Schaurig schöne Göttinnen in Wolfau

Erstellt am 06. Dezember 2022 | 04:34
Lesezeit: 3 Min
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Der 31-jährige Niklas Koller aus Wolfau begann in seiner Jugend Masken herzustellen. Inzwischen nimmt er Aufträge aus aller Welt an.
Foto: zVg/Koller
Zwischen „Lichterfrauen“ und der „Lutscherl“. Niklas Koller gibt Einblick in die Welt der Krampusse und Perchten.
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Schaurig. Eine traditionelle Krampusmaske.
Foto: zVg/Koller

Jedes Jahr bringt er den braven Kindern in der Nacht zum sechsten Dezember süße Gaben, der Nikolaus. Begleitet wird er von den Krampussen, die schon Generationen zuvor in Angst und Schrecken versetzten. Eigentlich ist es aber genau umgekehrt, die Krampusse gibt es nämlich schon deutlich länger als den Nikolaus, wie Maskenschnitzer Niklas Koller, der sich leidenschaftlich mit dem Thema Brauchtum auseinandersetzt, erklärt: „Den Krampus gab es schon viel früher, um die ‚schlimmen‘ Kinder zu bestrafen, die Kirche setzte den Nikolaus nur dazu, um einen Gegenpart zum „Bösen“ zu haben.“

Nicht der einzige Irrglaube, mit dem Koller aufräumen möchte, wichtig ist es dem Wolfauer zu betonen, dass Krampusse und Perchten, nicht wie oft angenommen, dasselbe sind. Die Perchten kommen nämlich erst in den Raunächten vom 21. Dezember bis zum 5. Jänner. Zurückzuführen ist die Tradition auf das Heidentum. „Im Grunde genommen waren Perchten nichts anderes als schöne Göttinnen“, klärt Niklas Koller, der jedes Jahr bis zu 150 Masken schnitzt, auf.

Der Kirche passten diese Bräuche zur damaligen Zeit so gar nicht, weswegen sie aus den schönen Göttinnen hässliche Fratzen machte. Masken aus Holz tragen die Perchten übrigens erst seit dem 19. Jahrhundert, davor verkleideten sich die Menschen mit alter zerfetzter Kleidung, Schweineblut und Ruß. Wie die Masken aussehen, unterscheidet sich von Region zu Region.

„Die burgenländische Perchtenmaske ist weiblich“

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Die Lichtfrauen kontrollierten die Bauernhöfe.
Foto: zVg/Koller

Im Westen haben die Perchten so meist Hörner, im Osten sind sie weiblich. „Ich würde sagen, die burgenländische Perchtenmaske ist auf jeden Fall weiblich. Man sagt, dass die Perchten im Burgenland an gewissen Tagen auch das Spinnen verboten haben und dadurch auch „Spinnenstubenfrauen“ genannt wurden, oder „Lichtfrauen“, die mit Kerzen auf dem Kopf die Höfe kontrollierten“, gibt Koller weiter Einblicke in die heimischen Traditionen. Die verschiedenen Figuren haben unterschiedliche Aufgaben, darunter auch aus heutiger Sicht recht brutale. So wurden Kinder beispielsweise von der „Lutscherl“ gewarnt, die Ungehorsamen den Bauch aufschneidet und den nicht weggeräumten Dreck hineinstopft.

In den vergangenen Jahren seien Maskentraditionen aber immer mehr in Vergessenheit geraten. „Für mich persönlich ist es schade, das ansehen zu müssen, da wir dadurch ein großes Stück unserer Identität verlieren“, meint Koller abschließend.

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