Gastronomen in Sorge: Vom Regen in die Traufe. Die Regierung gibt ab 23. Oktober (00:00 Uhr) deutlich verschärfte Maßnahmen zur Bekämpfung der Verbreitung des Corona-Virus vor. Die Gastro-Szene im Bezirk Oberwart sieht das gemischt.

Von Carina Fenz. Erstellt am 22. Oktober 2020 (03:18)
Von links oben nach rechts unten: Raimund Schmidinger,  Jürgen Grandits, Ronald Drobits, Carmen Weyse, Gustav Gamauf, Georg Halper und Markus Zlatnik.
zVg

Besonders die heimische Gastronomie hat seit Beginn der Coronakrise auf vielen Fronten zu kämpfen.

Am Montag hat die Bundesregierung die Rahmenbedingungen ausgeweitet und auch Kontrollen rücken vermehrt in den Mittelpunkt.

Ab Freitag, dem 23. Oktober (00:00 Uhr) gelten auch im Bezirk Oberwart verschärfte Maßnahmen in der Gastronomie. Neben der bisherigen Regel, nämlich Speisen und Getränke nur noch im Sitzen zu konsumieren und den Mund-Nasen-Schutz beim Betreten, Verlassen und Bewegen im Lokal zu tragen, wird dann auch die 6-Personen-Grenze pro Tisch eingeführt. Bislang durften maximal zehn Personen pro Tisch Platz nehmen.

Raimund Schmidinger: Angenehm überrascht

Angenehm überrascht darüber, dass die Maßnahmen nicht schärfer sind, ist Stadtwirt Raimund Schmidinger: „Ich hätte damit gerechnet, dass Faceschilder verboten werden und es auch eine verpflichtende Registrierung gibt, aber wahrscheinlich kommt das ohnehin noch zu einem späteren Zeitpunkt“, meint Schmidinger, der speziell die Registrierungspflicht kritisch sieht „wir sind keine Bürokraten, sondern Köche und Kellner.“ Die Obergrenze mit sechs Personen pro Tisch sei für ihn kein großes Problem. „Große Gruppen fehlen ohnehin schon länger und man merkt, dass die Leute kurzfristiger reservieren. Wenn wir den Winter mit den aktuellen Maßnahmen überstehen, dann blicke ich der Zukunft positiv entgegen“, meint Schmidinger.

Ähnlich sieht das auch Jürgen Grandits vom Lokal „Gotthardt’s Bank“. „Ob es zehn oder sechs Personen pro Tisch sind, spielt nicht wirklich eine große Rolle. Ich finde es nur schade, dass wieder die Gastronomie Abstriche machen muss, wo man weiß, dass die Ansteckungen eher zu Hause passieren“, erklärt Grandits, der sich auch gegen eine Registrierungspflicht ausspricht. „Macht man diese nämlich sorgfältig, dann ist es ein extremer Mehraufwand für das Personal“, ist Grandits überzeugt. Eine 22-Uhr-Sperrstunde sei, so Grandits, zu früh.

Gleicher Meinung ist auch Ronald Drobits vom Landgasthof Drobits. „Vor allem bei uns im ländlichen Raum spielt diese Personengrenze keine Rolle, die Leute, die im Lokal sind, kennen sich meist ohnehin. Immer wieder neue und schärfere Maßnahmen zu präsentieren, schreckt aber trotzdem viele ab, das merken wir schon auch bei den Gästen“, so Drobits, der einer Registrierungspflicht eine Absage erteilt. „Kommt diese, dann bleiben viele Lokale leer“, ist der Wirt überzeugt.

Registrierungspflicht wäre der Tod

Weniger Probleme mit den strengeren Personenobergrenzen hat hingegen Stadtcafé-Chef Gustav Gamauf, auch „wenn, gewisse Maßnahmen definitiv zu hinterfragen sind“, so Gamauf. Sein Stadtcafé sei groß genug, um allen Gästen genügend Abstand zu bieten. „Außerdem kommen unsere Gäste nicht in großen Gruppen, sondern meisten alleine auf einen Kaffee oder ein schnelles Achterl“, erklärt Gamauf, der aber auch meint, dass „die Registrierungspflicht definitiv der Tod der Kaffeehausgastronomie wäre“.

Frühere Sperrstunde wäre viel schlimmer

Auch Carmen Weyse vom Irish Pub Tamdhu ist davon überzeugt, „dass es kein Problem ist, wenn die Gruppen pro Tisch kleiner sind. Wir haben ausreichend Platz und sogar mehrere Räume und Ausgänge im Lokal, das verteilt sich gut bei uns“, erklärt Weyse, die im Gegensatz zu ihren Gastrokollegen keine Gegnerin der Registrierungspflicht ist. „Löst man sich eine Vorteilskarte im Supermarkt, dann registriert man sich auch, also warum nicht in der Gastronomie“, so Weyse. „Die Vorverlegung der Sperrstunde wäre da wesentlich dramatischer“, ist Weyse überzeugt.

Almrausch: 80 Prozent weniger Gäste

Besonders hart treffen die Corona-Maßnahmen die Eventgastronomie. Georg Halper vom Touch und Almrausch in Oberwart: „Für uns kann es fast nicht mehr schlimmer werden, aber wir lassen trotzdem offen und versuchen alles, um den Besuchern den Abend so schön, wie nur möglich zu machen. Unsere Stammgäste sind wirklich sehr treu und kommen trotz aller Maßnahmen immer wieder“, erklärt Halper, der von einem Besucherrückgang im Herbst von 80 Prozent spricht.

„Der Sommer hingegen war sehr gut bei uns, darum werden wir jetzt erneut unseren Outdoor-Bereich vermehrt nützen, müssen ihn davor allerdings wintertauglich machen“, kündigt Halper an.

Hüttenzauber: Tradition trotz Corona

Auch Markus Zlatnik vom Eissaloon Tropicale wird ab 4. November (bis 24. Dezember) sein Lokal wieder zum „Hüttenzauber“ öffnen. „Nachdem im heurigen Jahr fast alle Christkindlmärkte abgesagt sind, wollen wir mit unserer Tradition nicht brechen und bieten den Gästen wieder Punsch und Glühwein an, natürlich auch zum Mitnehmen“, erklärt Zlatnik. Die 6-Personen-Obergrenze pro Tisch ist für ihn kein Problem, denn „wir haben ohnehin nur Tische für weniger Personen“, schmunzelt der Gastronom, der seinen kleinen Gastgarten heuer auch im Winter geöffnet haben wird.