Wegen Mordversuchs vor Gericht: „Auf Stufen war Blut“. Bezirk Oberwart: 32-Jähriger wegen Mordversuchs vor Gericht. 29-jährige Ex-Freundin hatte Stichwunden erlitten. Geschworene entschieden auf Freispruch. Nicht rechtskräftig.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 03. Dezember 2020 (04:22)
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Von Zolnierek, Shutterstock.com

2018 hatte der 32-jährige Angeklagte die heute 29-Jährige kennengelernt, im September 2019 vertiefte sich die Beziehung. Am Montag dieser Woche stand er wegen Mordversuchs vor Gericht: Er soll seiner Ex-Freundin in der Nacht von 4. auf 5. Juli 2020 mit einem Skalpell drei Stiche in den Hals versetzt haben.

„Sie wusste, dass ich alleinerziehender Vater bin, und fragte mich, ob ich ihr Tipps geben kann, weil ihr Ex-Freund ihr den Sohn wegnehmen will“, berichtete der Angeklagte über den Beginn der Beziehung.

„Haben Sie mitbekommen, dass ihre Freundin psychische Probleme hatte?“, fragte Richterin Karin Lückl.

„Sie erzählte von Todeslust“

„Erst als ich sie nackt sah“, sagte der Angeklagte. „Da sah ich die Narben. Sie erzählte von Todeslust und Borderline-Syndrom. Vorher hatte ich gar nicht gewusst, was das ist.“

Die Frau übersiedelte in eine Wohnung in unmittelbarer Nähe des Angeklagten. Alle paar Tage habe sie „an sich herumgeritzt“. „Da saß sie mit dem Messer in der Dusche“, berichtete der Angeklagte.

Einmal habe sie ihn in die Wohnung gerufen. „In der Küche sah es fürchterlich aus. Die Lampe war heruntergerissen, sie lag mit dem Gürtel eines Bademantels um den Hals am Boden und stellte sich bewusstlos“, berichtete der Angeklagte.

„Das scheint eine sehr schwierige Beziehung gewesen zu sein“, stellte die Richterin fest.

„Mit dem Sex hatte sie mich in der Hand“, gestand der Angeklagte.

In der Nacht vom 4. auf den 5. Juli 2020 habe ihn die 29-Jährige nachts zu sich gerufen. „Ich hörte laute Musik und einen schirchen Schrei“, erinnerte er sich vor Gericht.

„Auf den Stufen waren große Blutstropfen“, berichtete der Angeklagte. Seine Freundin sei schreiend in der Küche gestanden und habe einen Kasten mit Blut beschmiert.

„Ich begann das Ganze zu filmen und zu fotografieren“, sagte der Angeklagte.

„Warum sprachen Sie sie nicht an?“, wunderte sich die Richterin.

„Das habe ich nachher gemacht“, sagte der Angeklagte. „Ich nahm sie an den Händen und sagte: Hör auf mit dem Blödsinn!“

Die Fotos und Videos habe er angefertigt, weil seine Freundin immer wieder erwähnt habe, sie könne sich nach derartigen Vorfällen an nichts mehr erinnern.

„Ich sah ein blutiges Skalpell herumliegen und sagte: Was soll der Scheiß!“, berichtete der Angeklagte weiter.

Die Frau sei dann im Badezimmer einige Minuten alleine gewesen. Als er die Türe öffnete, habe sie mit einem Skalpell beim Hals herumgefuchtelt und sei im Vorraum zu Boden gestürzt.

„Sahen Sie, dass sie massiv blutet? Im Vorraum war ja eine erhebliche Blutlacke“, fragte die Richterin. „Nein“, antwortete der Angeklagte. „Ich sagte: Du bist so hysterisch, ich gehe jetzt heim.“

Seine Freundin habe davon gesprochen, dass sie der Teufel sei und hinter ihm her sei.

„Ich lief aus dem Haus und rief beim Notruf an. Ich hatte Angst wie noch nie in meinem Leben“, sagte der Angeklagte.

Frau rief: „Er will mich umbringen!“

Die blutende Frau sei ihm nachgekommen und habe geschrien: „Er will mich umbringen!“

Ein Nachbar kam dazu. „Sie sagte, sie braucht schnell Hilfe“, berichtete der Zeuge. Außerdem habe die nur mit Unterwäsche bekleidete Frau ihren Freund beschuldigt, „das“ gemacht zu haben. Sie habe sich dann auf den Asphalt gelegt, er habe eine Decke gebracht, so der Nachbar.

„Wir wurden über Funk gerufen“, berichtete einer der Polizisten, die zum Tatort gerufen worden waren. „Es hieß: Suizid mit Skalpell.“

Die Verletzte habe sich mit beiden Händen die Wunden zugehalten und ihren Freund beschuldigt, sie „abgestochen“ zu haben.

Der Angeklagte sei neben der Frau gekniet und habe gesagt, sie solle damit aufhören, das stimme nicht, das habe sie sich selber zugefügt.

„Mir wirkte er viel zu ruhig“, sagte der Polizist. Das sei ihm verdächtig erschienen.

Der 32-Jährige wurde in Untersuchungshaft genommen.

Das Opfer wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit einvernommen.

Von Hauptvorwürfen freigesprochen

Die Geschworenen berieten darüber, ob der Angeklagte des versuchten Mordes oder der leichten Körperverletzung schuldig sei, und entschieden in beiden Fällen einstimmig dagegen. Somit wurde der Angeklagte von den Hauptvorwürfen freigesprochen.

Verurteilt wurde er wegen des Besitzes verbotener Waffen. Bei einer Hausdurchsuchung hatte die Polizei eine Maschinenpistole, Schlagringe und Munition sichergestellt. Das Urteil lautete auf sechs Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung. Der 32-Jährige nahm das Urteil an und wurde unmittelbar nach der Urteilsverkündung enthaftet.