Sieben Ausgaben von „Mein Kampf“ führten vor Gericht

Erstellt am 26. September 2022 | 05:32
Lesezeit: 3 Min
Gericht Prozess
Foto: shutterstock.com
42-Jähriger aus dem Bezirk Oberwart sammelte Gegenstände aus der Zeit des Nationalsozialismus. Geschworene sprachen ihn jedoch vom Vorwurf der Wiederbetätigung frei.
Werbung

Von 2006 bis 2020 soll ein heute 42-jähriger Mann aus dem Bezirk Oberwart Gegenstände gesammelt haben, die Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus darstellen.

Unter anderem besaß er sieben Ausgaben des Buches „Mein Kampf“ sowie 15 Stahlhelme mit Hakenkreuz- und Reichsadler-Emblemen bzw. Runen und eine zerrissene Hakenkreuzfahne.

„Den Großteil der Gegenstände bewahrte ich im Tresor in meinem Schlafzimmer auf.“

Am Dienstag dieser Woche stand der Mann vor einem Schwurgericht. Vorgeworfen wurde ihm, dass er sich im nationalsozialistischen Sinne wiederbetätigt habe.

Der Angeklagte bekannte sich nicht schuldig.

„Er ist Freizeit-Wikinger“, sagte sein Anwalt.

Der Staatsanwalt hielt dem Angeklagten vor, dieser habe in seinem Einfamilienhaus einige der nationalsozialistischen Devotionalien ausgestellt gehabt, sodass Besucher diese sehen konnten. Im Vorzimmer habe sich eine „Schwarze Sonne“ befunden, das sei ein nationalsozialistisches Symbol.

In einer Glasvitrine habe der Angeklagte einen Reichsadler aus Holz mit Hakenkreuzabzeichen ausgestellt gehabt. In seinem Wohnzimmer hätten sich aus Beton gegossene Hakenkreuze befunden.

„Ich sammle kuriose Gegenstände“, erzählte der Angeklagte. Die sieben Ausgaben von „Mein Kampf“ habe er durch Tauschgeschäfte mit anderen Sammlern erhalten.

Bis 2010 sei er auf Flohmärkten unterwegs gewesen, nach einer Anzeige wegen eines illegalen Abzeichens habe er damit aufgehört.

„Den Großteil der Gegenstände bewahrte ich im Tresor in meinem Schlafzimmer auf“, sagte der Sammler. „Ich zeigte es niemandem.“

Er habe auch einen „echten“ Totenschädel zuhause und Tierpräparate. Aus präparierten Tierknochen fertige er Bastelarbeiten an.

Die aus Beton gegossenen Hakenkreuze habe er in der „letzten Ecke“ aufgehängt gehabt. Darunter platzierte er Eintrittskarten aus dem Heeresgeschichtlichen Museum mit der Aufschrift: „Kriege gehören ins Museum“.

„So war es und ich will nichts schönreden“, sagte der Angeklagte.

Die Geschworenen hatten über die Schuldfrage zu entscheiden. Fünf Geschworene hielten den Mann für nicht schuldig wegen Wiederbetätigung, drei für schuldig. Somit wurde ein Freispruch ausgesprochen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Werbung