Junge Räuber vor Gericht: „Hatten Hunger“. Bezirk Oberwart: Von Raub bis Diebstahl – fünf junge Leute im Alter zwischen 15 und 23 vor Gericht.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 18. Februar 2021 (04:23)
Justiz Gericht Symbolbild
Der Mann wird in eine Anstalt eingewiesen
APA/Webpic

Zwischen Oberwart und Hartberg erstreckte sich der Aktionsradius der fünf Angeklagten, die sich vorige Woche vor einem Schöffensenat verantworten mussten.

Das schwerwiegendste Delikt war dabei ein Raub, begangen am 5. Oktober 2020 in einem Park in Hartberg.

Die Beteiligten: Ein 23-jähriger russischer Staatsbürger mit Wohnsitz in der Steiermark, ein 16-jähriger Iraker mit Adresse im Bezirk Oberwart und ein 18-jähriger rumänischer Staatsbürger, der in der Steiermark lebt.

Die Opfer: zwei Berufsschüler. Anfangs unterhielt man sich freundlich, dann schlug die Stimmung um.

Der 23-Jährige forderte einen der Jugendlichen auf, ihm sein Bargeld auszuhändigen. Als dieser der Aufforderung nicht nachkam, verpasste ihm der 23-Jährige eine Ohrfeige und verlangte neuerlich Geld. Mehrfach soll der 23-Jährige den Berufsschüler geschlagen haben.

Dann kam der 16-Jährige dazu. „Ich habe ein Messer eingesteckt und steche dich ab, wenn du mir kein Geld gibst!“, herrschte er den zweiten Jugendlichen an.

Verängstigtes Opfer gab 25 Euro her

Dieser übergab ihm zuerst fünf Euro und als der Iraker nicht lockerließ weitere 20 Euro.

„Ich hatte Hunger!“, brachte der Iraker zu seiner Verteidigung vor. Mit einem Messer habe er nicht gedroht.

Der Iraker hatte mit einem anderen Angeklagten, einem 15-jährigen serbischen Staatsbürger, in Oberwart weitere Straftaten begangen.

Für das Moped, das der Schwester des Irakers gehörte, stahl der 15-Jährige am 29. Mai 2020 das Kennzeichen eines in Oberwart abgestellten Mofas und nahm auch gleich den auf dem Fahrzeug abgelegten Sturzhelm mit.

Am 29. August 2020 brachen die Freunde in Oberwart drei Kellerabteile auf und stahlen Spielkonsolen, diverse Konsolenspiele und drei iPhones.

Bei einer Rauferei in Oberwart schlugen der 15-Jährige, sein 18-jähriger Bruder und der 16-jährige Iraker am 25. Juni 2020 auf einen 23-jährigen afghanischen Staatsbürger ein, der zuvor den 18-Jährigen mit einem Messer attackiert hatte.

Der afghanische Staatsbürger war dafür bereits zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden.

Nun mussten sich auch seine Kontrahenten wegen dieser Rauferei vor Gericht verantworten.

Die Brüder wurden zu fünf bzw. sechs Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt, der Iraker zu einem Jahr bedingt und der russische Staatsbürger zu zwei Jahren unbedingt. Freigesprochen wurde jedoch der Rumäne. Er hatte niemanden bedroht.