Integration: Zwei Menschen, zwei Schicksale. Zwei junge Flüchtlinge im Gespräch über Heimatgefühl, Ängste, Hoffnungen und Österreich. Narine aus Armenien und Shapoor aus Afghanistan am Tisch mit der BVZ.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 16. November 2017 (11:15)
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Zuhören, um zu verstehen. BVZ-Mitarbeiterin Vanessa Bruckner traf Narine und Shapoor im BIP Pinkafeld mit jeder Menge Fragen im Gepäck.
BVZ

Sie haben nicht viel gemeinsam. Nicht, wenn man nur die „Fakten“ kennt.

Shapoor kommt aus Afghanistan und ist Moslem. Narine verbrachte ihre Kindheit in Armenien und ist Christin. Sie ist quirlig und lebensfroh, er still und abwartend. Unsicher. Und ängstlich. Charaktereigenschaften, die das Leben formt, denn vor vier Jahren, da lernte BVZ-Mitarbeiterin Vanessa Bruckner Narine genau so kennen, wie heute Shapoor vor ihr sitzt.

Unsicher und ängstlich. Das war an jenem Tag, als Narine und ihre Familie im Zuge einer Zwangsabschiebung Österreich fast verlassen hätten müssen. In ihrer Heimat Armenien wartete der sichere Tod auf die Familie . Heute, vier Jahre später, sitzt ein 22-jähriges, bildhübsches „Happy End“ mit strahlend aufgeweckten Augen am Tisch, die vor Kurzem den Bescheid über den Erhalt der österreichischen Staatsbürgerschaft im Postfach fand.

Zwei Menschen, zwei Schicksale

Narine wird also bald offiziell Österreicherin sein und darf dann ihre langersehnte Ausbildung zur Polizistin absolvieren. Der gleichaltrige Shapoor aus Afghanistan wiederum hatte bislang nicht so viel Glück. Vor sechs Jahren flüchtete er alleine aus Afghanistan nach Österreich und lebt heute in Oberschützen. Kontakt zu seiner Familie in Afghanistan gibt es seit Jahren keinen mehr. Er spricht gut Deutsch, hat in Redlschlag Fußball gespielt, seinen Pflichtschulabschluss gemacht und hätte bereits die Zusage für einen Ausbildungsplatz.

Auch er hätte so viele Pläne für die Zukunft. Aber Shapoor fehlt dazu ein positiver Asylbescheid. Jetzt wurde er auch noch aus der Grundversorgung hinausgeworfen und hat somit keine Krankenversicherung mehr. Außer Ingrid Taucher, bei der er in Oberschützen ein vorübergehendes Zuhause gefunden hat, hat der Afghane überhaupt nicht mehr viel. Vor allem, kaum mehr Hoffnung.

Wie funktioniert Integration? Wie viel „Bringschuld“ hat ein Asylwerber und müssen wir Österreicher gar nichts dazu beitragen, außer den Willen dazu, von den Fremden vorauszusetzen? Ist das Leben überhaupt fair und Österreich zur Heimat geworden? Viele Fragen. Wichtige Fragen. Hier sind Narines und Shapoors Antworten.

Denn um einander verstehen zu können, muss man erst einmal zuhören.