Boden wird knapp. Insgesamt 143 Quadratmeter Boden sind im Burgenland versiegelt, das sind 160 Fußballfelder: Österreich-Rekord!

Von Michael Pekovics. Erstellt am 16. August 2018 (05:20)
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„Bodenversiegelung stoppen“, fordert der Grüne Landtagsabgeordnete Wolfgang Spitzmüller. Als Beispiel dafür, wie das gehen soll, verweist er auf Salzburg.
zVg

Rege Bautätigkeit im Burgenland ist nichts Neues – dadurch erklärt sich wohl auch der hohe Anteil von versiegeltem Boden. Da liegt das Burgenland nämlich im Pro Kopf-Bundesländervergleich an erster Stelle. Eine Fläche von insgesamt 143 Quadratkilometer – immerhin die dreifache Größe von Eisenstadt – ist im Burgenland versiegelt, das entspricht 489 Quadratmeter pro Einwohner und ist der höchste Wert in Österreich.

Allein 2017 nahm die versiegelte Bau- und Verkehrsfläche im Land laut Umweltbundesamt um rund einen Quadratkilometer auf 143 Quadratkilometer zu. „Damit ist insgesamt eine Fläche im Ausmaß von rund 160 Fußballfeldern versiegelt“, heißt es in einer Analyse des Verkehrsclub Österreich (VCÖ).

Sucht man nach den Gründen, wird man schnell fündig – dazu reicht ein Blick in die Bezirkshauptstadt: Die neue Kriechspur Richtung Kemeten ist in Betrieb, in der Stadt wird die dritte Billa-Filiale errichtet, erst unlängst wurde unweit der ehemaligen eine neue Hofer-Filiale eröffnet, und die Bauarbeiten für das neue Einkaufszentrum gegenüber dem eo sollen auch noch im Herbst starten.

Problem bei Unwettern, Hitze und für Umwelt

Alles in allem eigentlich positive Nachrichten für die Wirtschaft in der Region – wären da nicht die Auswirkungen, vor denen neben dem VCÖ auch die Grünen warnen: „Gepaart mit der Zunahme von Extremwetter-Ereignissen, die von Klimaexperten der Klimaveränderung zugerechnet werden, trägt das Verschwinden von Naturböden, die Wasser aufnehmen und speichern können, massiv zu Überflutungen bei, wie wir sie erst bei den Unwettern im Juni gesehen haben“, meint etwa der Grüne Landtagsabgeordnete Wolfgang Spitzmüller.

Ein weiterer Aspekt ist die Hitze, wie VCÖ-Experte Markus Gansterer weiß: „Versiegelte Flächen sind deutlich wärmer als Grünland, weil die kühlende Wirkung der Verdunstung fehlt. Dadurch wird die Hitze-Belastung zusätzlich verstärkt. Wer an einem heißen Tag in einer Straße ohne Schattenspender geht, weiß, warum man von Asphaltwüste spricht.“

In Städten und Gemeinden sind verstärkte Maßnahmen nötig, um die Hitze-Belastung zu reduzieren, betont der VCÖ. Im Ortsgebiet braucht es entlang der Straßen sowie der Geh- und Radwege mehr Bäume. Bäume sind Schattenspender und wirken wie eine natürliche Klimaanlage. Durch mehr Grünflächen und Fassadenbegrünungen kann das Mikroklima weiter verbessert werden.

Und die Grünen fordern ein „umfassendes Konzept gegen die rasende Vernichtung von natürlichem Boden“ ähnlich wie in Salzburg, wo etwa Verbrauchermärkte nicht mehr am Kreisverkehr außerhalb des Ortes errichtet werden, sondern nur mehr in den Ortskernen.