Zeit für ein gutes Leben für Familie Faulhammer

Markus und Kristina vom Weingut Schützenhof haben vieles geändert – lange vor Corona. Die Winzer setzen auf Natur pur, eine Portion „Schräg“ und viel Liebe.

Erstellt am 04. Mai 2020 | 12:07
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Muss Frau sich Sorgen machen, wenn (Ehe)Mann in Unterhose, mit einer Weinflasche in der einen und einem „What fucking day is it?“- Schild in der anderen Hand, weit aus dem Fenster lehnt? Auch auf die Tatsache hin, dass dieser Mann Markus Faulhammer ist, seines Zeichens Winzer vom Schützenhof in Dt. Schützen?

Nein, muss sie nicht. Auch der Rest der Welt braucht sich den Kopf nicht darüber zerbrechen, dass besagter Winzer, während der Coronakrise seinem eigenen Wein verfallen ist, anstatt diesen zu produzieren. Alles eine Frage der Werbung, nämlich. Und darin sind die Faulhammers wiederum auffallend gut. Scrollt man durch den Instagram Account oder die neue Webseite vom Schützenhof, findet man außerdem Donald Trump höchstpersönlich im Garten der Deutsch Schützener und auch ein Video, in dem Markus Schere, Stein, Trinken spielt – Gegner ist er selbst, die Weinflasche daneben obligatorische Strafe für den Verlierer des Spiels.

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Der 34-Jährige und seine Frau Kristina haben 2019 das Weingut mit 10 Hektar Weingarten am Eisenberg von den Eltern übernommen und setzen auf Biodynamik beim Anbau und der Produktion ihrer mehrfach prämierten Weine. „Bei uns gibt´s kein Hokuspokus, wir beleben altes Wissen neu, setzen auf eine Kreislaufwirtschaft im Einklang mit Tier, Natur und den Jahreszeiten. Wenn vor lauter Optimierungsprozessen am Ende alle Weine gleich schmecken erfüllt mich das in meiner Arbeit einfach nicht“, erklärt Querdenker Markus Faulhammer seine neuen Wege.

Vollmondlese, bodenständiger Urlaub am Schützenhof oder sanfter Rebschnitt – das Weingut am Eisenberg und seine Familie leben Nachhaltigkeit. Die Coronakrise hat es zwar auch auf den Eisenberg geschafft, allerdings lassen die Faulhammers deshalb weder die Reben hängen, noch die Fässer leer. Einfallsreichtum ist in Zeiten wie diesen gefragt.

Virtuelles „Owezahn“

„Der Ausfall durch unsere derzeit leeren Gästezimmer am Hof ist natürlich hart. Noch härter ist, dass unser Hauptgeschäft ja die Hotellerie und Gastronomie ist, aber irgendwie geht es immer weiter“, so Kristina Faulhammer. Deshalb schimpft die Ehefrau auch nicht, wenn sie ihren Mann um drei Uhr morgens mit einer leeren Flasche Blaufränkisch vor dem Computer findet.

„Wir bieten derzeit moderierte Weinverkostungen via Videokonferenz an“, erklärt die 32-Jährige und Markus Faulhammer ergänzt: „Knapp 50 Personen aus aller Herren Länder waren bei der Verkostung online anwesend. Es ist wirklich cool zu sehen, wie Kunden aus dem Ausland im eigenen Wohnzimmer mit deinem Wein sitzen. Da wurde fachgesimpelt Ende nie, vom ‚Owezahn‘, also nach dem sanften Rebschnitt, bis hin zum perfekten Weinglas war alles dabei. Die Themen gingen uns nie aus, ich bin gar nicht ins Bett gekommen in der Nacht“, lacht Faulhammer, der geführte, virtuelle Verkostungen auch nach Corona anbieten möchte.

Die „Donnergurgler“, wie die erste Online-Verkostungsgruppe der Schützenhofweine sich nannte, „hat durchaus Zukunftspotential.“ Und ein Achterl in Ehren ist ja bekanntlich der Gesundheit förderlich. Corona zum Trotz, also: Prost!