Bezirk Oberwart ist Corona-Hotspot

Besonders betroffen ist auch das Spital, welches mit Abteilungsschließungen kämpft. Die Versorgung bleibt aber gesichert.

Erstellt am 23. April 2020 | 04:47
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Krankenhaus Oberwart
Der Bezirk Oberwart gilt als Hotspot im Land. Besonders betroffen ist auch das Spital, wo es zahlreiche infizierte Mitarbeiter gibt. Die KRAGESberuhigt: Gesundheitsversorgung war und ist  niemals in Gefahr gewesen.
Foto: LMS/Daniel Fenz

Der Bezirk Oberwart hat mit 120 CoViD-19-Fällen (Stand: 21. April/19 Uhr) die meisten im Bezirksvergleich. Beim Blick auf die reinen Fallzahlen lässt sich ablesen, dass Bezirke mit weniger Einwohnern auch weniger Infizierte haben. So erklären sich auch die geringen Fallzahlen in dünn besiedelten Regionen wie dem Bezirk Jennersdorf oder Güssing, aber nicht jene im Bezirk Eisenstadt oder Neusiedl am See.

Mehr Aussagekraft hat da ein Blick auf die Zahl der Fälle je 100.000 Einwohner. Und da zeigt sich, dass sich das Virus im nahe zu Oberwart gelegenen Bezirk Hartberg-Fürstenfeld besonders stark ausgebreitet hat.

Ein Faktor, der eine große Rolle spielt. Immer wieder ins Rampenlicht rückt dabei auch das Krankenhaus Oberwart, wo seit Ausbruch der Coronakrise Anfang März einige Abteilungen von Schließungen betroffen waren, weil es Coronafälle unter Mitarbeitern gab.

„Wichtig ist, dass die Versorgung der Patienten immer sichergestellt ist und diese war bisher noch nie in Gefahr.“ KRAGES-Geschäftsführer Hans-Peter Rucker

Aber warum ist gerade das Krankenhaus Oberwart so stark betroffen? KRAGES-Geschäftsführer Hans-Peter Rucker hat eine Erklärung: „In anderen Bezirken des Landes ist die Durchdringungsrate nicht so hoch wie in Oberwart und genau darum erklärt sich auch, dass das Spital stärker betroffen ist. Wir haben unter den Mitarbeitern des Krankenhauses mehr als 500 Testungen gemacht — die Risikogruppe verstärkt getestet — und wenn Fälle dabei waren, sofort Maßnahmen ergriffen.“

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Hans-PeterRucker,Geschäftsführer der KRAGES
BVZ

Im Falle der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe und jener für Orthopädie und Traumatologie brachte das sogar eine Schließung mit sich. „Betroffene Mitarbeiter müssen in Quarantäne, ebenso die Kontaktpersonen und im Falle der beiden Abteilungen konnten wir den Betrieb mit dem verbleibenden Personalstand nicht aufrechterhalten“, erklärt Rucker.

In der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe läuft ein eingeschränkter Routinebetrieb wieder seit 14. April. „Die Kooperation mit den niedergelassenen Fachärzten und Praktikern läuft absolut problemlos“, heißt es dazu von Primar Alexander Albrecht, Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe.

Personal wird weiterhin laufend getestet

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Primar Alexander Albrecht, Vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe
BVZ

Die Strategie, so viele Tests unter dem Personal zu machen, wie möglich, soll weiterhin verfolgt werden, auch im Hinblick auf ein Hochfahren des Betriebes. „Hier steckt eine langfristige Strategie dahinter und trotzdem müssen wir tagtäglich neu reagieren“, informiert Rucker.

Täglich auf neue Situationen eingehen

Seitens der Ärztlichen Direktorin des Krankenhauses Oberwart, Astrid Mayer, heißt es dazu: „Jeden Tag besprechen sich per Videokonferenz alle Kollegialen Führungen der vier Häuser und die Direktion. In diesem dynamischen Umfeld müssen wir täglich auf neue Situationen eingehen. Viel läuft derzeit auch über E-Mail, da wir Kontakte in größeren Gruppen vermeiden wollen. Wir sind auch laufend am ‚Upgraden‘ der Leitlinien, weil wir stets die neuesten Erkenntnisse über diese doch noch junge Krankheit CoViD-19 in die Patientenbetreuung einfließen lassen wollen.“

„Wichtig ist es, dass die Versorgung der Patienten immer sichergestellt ist und diese war bislang noch nie in Gefahr“, betont Rucker. Hier spielt auch die gute Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus Güssing eine große Rolle. „Besonders in der Notfallversorgung durch die Sperre der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie deckt Güssing die breite Versorgung der Patienten ab, während in Oberwart die akute Notfallversorgung trotzdem gesichert ist“, so Rucker, der davon ausgeht, dass die geschlossene Abteilung in der kommenden Woche wieder in Betrieb geht.

Primar Dietmar Pertl Krankenhaus Oberwart
Primar Dieter Pertl, Vorstand der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie im Krankenhaus Oberwart
Michael Pekovics

Dieter Pertl, Vorstand der Abteilung für Orthopädie und Traumatologie dazu: „Die Versorgung ist gesichert, für Notfälle sind wir da. Aber: Wenn Sie sich jetzt verletzen, bitte rufen Sie die Rettung und kommen Sie nicht per Privattransport ins Spital. Wir können die Versorgung besser planen und organisieren, wenn wir von den Rettungsdiensten vorab informiert werden.“

Ab Mai: Betrieb soll hochgefahren werden

Ab Mai soll der Betrieb unter Aufrechterhaltung von Sicherheitsvorkehrungen im gesamten Spital wieder hochgefahren werden, trotz Zugangsbeschränkungen und eingeschränktem Besuchsverkehr.

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Astrid Mayer, Ärztliche Direktorin des Krankenhaus Oberwart
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„Die Triage bleibt, um Patientenströme zu trennen und vor allem, um sicherzustellen, ob bei Patienten CoViD-Verdacht besteht. In weiterer Folge geht es auch darum, welche Leistungen in welchen KRAGES-Häusern angeboten werden“, erklärt der KRAGES-Geschäftsführer. Apropos Sicherheitsvorkehrungen: „Alle KRAGES-Mitarbeiter, die im Patienten-Kontakt sind, wurden mit FFP-2-Masken ausgestattet. Die Lagerbestände sind für die nächsten Monate ausreichend, denn die Mitarbeiter sind verpflichtet, jene Masken zu tragen“, räumt Rucker mit Gerüchten auf, dass es für das Personal zu wenig Schutzausrüstung gebe.

Neubau ist auf Schiene, Start vor dem Sommer

Gute Neuigkeiten gibt es zum Neubau des Krankenhauses Oberwart, der auf Schiene ist. „Aktuell gehen wir davon aus, dass vor dem Sommer die ersten Baumaßnahmen gesetzt werden“, kündigt Rucker an.