Mundart versus Jugendsprache: Wos host gsogt?. Die Oma redet wirres Zeug von einem „Amper“ daher und versteht wiederum das „Selfie“ der Enkelin nicht. Die BVZ bat zum Sprachtest der Generationen.

Von Laura Graf, Laura Weingrill und Vanessa Bruckner. Erstellt am 10. Februar 2018 (05:51)
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Damals und Heute. Nur wenige junge Leute verstehen „Hianzisch“. Umgekehrt tut sich die alte Generation mit den Jugendworten von heute schwer.
BVZ, Weingrill

Wer frisst aus dem „Nuisch“? Was für ein Tier ist ein „Tusal“? Und was in aller Welt hat „Potschnpicker“ mit Autos zu tun? Unsere Sprache verändert sich ständig, neue Wörter kommen dazu, alte verschwinden, weil sie unter Jugendlichen nicht mehr im Gebrauch sind und schlichtweg in Vergessenheit geraten.

So kommt es vor, dass die Großmutter vom „Amper“ redet, der „iahl“ steht und sich das Enkelkind nur denkt: „Geh Oma, red‘ Deutsch mit mir.“ Wie viele hätten denn gewusst, dass die Oma den „Kübel“ sucht, der „drüben“ zu finden ist? Jung und Alt verstehen sich nicht immer - und das wortwörtlich gemeint.

Hianzisch-Nachhilfe und ein bisserl chillen

Die BVZ Praktikantinnen Laura und Laura haben sich diesen Umstand zu Herzen genommen und wollten wissen: Haben Jugendliche eigentlich noch eine Ahnung vom „Hianzischn“? Und können ältere Leute umgekehrt mit „Hashtags und „Yolo“ etwas anfangen? Elsa Kozar ist 71 Jahre alt, lebt in Oberdorf, und schreibt seit rund 40 Jahren Gedichte - auch in Mundart. Um zehn Wörter, von denen sie glaubt, die Jugend würde sie nicht mehr verstehen, haben wir sie gebeten, bekommen haben wir eine Liste an Ausdrücken, mit denen wir ohne ihre Übersetzung tatsächlich nichts hätten anfangen können. „je(i)tsn“ steht da, oder „saan“, was so viel bedeutet wie „schäumen“ und „sähen“.

Im Gegenzug wollten wir von Frau Kozar wissen, was junge Leute mit „Bro“ meinen. Darauf hatte die rüstige Pensionistin allerdings keine Antwort. Beim Jugendwort „Selfie“ klingelt’s aber: „Das ist ein Handyfoto, oder? Das hab‘ ich von meiner Enkelin schon mal gehört!“

Auch die 79-jährige Anna Weingrill kann viele Wörter ihrer Enkelin einfach nicht zuordnen. „Hashtag“ oder „Chillen“? „Keine Ahnung, aber so modern bin ich einfach nicht mehr“, meint Frau Weingrill lachend.

„Keine Ahnung, aber so modern bin ich einfach nicht mehr“

Das genaue Gegenteil stellt Maria Treiber mit ihren 20 Jahren dar. Wenn sich jemand mit der Jugendsprache auskennt, dann sie. Wie sieht es hingegen mit Wörtern aus früheren Zeiten aus? Schnell ist klar: Manchmal verstehen sich die beiden Seiten tatsächlich nicht, denn weder „Fosn“, ein alter Ausdruck für eine Mehlspeise, noch „griawig“, was so viel bedeutet wie „süß“ oder „lieb“, oder „Zuwizahrer“, ein nettes Wort für „Fernglas“, hätte sich Maria erklären können- geschweige denn verstehen.

Auch Julia Pal kann mit den alten Wörtern nichts anfangen, deshalb entscheidet sich die quirrlige 18-Jährige dazu, beim BVZ-Test schlichtweg zu raten.

So bedeutet „guamizn“ (gähnen) schnell mal „sich über wen lustig machen“ und auf die Frage „Wer frisst aus dem Nuisch?“ antwortet Julia recht bestimmt: „Katzen“, was leider nicht so ganz stimmt, denn der „Nuisch“ ist ein Futtertrog für Schweine.

Na, hätten Sie’s gewusst? Und wenn sich die Generationen einmal gar nicht verstehen sollten, hier unser Tipp: Die Jugend erklärt Oma und Opa wie „Google“ funktioniert und man ein Hashtag setzt und googelt dann selbst die Seite www.mundart-burgenland.at.

Hier hat der Hianzen-Experte Hans Piff aus Pinkafeld ein umfangreiches Online-Wörterbuch verfasst. Und dann gibt´s noch den Hianzenverein im Haus der Volkskultur in Oberschützen. Auch hier wird Ihnen geholfen. Allen Generationen nämlich. Am besten gemeinsam mit Oma und Opa hingehen. Viel Spaß und lustige Missverständnisse sind dabei vorprogrammiert!