Wiederbetätigung: „Wir waren alle gleich deppert!“

Erstellt am 04. Oktober 2022 | 04:56
Lesezeit: 3 Min
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In zwei Gruppen auf WhatsApp postete ein 48-jähriger Mann mehrfach Bilder und Videos mit nationalsozialistischen Inhalten. Jetzt wurde er verurteilt.
Foto: Kirchmeir
Ein 48-Jähriger aus dem Bezirk Oberwart wurde von Geschworenen schuldig gesprochen. Er hatte Bilder von Adolf Hitler und Hakenkreuz-Symbolen verschickt.
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Wegen nationalsozialistischer Wiederbetätigung musste sich ein 48-jähriger Mann aus dem Bezirk Oberwart am Montag dieser Woche vor einem Schwurgericht verantworten.

Er hatte von 2016 bis 2019 auf WhatsApp 17 Bilder und zwei Videos verschickt, mit denen das nationalsozialistische Gedankengut verherrlicht wurde.

Der 48-Jährige bekannte sich reumütig schuldig.

„Wie hat es begonnen?“, fragte Richterin Birgit Falb.

„Es war der Zeitpunkt, als unser Schützenverein gegründet wurde“, sagte der Angeklagte.

Vereinsmitglieder waren in einer WhatsApp-Gruppe aktiv, in der bald strafrechtlich relevante Bilder kursierten.

Der Angeklagte verschickte zum Beispiel Fotos von Adolf Hitler, ein Bild von einem Fußballplatz, auf dem ein Hakenkreuz zu sehen war, und ein Video von einer Propagandarede Adolf Hitlers.

Ermittelt wurde nicht nur gegen ihn, sondern auch gegen andere Mitglieder der Chatgruppe. Einige Verfahren wegen Wiederbetätigung haben bereits stattgefunden.

„Irgendwann fing es an mit dem Blödsinn“, sagte der Angeklagte. „Bevor ich viel nachgedacht hatte, hatte ich schon gedruckt und die Bilder verschickt.“

„Wie groß war die Gruppe?“, fragte die Richterin.

„Zirka 20 Leute“, sagte der Angeklagte.

„Alle waren gleich deppert“, meinte er. Keiner habe daran gedacht, den Versand der bedenklichen Inhalte zu stoppen.

Der 48-Jährige war auch in einer zweiten WhatsApp-Gruppe aktiv, in der er mit Freunden über das Thema „Ausgehen“ kommunizierte. Auch in dieser Gruppe teilte er Bilder mit nationalsozialistischen Inhalten.

„Ihnen war schon klar, dass das in Österreich verboten ist?“, vergewisserte sich die Richterin.

„Ich wusste, dass es strafbar ist“, sagte der Angeklagte. „Der Strafrahmen war mir nicht bewusst.“

Hausdurchsuchung: Polizei beschlagnahmte Handy

Bei dem Angeklagten hatte auch eine Hausdurchsuchung stattgefunden, sein Handy wurde beschlagnahmt und ausgewertet. „Wie die Polizei vor mir stand, wurde ich munter“, sagte der Angeklagte. „Da merkte ich, welchen Blödsinn ich gemacht habe.“

Wegen der zweifelhaften Aktivitäten auf WhatsApp und der Folgen habe ihn sogar seine Verlobte verlassen. Der Mann wurde zu 15 Monaten Freiheitsstrafe auf Bewährung und 4500 Euro Geldstrafe unbedingt verurteilt. Außerdem muss er 500 Euro Prozesskosten bezahlen. Das Urteil ist rechtskräftig.

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