„Kixx“: Seit 30 Jahren Musikgeschichte

Am 17. November 1990 traten die KIXX erstmals als Band auf. Die Originalbesetzung über eine Nacht, deren (Auf-)Takt auch heute noch im Jahr 2020 durch die Region hallt.

Erstellt am 18. Dezember 2020 | 06:08

Eine Bühne erkennt man nicht auf dem Video. 17. 11. 1990 steht unten im Bild – durchgehend. Fast ein bisserl so, damit nur ja niemand vergisst, an welchem Tag das Geschehene auf Band verewigt wurde. Dreißig Jahre später ist nicht nur das Videomaterial längst Kult, sondern auch die fünf Herren und ihre Instrumente, die darauf zu sehen sind. Harry Gamauf, Joe Schneider, Thomas Barabas, Mike Dafert und Gerhard Krammer – die Gründungsväter und allererste Formation der heute legendären Musikband KIXX.

Das Video wurde beim allerersten gemeinsamen Auftritt als KIXX aufgenommen. Wo die Bühne aufhört und das Publikum beginnt, kann man nur erahnen, so dicht gedrängt ist das Bild. Den „Klub-Charakter“ der Location, der auch ins London der Beatles oder Rolling Stones passen würde, mimt das ehemalige Gasthaus Gruber in Stadtschlaining.

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„Am Tag nach dem Konzert hat man uns erzählt, dass 400 zahlende Gäste da waren. Ich hab bis heute keine Ahnung, wie 400 Leute in das kleine Gasthaus inmitten Schlainings enger Gassen gepasst haben“, erinnert sich Joe Schneider lachend und Leadsänger Harry Gamauf ergänzt: „Ich erinnere mich an Massen von Menschen, die das relativ kleine Lokal fast gesprengt hätten. Wir hatten es extra gewählt aufgrund der kleinen Ausmaße, in der Hoffnung, es beim ersten Auftritt halbwegs voll zu bekommen. Das Ergebnis war ein wahrlich erdrückendes Erlebnis und in Zukunft mussten wir daher – zu unserer Freude und Überraschung - zum überwiegenden Teil auf größere Veranstaltungsräumlichkeiten ausweichen. Der allererste Auftritt von KIXX in Schlaining war für mich jedenfalls der Beginn einer der schönsten Abschnitte in meinem Leben.“

Der GAK stieg ab und die KIXX auf

Dass der Harry Gamauf am Ende Teil der KIXX wurde, ist dem Abstieg des Fußballs zu verdanken. Klingt vielleicht ein bisserl schräg, aber „war so“, klärt Joe Schneider weiter auf: „Vor diesem ersten gemeinsamen Auftritt in Schlaining waren wir nämlich, bis auf Harry, schon komplett. Gott sei Dank ist der GAK damals abgestiegen, sonst wär der Harry vielleicht nie zu uns gekommen.“

Und tatsächlich war des Fußballvereins Leid am Ende der letzte wichtige Besetzungsposten der KIXX, denn: Leadsänger Harry Gamauf, bis dahin noch Kapitän beim GAK, hielt sein Versprechen. „Ich wechselte zum SV Oberwart und so konnte ich Proben und Auftritte mit den KIXX zeitlich managen. Wobei das neben meiner Beschäftigung bei der Steirischen Landesregierung und als Halb-Fußball-Profi immer noch einen enormen Zeitaufwand und viele zurückgelegte Kilometer mit dem Auto bedeutete“, erzählt Gamauf.

Ur-Formation rockte von 1990 bis 1995

Szenenwechsel und Zeitreise zurück ins Jahr 1990: die Playtaste wieder gedrückt, sieht man am Video, wie ein Bandmitglied der KIXX die anderen vorstellt. Gerhard Krammer am Keyboard macht den Gästen zwischendurch noch schnell klar „für einen Auftritt am Feuerwehrball kommen wir nicht in Frage.“ Dann ertönen die ersten Klänge von Grönemeyers „Kinder an die Macht“ als Understatement dieses Versprechens, dass die KIXX auch drei Jahrzehnte später noch halten: eine Musikband der heimischen Superlative zu sein.

Von 1990 bis 1995 rockt die Ur-Formation der KIXX den Bezirk und darüber hinaus. „Wir werden so an die 180 Auftritte in der Originalbesetzung gespielt haben“, weiß Joe Schneider, der sich von Anfang an nicht nur um die Gitarre, sondern auch ums Organisatorische kümmerte.

Aber den allerersten Auftritt am 17. November 1990, den verdankten die KIXX ihrem Bassisten Mike Dafert. „Ich wohnte damals noch in Schlaining und da kam ich mit der Jugend ins Gespräch, die am Ende als Veranstalter fungierte. Die Proben für den ersten gemeinsamen Auftritt als KIXX begannen bereits im Sommer, also gut fünf Monate vorher. Lampenfieber habe ich persönlich keines gehabt. Ich weiß nur noch, dass das Lokal zum Bersten voll war und auch auf der Straße eine Menge Fans standen. Gravierende Patzer haben wir auch nicht hingelegt, wir hatten gut geprobt. Nur mir fiel einmal der Gitarrenfunk für meine Bassgitarre aus. Ich spielte mit Kabel weiter.“

Aus „XIX“ wurden die „KIXX“

Dafert ist es übrigens zu verdanken, dass die KIXX die KIXX wurden und dass diese vier Buchstaben die Wochenenden und Herzen ganzer Generationen mit Erinnerungen fürs Leben füllten. „Ich hatte den Vorschlag, einen kurzen prägnanten Namen zu nehmen, weil das auf Plakaten gut sichtbar ist. Aus meinem allerersten Vorschlag „X I X“ hat unser Drummer Thommy Barabas, der auch als Grafiker bekannt ist, dann das neue Logo dazu gestaltet und aus XIX die KIXX quasi vom Papier auferstehen lassen.“

Schlagzeuger Thomas Barabas erinnert sich an den Auftritt vom 17. November von vor 30 Jahren übrigens noch einen Ticken „mehr genau“ als seine Bandkollegen, weil: „An dem Tag feierte ich meinen 25. Geburtstag. Der Gig war der Beginn einer intensiven, sehr schönen und lustigen Zeit, die ich keinesfalls missen möchte. Und in meinem Fall auch ein sehr wichtiger Schub für meinen beruflichen Werdegang, der bis heute Spuren hinterlässt.“

Bis zu 2.000 Menschen fand man in den darauffolgenden drei Jahrzehnten bei Auftritten vor der Bühne der KIXX. „Es war egal, ob wir in der Informhalle oder in Kleinpetersdorf spielten, die Bude war immer voll“, freut sich Joe Schneider heute noch über den Erfolg der KIXX, der bis nach Südtirol reicht: „Mich hat letztens ein Typ aus Südtirol kontaktiert, der fragte, wo er eine CD von uns bestellen kann, weil seine Frau, die aus dem Bezirk Oberwart stammt, ihm heute noch von den Konzerten der KIXX erzählt.“