Internationaler Drogenring: Drahtzieher weiter flüchtig. Ein 30-jähriger Kroate wurde wegen seiner Mittäterschaft verurteilt: Er soll am Rande bei einem großangelegten Drogenhandel mitgewirkt.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 09. Juli 2020 (05:45)
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Die große Nummer im Drogengeschäft war der 30-jährige Angeklagte nicht: Der gebürtige Kroate, der jetzt in München lebt, soll nur einmal einen der Drahtzieher, einen 39-jährigen, flüchtigen Pakistani, bei einem Drogentransport unterstützt haben.

Zuvor war das in der Ukraine in großen Plantagen gezüchtete Cannabis in Öfen eingeschweißt und über Tschechien und Polen nach Österreich gebracht worden. Der internationale Drogenring wurde von einem Polen geleitet. Der Pakistani, der zwischenzeitlich in seiner Heimat untergetaucht ist, soll die Drogengeschäfte im Südburgenland organisiert haben. Mehrere Personen wurden bereits wegen ihrer Beteiligung an dem Drogenschmuggel verurteilt.

Der 30-jährige Kroate, der sich nun wegen seiner Mittäterschaft vor einem großen Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richterin Birgit Falb verantworten musste, hatte wohl das Pech, mit den „falschen Leuten“ in Kontakt geraten zu sein, wie es sein Anwalt formulierte. 2015 sei er Kellner in einer Diskothek gewesen, berichtete der Angeklagte. Dort lernte er den Pakistani kennen, der Fahrer für einen Paketzustelldienst suchte. Zumindest einmal soll der Angeklagte dem Pakistani geholfen haben, fünf Kilogramm Cannabis zu einem Abnehmer zu transportieren. Der Pakistani habe selbst keinen Führerschein gehabt, er habe ihn nach Graz führen müssen, so der Angeklagte. „Ich roch im Auto Cannabis und fragte: Was soll das?“, so der bislang unbescholtene Angeklagte.

Dem Pakistani wird auch vorgeworfen, zwei Subunternehmer im Zustelldienst-Milieu erpresst zu haben. Mehrfach habe er ihm Schwarzgeld zahlen müssen, so einer der Transportunternehmer, der sich mittlerweile im Privatkonkurs befindet und wegen der Aufregung einen Herzinfarkt erlitten habe. Er sei dann zur Kriminalpolizei gegangen, die eine Abhöraktion gestartet habe, so der Zeuge. Er habe sich vor dem Pakistani gefürchtet, vor dessen nunmehr angeklagten Mitarbeiter jedoch nicht. Einem anderen Transportunternehmer soll der Pakistani gedroht haben, er werde „eine Kugel im Kopf haben“, wenn er ihm nicht weiterhin monatlich 30.000 bis 50.000 Euro schwarz auszahle.

Der 30-jährige Kroate wurde wegen der einen Drogenfahrt zu zwölf Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Der Staatsanwalt zog weitere Anklagepunkte zurück. Der Schöffensenat kam auch zum Schluss, dass dem Angeklagten ein Mitwirken an den Erpressungsversuchen gegenüber den Transportunternehmern nicht nachgewiesen werden konnte, weshalb dazu ein Freispruch im Zweifel erfolgte. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.