Flugplatz für die Region: Gewinn oder Unsinn?. Eine neue Initiative für einen Flugplatz Nähe Großpetersdorf sorgt für Gesprächsstoff. Was ist wirklich dran an den Plänen und wie realistisch sind die Chancen dafür?

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 21. November 2018 (04:17)
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Zukunftsvision. Geht es nach Unternehmer Ludwig Pall, stehen die Chancen für einen Flugplatz in Großpetersdorf so gut wie nie.
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Zweitausend Meter lang soll die Landebahn werden, damit auch Privatjets im Südburgenland landen können. Und ein Flugplatz mit eben dieser Landebahn soll im Gebiet um Großpetersdorf entstehen. Das wäre, so Unternehmer und treibende Kraft des Zukunftsprojektes, Ludwig Pall, der ideale Standort für einen Flugplatz in der Region, auf dem nicht nur Sport- und Hobbyflieger, sondern auch die „Oberen Zehntausend“, die in der Region urlauben, ihre Flieger landen können.

Pläne dazu gibt es bereits und ein erstes Treffen mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik fand jetzt ebenfalls statt.

„Ob ein Flugplatz gebaut wird oder nicht, hat für uns keine Relevanz. Die Leute kommen sowieso.“ Karl Reiter, Unternehmer und Eigentümer vom Reiters Reserve Bad Tatzmannsdorf

Allerdings: So weit war man schon einmal, Ende der 1990er Jahre, als es sogar eine Volksabstimmung zum Thema Flugplatz für die Region mit positivem Ausgang gab - und das Projekt am Ende trotzdem wieder verworfen wurde.

Jetzt hat Speditionsunternehmer Ludwig Pall, der bereits vor 21 Jahren den Anstoß für eine große Landebahn im Bezirk gab, die Idee wieder zum Leben erweckt und auch gleich andere mögliche Akteure an Bord geholt.

Auf seine Einladung hin trafen sich Wolfgang Balla, Geschäftsführer von Aptiv PLC (vormals Delphi Packard), Großpetersdorfs Bürgermeister Wolfgang Tauss (SPÖ), Oberwart- Chef Georg Rosner (ÖVP), Günter Philipp, der ehemalige Amtsleiter von Großpetersdorf, Reinhard Kremsner (Flugplatz Punitz) und Vertreter des Sportfliegerclubs Pinkafeld.

Tourismus-Chefs zeigen sich skeptisch

„Wir liegen mitten in Europa und haben durch die Nähe zu Szombathely ein Einzugsgebiet von rund 150.000 Menschen. Der Flughafen Schwechat ist überfüllt, viele Privatjets fliegen deshalb Graz an.

Ein Flugplatz in Großpetersdorf, auf dem auch größere Maschinen landen können, wäre Goldes wert, denn immer mehr Touristen kommen mit dem eigenen Flugzeug zu uns“, ist Pall sicher. Vom kompletten Gegenteil ist wiederum Großpetersdorfs Bürgermeister Wolfgang Tauss überzeugt: „Der klassische Thermentourist kommt fix nicht mit dem Flieger. Ein Flugplatz in Großpetersdorf ist wirtschaftlich nicht sinnvoll und überhaupt: Wer soll das bezahlen?“Anderer Meinung ist da wiederum Oberwarts Ortschef Georg Rosner: Ein Flugplatz bei uns würde der Region wirtschaftlich enormen Auftrieb geben.“

Und was sagen diejenigen, bei denen das Klientel mit Privatjet in der Garage urlaubt?

Neustart. Der Oberwarter Unternehmer Ludwig Pall gilt als treibende Kraft hinter dem Projekt Flugplatz im Bezirk.
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Unternehmer Karl Reiter vom Reiters Reserve Bad Tatzmannsdorf: „Ich weiß von ein oder zwei Gästen in unserem Haus, die mit Hubschrauber kommen. Aber dafür haben wir einen eigenen Landeplatz. Ob ein Flugplatz im Südburgenland gebaut wird oder nicht, hat für uns keine Relevanz, die Leute kommen sowieso.“

Und Richard Senninger, Geschäftsführer der Golf- und Thermenregion Stegersbach, gibt zu bedenken: „Wenn durch einen Flugplatz wirklich mehr Gäste in die Region kommen würden, dann muss das Angebot an Zimmern dementsprechend adaptiert werden. Touristisch gesehen haben Bad Tatzmannsdorf und Stegersbach aktuell eine durchschnittliche Jahresauslastung von 70 Prozent. Ich kann mir nicht vorstellen, dass so viele zusätzliche Gästebetten errichtet werden würden, damit ein Flugbetrieb wirtschaftlich wäre.“

Auf die Frage, warum man die Landebahn am Flugplatz in Punitz, der nur wenige Kilometer von Großpetersdorf entfernt ist, nicht einfach erweitert um so ein Angebot für größere Flugzeuge zu schaffen, erklärt Ludwig Pall: „Das Gelände vor Ort lässt leider keine Verlängerung der Piste zu.“

Pall setzt auf den Verkehrsminister

Die Chancen für eine Realisierung eines Flugplatzes bei Großpetersdorf sieht der Oberwarter Unternehmer trotzdem so hoch wie noch nie, „weil der zuständige Minister Norbert Hofer hier zuhause ist.“

Dass dieser wiederum selbst begeisterter Pilot ist, dürfte dem Projekt „Baut´s an Flugplatz in Pedaschdorf“ sicher zuträglich sein , oder? Die BVZ hat nachgefragt und erhielt folgende Antwort aus dem Büro des Ministers: „Die Entscheidung für einen Flugplatz fällt nicht in den Vollzug des Bundesministeriums für Verkehr.“ So viel also dazu.

Und wie denken andere Verantwortliche aus dem Gemeindevorstand von Großpetersdorf, die keinen Privatjet, sondern ein Auto in der Garage geparkt haben über einen möglichen Flugplatz in ihrer Heimat?

ÖVP-Vize Gregor Hafner dazu: „Grundsätzlich stehe ich der Idee eines Flugplatzes positiv gegenüber. Vorab muss allerdings erst einmal geklärt, ob das wirtschaftlich überhaupt realisierbar ist.“

Und Marcel Wallner, SPÖ-Gemeinderat, findet ganz klare Worte: „Ich halte die Idee für einen absoluten Schwachsinn.“