Lukas Horvath: Einer, der über sich hinausflog. Lukas Horvath war Maurer und orientierungslos. Heute ist der 22-Jährige Pilot und zielsicher. Die Geschichte eines mutigen Höhenfluges.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 10. November 2020 (06:29)

Der „Aha“- Moment kam mit der AUA. Aber der Reihe nach. Lukas Horvath ist nicht nur frischgebackener Berufspilot, er sieht auch aus wie einer. Die Lederjacke sitzt perfekt und als er da so vor seiner Cessna Maschine am Flugfeld wartet, mit dem Pilotenaccessoire schlechthin auf seiner Nase – einer Ray Ban Sonnenbrille – kommt man nicht umhin, sofort an Tom Cruise in seiner Paraderolle im Film Top Gun zu denken. Kurz: Lukas erfüllt schon auf den ersten Blick die Kriterien des „Wie ein Pilot auszusehen hat“ – Anforderungsprofils.

Tatsächlich aber hat der junge Oberwarter bis vor zweieinhalb Jahren noch auf Baustellen als Maurer gearbeitet. Dass er jetzt Pilot ist, verdankt die Welt einerseits dem Bundesheer, bei dessen Einsätzen Lukas oft geflogen ist und eben dem „Aha“- Moment, als ihm die Piloten einer AUA-Maschine aus dem Cockpit zugewunken hatten. „Das war im Kosovo und in dem Moment wollte ich es wissen. Pilot werden, nämlich“, erinnert er sich bei einer Tasse Kaffee am Flugplatz in Punitz, wo er in den letzten Monaten die Ausbildung zum Berufspiloten absolvierte.

In Rekordzeit vom Boden ins Flugzeug

Eine aus dem Bauch heraus geschriebene E-Mail an die Flugschule Punitz, eine schnelle Antwort und zwei Stunden später, sitzt Lukas bereits im Flieger zur Schnupperstunde. 200 Flugstunden, unzählige Lerneinheiten und vor allem viele englische Fachvokabeln später fliegt Lukas Horvath heute die Cessna im Alleingang und hat seinen frozen ATPL, Airline Transport Pilot Licence, also seinen Flugschein in der Tasche. Am Stuhl neben Lukas sitzt sein Fluglehrer, Ausbildungsleiter und Mitbegründer von Punitz Flug, Reinhard Kremsner.

Der ehemalige Pilot, der über die ganze Welt flog und dabei auch viele Promis an Bord hatte oder diese gar selbst zum Piloten ausbildete, ist sichtlich stolz auf seinen nunmehr ehemaligen Flugschüler. „Im Schnitt absolvieren die meisten die Ausbildung zum Berufspiloten innerhalb von drei Jahren. Lukas hat dafür ein Jahr und 10 Monate gebraucht. Ich habe selten so einen zielstrebigen Schüler gehabt“, streut der Meister Punitz´ neuem Top Gun Rosen.

„Opa sollte die Welt einmal von oben sehen“

„Ich hab es lange keinem meiner Freunde erzählt, dass ich die Pilotenausbildung mache, weil ich schon auch a bisserl Angst vorm Versagen hatte. Und vor dem vielen Lernen im Zuge der Ausbildung, davor hatte ich am meisten Respekt, vorm Fliegen selbst nicht. Die Theorie erwies sich am Ende als Klacks „weil wenn du wirklich für eine Sache brennst, dann fällt dir auch das Lernen plötzlich leicht.“ Seine Freunde hat Lukas Horvath dann mit einem Solo-Flug nach Makarskar überrascht.

„Die waren schon sehr begeistert“, erzählt er schmunzelnd. Und mit Oma und Opa flog der Jungspund kurzerhand von Punitz aus nach Rijeka. „Es war der erste Flug meiner Großeltern, die die Welt wenigstens einmal von oben gesehen haben sollten. Das war schon etwas Besonderes.“

Vom Fußgänger zum Berufspiloten hebt man in Punitz seit über 20 Jahren ab, so lange gibt es das Angebot der Pilotenausbildung dort schon. 55.000 Euro kostet die komplette Ausbildung, seit August dieses Jahres verfügt die Flugschule auch über einen Simulator. „Jetzt müssen unsere Schüler dafür nicht mehr nach Wien oder Graz fahren“, so Kremsner stolz. Knapp 20 Schüler absolvieren in Punitz jährlich die Ausbildung zum Privat- oder Berufspiloten.

Lukas Horvath möchte sich in Zukunft in die Business Avition orientieren und Privatjets fliegen. Und weil Lukas nicht nur sich selbst bewiesen hat, dass man hoch hinaus kommt, wenn man hoch hinaus will, macht jetzt auch sein Zwillingsbruder die Ausbildung zum Piloten. Ein Top Gun kommt eben selten allein.