Initiative für Pinkatalbahn

Ein Personenkomitee fordert die Umsetzung des Grenzbahn-Projektes zwischen der Steiermark, Bezirk Oberwart, Ungarn/Szombathely. Rückbau der Schienen soll gestoppt werden.

Erstellt am 04. März 2021 | 04:17

Eine spontan gebildete, überparteiliche Plattform von Funktionsträgern und Bürgern aus der Region, spricht sich dafür aus, den Bahnausbau von Oberwart nach Szombathely (Projekt „Grenzbahn“) so schnell wie möglich umzusetzen. „Die Initiative Pro Bahn ist schon lange dafür eingetreten. Die Pläne des Landes, auf der Strecke aber einen Radweg errichten zu wollen, hat uns wach gerüttelt“, erklärt Jutta Spitzmüller, Sprecherin der Plattform die Beweggründe.

Das Projekt zur Reaktivierung der Grenzbahn (siehe Grafik) gibt es schon seit Jahrzehnten. 2015 präsentierte der damalige Landeshauptmann Hans Niessl (SPÖ) mit dem ungarischen Staatssekretär Magyar Levente eine Studie zur ehemaligen Verkehrsader. Der Ausbau würde rund 120 Millionen Euro kosten, langfristig sei der wirtschaftliche Nutzen aber viel höher. Genau hier wolle man als Initiative auch ansetzen. „Diese Chance darf man nicht verbauen, vor allem auch, weil die EU enorm viel Geld für umweltfreundlichen Verkehr in die Hand nimmt. Dieses Projekt wurde sogar unter die Top-20 von 300 möglichen Förderprojekten gereicht“, erklärt Spitzmüller.

Dorner: Grenzbahn ist nicht finanzierbar

„Die Grenzbahn zwischen Oberwart und Szombathely ist aktuell absolut kein Thema, weil sie nicht finanzierbar ist. Die Investitionen würden sich laut einer umfassenden Studie auf mindestens 350 Millionen Euro belaufen, die jährliche Instandhaltung wird mit fünf Millionen Euro geschätzt“, heißt es dazu von Verkehrslandesrat Heinrich Dorner. Die EU, so Dorner, sehe keine Förderprogramme vor, die für Projekte wie die Grenzbahn ausreichend Mittel zur Verfügung stellen würden. „Auch nach mehrmaligen Verhandlungen mit Brüssel konnten keine EU-Förderungen in Aussicht gestellt werden, weshalb eine Realisierung des Projektes als nicht realistisch angesehen wird. Und auch seitens des Bundes wurde dieses Projekt nie vorrangig behandelt und in das ÖBB-Rahmenprogramm aufgenommen“, erklärt Dorner.

Ein wichtiger Schritt sei aber, dass sich das Land die Bahnstrecke gesichert habe. „Sollten sich die ÖBB entschließen, die Strecke zu reaktivieren, müssen nicht erst Verhandlungen mit privaten Eigentümern geführt werden. Die Strecke befindet sich bereits in öffentlicher Hand“, sagt Dorner.

Rosner: „Gut, dass Trasse nicht geopfert wurde“

Oberwarts Stadtchef Georg Rosner (VP), der sich in den vergangenen Jahren als „Kämpfer“ für die Bahn eingesetzt hat, ist übrigens kein Mitglied der neuen Initiative für die Pinkatalbahn. „Die Bahn war und ist mir immer schon ein großes Ansinnen gewesen, aber ich weiß, dass zwischen Oberschützen-Bad Tatzmannsdorf und Oberwart zumindest niemals mehr ein Zug fahren wird. Verkehrspolitisch zeugt es allerdings nicht von Weitblick, dass man aus einer Bahntrasse einen Radweg macht. Das einzig Positive ist, dass die Trasse erhalten bleibt und man diese nicht opfert. Persönlich bin ich natürlich für die Umsetzung des Grenzbahn-Projekts in Kombination mit dem Radweg.“

Dieser Idee erteilt allerdings Verkehrslandesrat Heinrich Dorner (SPÖ) eine Absage: „Ein solches Projekt ist nicht geplant“, heißt es dazu von Dorner. Die Umsetzung des Radweges hingegen schreitet voran. „Derzeit erfolgt der Abbau der Schienen. Bauvorbereitende Maßnahmen werden zeitnah gestartet. Das gesamte Projekt wird bis Ende 2022 umgesetzt“, heißt es dazu vom Landesrat.

„Die Bahn war und ist mir immer schon ein großes Ansinnen gewesen, aber ich weiß, dass zwischen Oberschützen-Bad Tatzmannsdorf und Oberwart zumindest niemals mehr ein Zug fahren wird.“ Oberwarts Stadtchef Georg Rosner

Für viele Bürger ist die Tatsache, dass der Personenverkehr im Bezirk Oberwart kein Thema mehr sein wird, unverständlich. Die BVZ hat bei Verkehrslandesrat Heinrich Dorner nachgefragt, warum man in den Bahnausbau im Norden investiert und gleichzeitig im Bezirk Oberwart, Schienen abbaut. Dorner dazu: „Der Bahnverkehr im Süden ist sehr wohl ein Thema – und zwar soll in den nächsten Jahren die Strecke Jennersdorf-Graz gebaut und in Betrieb genommen werden. Was eine Bahnverbindung von Oberwart nach Wien betrifft: Selbst, wenn man diese Investition tätigen würde, wäre die Fahrzeit wesentlich länger, als jene mit dem Bus. Ein Ausbau der Wechselbahn wird aber seitens des Verkehrsministeriums abgelehnt, da eine wesentliche Fahrzeitverkürzung nur mit einer Neutrassierung und einem wesentlichen Tunnelanteil gegeben wäre. Dies ist aufgrund der hohen Kosten nicht wirtschaftlich, wie das Ministerium betont hat.“