Katja Massing: „Ich bekam es mit der Angst zu tun“. Acht Monate nach der Absetzung von Amtsleiterin Katja Massing in Oberwart wurde der BVZ der Mailverkehr zwischen ihr und dem Stadt- und Gemeinderat zugespielt. Die BVZ hat nachgefragt

Von Carina Fenz. Erstellt am 05. Februar 2020 (04:32)
Etwas mehr als drei Jahre war die Oberwarterin Katja Massing Amtsleiterin der Stadtgemeinde. Ende Mai wurde sie vom Gemeinderat abgesetzt. Über die konkreten Gründe für die Abberufung ist bis heute nichts bekannt. Im Gespräch mit der BVZ spricht die abgesetzte Amtsleiterin erstmals über die schwere Zeit danach und ihr neues Leben.
Carina Fenz

BVZ: Wie geht es Ihnen, wie haben Sie die Monate nach ihrer Absetzung als Amtsleiterin erlebt?
Katja Massing: Mittlerweile etwas besser. Die ersten Wochen waren ganz schlimm. So etwas habe ich noch nie erlebt. Ich hatte Angst, das Haus zu verlassen. Angst, auf die Straße zu gehen und Angst, mit jemandem zu reden. Ich hatte Panik-Attacken. Ich danke Gott dafür, dass meine Familie immer zu mir gestanden ist. Meine Eltern und Kinder waren mir eine große Stütze. In solchen Momenten kristallisiert sich auch heraus, wer die wirklichen Freunde im Leben sind. Ich möchte allen, die mich in dieser Zeit unterstützt haben, nochmals danken.

Wie gehen Sie mit der Situation um, ihres Amtes enthoben worden zu sein? Haben Sie je einen Kündigungsgrund gehört?
Es ist für mich nach wie vor unfassbar. Bis heute habe ich noch keinen offiziellen Grund erfahren. Seit der Abschaffung der Pragmatisierung ist man leider verstärkt der politischen Willkür ausgesetzt, das sagen auch andere Amtsleiter.

Woher kommt der Vertrauensbruch? Was wird Ihnen vorgeworfen?
Bürgermeister Rosner hat mir gegenüber bis heute immer wieder betont, dass er mir voll vertraue und das ich beste Arbeit geleistet habe. Was genau sich im Hintergrund abgespielt hat, weiß ich bis heute nicht.

Haben Sie in der Zeit vor und nach der Absetzung versucht, mit Bürgermeister Rosner ins Gespräch zu kommen?
Ich war in ständigem Kontakt mit Bürgermeister Rosner. Wir hatten konstruktive Gespräche und uns auch schon auf eine Vorgangsweise geeinigt. Deshalb war ich ja auch so entsetzt, als ich durch die Medien von meiner Amtsenthebung erfahren habe.

Haben Sie den Stadtrat und Gemeinderat informiert? Wenn ja, haben Sie von jemandem „Schützenhilfe“ bekommen?
Weder vor, noch nach meiner Amtsenthebung bekam ich die Möglichkeit einer Stellungnahme vor dem Stadt- und dem Gemeinderat. Als mir Bürgermeister Rosner die Kündigung nahelegte, bekam ich es mit der Angst zu tun und beschloss, Stadt- und Gemeinderat über meine Sicht der Geschehnisse zu informieren. Einige Gemeinderäte haben sich danach entschuldigt. Das ist zwar nett, ändert aber nichts an der Tatsache, dass sie für die Amtsenthebung gestimmt haben. Mir wurde gesagt, dass sich SPÖ und Grüne für mich ausgesprochen haben.

Warum haben Sie es bisher gescheut, an die Öffentlichkeit zu gehen?
Ich selbst bin in einer unguten Situation. Ich bin nach wie vor Gemeindebedienstete und – zumindest noch bis zu meiner Rückkehr in die Landesregierung – von diesem Job hier abhängig. Ich bin Alleinerzieherin und als solche muss ich mit der ständigen Angst leben, diesen Job auch noch zu verlieren. Ich bin enttäuscht von den handelnden Personen, die mir bis zuletzt immer wieder beteuert haben, dass ich einen sehr guten Job mache.

