklagte zu. Weitere rund 8.000 Euro zweigte der 30-Jährige bei Direktverkäufen an Kunden ab. Er lieferte Waren ab, kassierte den Rechnungsbetrag, zahlte diesen aber nicht in der Handelsfiliale in die Kasse ein. Bei manchen dieser zwielichtigen Transaktionen behauptete er, er habe Geräte von erheblichem Wert an Kunden zum „Ausprobieren“ verborgt und nicht mehr zurückerhalten.

„Der hat mich übers Ohr gelegt“, sagte der Angeklagte über einen Kunden. „Ein absolutes No-go“, sagte dazu sein ehemaliger Vorgesetzter. „Dass Kunden etwas ohne schriftliche Aufzeichnung mitnehmen, das gibt es nicht.“ „Ich habe leider komplett den Überblick verloren“, gab sich der Angeklagte kleinlaut. Mit jenem Kunden, dem er Geräte im Wert von 17.000 Euro „geborgt“ haben will, ging der Angeklagte gemeinsam auf die Jagd. Dass auch Jagdausflüge ins Ausland stattfanden, bestritt er. „Unter unseren Kunden verbreitete es sich wie ein Lauffeuer, dass es Unregelmäßigkeiten gab“, berichtete der ehemalige Vorgesetzte des Angeklagten. Man habe die Kundschaft darauf hingewiesen, dass es sich beim unrechtmäßigen Erwerb von Waren um den Tatbestand der Hehlerei handeln könnte.

„Und das ist kein Kindergeburtstag!“

„Und das ist kein Kindergeburtstag!“, sagte der Manager. Daraufhin habe sich der eine oder andere Kunde entschlossen, etwas zu sagen. Privatrechtlich hat der Angeklagte mit seiner Unterschrift den von seinem Ex-Arbeitgeber geforderten Betrag von 62.000 Euro anerkannt. Rückzahlungen habe der Angeklagte aber noch nicht geleistet, sagte der Rechtsvertreter der Handelskette. „Heute habe ich eine erste Anzahlung geleistet: 10.000 Euro zahlte ich konventionell am Schalter ein“, behauptete der Häuselbauer. „Haben Sie eine Bestätigung mit?“, fragte die Richterin. „Nein, leider nicht“, antwortete der Angeklagte. „Das ist merkwürdig“, wunderte sich die Richterin. „Die Bereicherungsabsicht war von Anfang an gegeben“, hielt der Staatsanwalt dem Angeklagten vor.
„Ich möchte mich bei der Firma entschuldigen, dass es so passiert ist“, sagte der Angeklagte abschließend. Er werde den Schaden begleichen, versprach er.

Der 30-Jährige wurde zu zehn Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. An seinen Ex-Arbeitgeber muss er 62.543 Euro plus Zinsen bezahlen. „Wenn Sie nichts mehr anstellen, müssen Sie nicht ins Gefängnis“, erklärte die Richterin. „Danke“, sagte der Angeklagte. Er werde das Urteil annehmen.

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