Lisz Hirn schreibt über die Rolle der Frau. Lisz Hirn, Bestsellerautorin und Philosophin, im BVZ-Gespräch über Frauen, das Land und den Geruch der „freien Stadtluft“.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 27. März 2020 (03:13)
Lisz Hirn
Harald Eisenberger

Ihr Buch „Wer braucht Superhelden“ beschäftigt sich mit der Frage, was wirklich nötig ist, um unsere Welt zu retten. Die Philosophin und Publizistin Lisz Hirn lebt zwar in Wien, ist familiär bedingt aber immer wieder zu Besuch in Oberwart. Die BVZ bat sie anlässlich des burgenländischen Frauenmonates März zum Interview.

BVZ: Das Südburgenland gilt in vielen Bereichen nach wie vor als eine der schwächsten Regionen Österreichs. Infrastruktur, Einkommen,... inwiefern spielen Ihrer Meinung nach heute Herkunft und Lebensmittelpunkt noch eine Rolle in der „Rolle der Frau auf dem Land?

Lisz Hirn: Kennen Sie den alten Spruch „Stadtluft macht frei“? Für Frauen gilt der im besonderen Maß noch immer. Gerade, wenn sie aus einer infrastruktur- und einkommensschwachen Region kommen, wo fast ausschließlich Männer das Sagen hatten, bietet ihnen die Stadt die Chance zu mehr Freiheiten, Anonymität und vielleicht sogar Aufstieg. Aber alles ist nicht eitel Wonne in der Stadt. Viele sehnen sich auch danach, wieder - mit ihrem Wissen, Erfahrungen und Ideen - zurückzukehren. Allerdings nicht um jeden Preis.

Ihr Lebensgefährte stammt aus Rettenbach, sie beide leben mit ihrer Tochter in Wien, sind aber regelmäßig zu Besuch im Südburgenland. Wo sind die Powerfrauen hierzulande und wo bräuchte man sie dringend?

Solche Frauen lassen sich glücklicherweise fast überall finden, leider werden sie zu selten auf die Bühne geholt. Gerade das wäre aber wichtig! Für Sichtbarkeit zu sorgen und damit auch dafür, dass man ihre Stimmen und so ihre Anliegen hört.

Mit Astrid Eisenkopf hat das Burgenland die erste Landeshauptmannstellvertreterin, die nun auch den März zum offiziellen Frauenmonat erklärt hat. Aber werden ein beitragsfreier Kindergarten und der Wunsch nach mehr Bürgermeisterinnen „vieles richten“, sprich ändern? Was braucht die Frau heute und in Zukunft am Land und was ganz und gar nicht?

Es ist ein guter Anfang, einen der größten Faktoren der Ungleichbehandlungen zu mildern und beitragsfreie Kinderbetreuungseinrichtungen zu ermöglichen. Auch Maßnahmen zur Repräsentation von Frauen im politischen Bereich halte ich für sinnvoll. Wichtig wäre auch, das Thema „Gewalt an Frauen“ zu thematisieren sowie mithilfe von Quoten - wo möglich - die männerdominierten Strukturen am Land zu unterminieren. Würde sich diese Bedingungen verbessern, würden sicherlich mehr junge Frauen am Land bleiben.