Ich bin Alleinerzieherin und als solche muss ich mit der ständigen Angst leben, diesen Job auch noch zu verliere

Denken Sie, dass Ihr Ruf wiederhergestellt werden kann?
Nein. Ich hoffe, dass die Zuständigen sich mittlerweile bewusst sind, was sie mir und meiner Familie angetan haben. Sicher bin ich mir darüber aber nicht, denn nach wie vor wird mir zugetragen, dass Gerüchte in Umlauf gesetzt werden, um mich schlecht zu machen und diese Amtsenthebung nachträglich schönzureden. Ich finde es schlimm, dass wenige Personen meine Karriere dermaßen zerstören können. Ich frage mich noch immer, wem ich etwas getan habe, wer hasst mich dermaßen? Mir wurde in den letzten Monaten sogar von Freunden geraten, aus Oberwart wegzuziehen und irgendwo neu anzufangen. Aber dann denke ich mir: Warum sollte ich das? Ich habe ja nichts verbrochen. Ich fühle mich hier wohl und es ist und bleibt mein Zuhause.

Brennen Sie auch für den Job der Inform Events Geschäftsführerin so, wie für den der Amtsleiterin?
Ich mache die Geschäftsführung der Inform Events schon seit fünf Jahren und mache diesen Job sehr gern. Die Inform selbst ist mir schon immer am Herzen gelegen, ich bin mit ihr groß geworden. Ob als Aussteller (meine Eltern waren seit 1970 mit dabei), als Mieter (ich hatte meinen ersten Job beim Regionalmanagement Burgenland, damals in der Halle I), als Prüfer beim Landes-Rechnungshof oder nun als Geschäftsführer. Ich konnte in den letzten Jahren vieles bewegen, viele Investitionen in die doch teilweise schon abgenutzten Hallen tätigen. Und auch heuer – anlässlich der 50. Inform – haben wir vieles vor. Jetzt habe ich ausreichend Zeit dafür, früher musste ich dies neben der Amtsführung, teilweise auch am Wochenende nebenbei machen.

Sprechen Sie viele Leute auf die Amtsenthebung an und wie gehen Sie damit um?
Dies hat mich in den letzten Monaten besonders getroffen. Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen, bin noch derselbe Mensch und trotzdem werde ich seit diesem Vorfall von vielen Menschen gemieden. Es passiert mir auch, dass sich Menschen, die ich seit Jahren kenne, wegdrehen oder die Straßenseite wechseln. Andererseits haben mich aber auch viele Menschen kontaktiert und mir ihr Entsetzen über die Art und Weise, wie mit mir umgegangen wurde, ausgedrückt.

Ich habe mir nichts zu Schulden kommen lassen, bin noch derselbe Mensch und trotzdem werde ich seit diesem Vorfall von vielen Menschen gemieden

Was wünschen Sie sich für Ihre berufliche und private Zukunft?
Privat wünsche ich mir noch viele schöne Jahre mit meiner Familie. Ich habe die besten Eltern und Kinder, die man sich wünschen kann. Und das Positive: Ich habe jetzt mehr Zeit für sie und mein größtes Hobby: das Reisen. Beruflich hoffe ich, dass ich auch nach meiner Rückkehr zur Landesregierung eine Aufgabe zugeteilt bekomme, in der ich wieder zu 100 Prozent aufgehen kann – schön wäre es, wenn ich weiterhin im Südburgenland tätig sein könnte.

Was wünschen Sie der Stadtgemeinde?
Ich wünsche niemandem etwas Schlechtes. Grundsätzlich nicht. Aber ich bin fest der Meinung, dass es ein Karma, eine ausgleichende Gerechtigkeit gibt. Ich hatte in Oberwart noch viel vor, hatte viele Pläne. Schade, dass ich diese nun nicht mehr umsetzen kann.

Rückblickend gedacht, würden Sie aus heutiger Sicht etwas anders machen, persönlich und beruflich?
Natürlich würde ich einiges anders machen. Wer nicht? Aber was nützt es, wenn man zurückschaut und jammert. Ich schaue nach vorne. Ich versuche, gestärkt aus der Situation herauszugehen. Im Sternzeichen bin ich Löwe - so leicht lasse ich mich nicht unterkriegen. Ich bin offen und ehrlich. Und ich kann mich nach wie vor in den Spiegel schauen.