Landeshauptmann stellt sich den Fragen der Oberwarter. Seit 1. Juli sucht der neue Landeschef den Dialog mit seinen Landsleuten. Für Landeshauptmann Hans Peter Doskozil gab es im Zuge seiner „Doskozil fragt nach“ Tour gestern Mittwoch ein Heimspiel in Oberwart.

Von Carina Fenz. Erstellt am 22. August 2019 (19:07)

An die 200 Besucher folgten der Einladung des Landeshauptmanns ins Offene Haus Oberwart. Etwas zu spät eingetroffen nahm sich Doskozil aber trotzdem noch die Zeit, jedem Besucher die Hand zu schütteln, bevor es auf die Bühne ging. Mit den Worten: „Zuerst kommt er zu spät und dann schindet er auch noch Zeit, weil er durch die Reihen geht“, zitierte Doskozil beim Betreten der Bühne eine Aussage seines ehemaligen Klassenvorstands, der Gast im Publikum war und sorgte damit für einige Lacher im Publikum und einen aufgelockerten Start in die Gesprächsstunde.

Englischunterricht und Gratis-Kindergarten

Wie schon bei allen anderen Stationen warb Doskozil wieder für den zusätzlich Gratis-Englischunterricht ab dem Schuljahr 2019/2020. Das sorgte gleich zu Beginn für Fragen aus dem Publikum, warum der Englischunterricht denn nicht verpflichtend sei. Auch das Thema Gratis-Kindergarten stand im Fokus der Rede- und Antwortstunde. Offiziell ist der Kindergartenbesuch im Burgenland schon lange gratis, bisher haben aber einige Gemeinden einen „Elternbeitrag“ eingehoben. „Dies Ungleichbehandlung geht einfach nicht“, so Doskozil. Zusätzlich zum Gratis-Kindergarten werde das neue Gesetz auch Verbesserungen bei der Nachmittags- und bei der Ferienbetreuung von Kindern bringen. „Das heißt, wenn vier Eltern den Betreuungsbedarf ihrer Kinder über den Sommer in einer Gemeinde deponieren, dann ist es eine gesetzliche Verpflichtung, künftig diese Betreuung – sei es im Kindergarten, sei es in der Volksschule – zur Verfügung zu stellen“, so Doskozil. Auch bei der Zahl der Schließtage in den Ferien, werde es Nachbesserungen geben“, so Doskozil. Auf die Frage aus dem Publikum „on der Gratis-Kindergarten auch für private Kindergärten gilt“, gab es von Doskozil eine klare Antwort. „Eine Privat-Schule ist auch nicht gratis, daher wird auch der Privat-Kindergarten nicht gratis sein.“

Pflege, Mindestlohn und Biowende

Ein Lohn von 1.700 Euro netto, wenn man seine Angehörigen pflegt (Pflegestufe Fünf) oder einem Landes-nahen Unternehmen arbeitet. Das sorgte für Applaus, aber auch für Nachfragen. Wer soll das bezahlen? Das sei eine Frage der Berechnung, so Doskozil: Auslagerungen hätten die Mehrkosten der Pflege bisher verschleiert, da Leistungen zugekauft werden müssen. Mit der neuen Regelung werde hier gespart. Außerdem werden flachere Gehaltskurven und eine Pensionierungswelle den Plänen finanziell entgegenkommen.

Neubau des Krankenhauses Oberwart

Besondere Anliegen waren den zahlreichen Besuchern der Neubau des Krankenhauses Oberwart sowie generell die medizinische Versorgung. „Der Neubau des Krankenhauses liegt voll im Plan, das Projektteam leistet sehr gute Arbeit“, erläuterte der Landeshauptmann. „Und mit dem Spatenstich zum neuen Kreisverkehr an der B63a als Auftakt zur Realisierung der neuen Krankenhauszufahrt gewährleisten wir eine ideale Erreichbarkeit des Krankenhauses und wir entlasten den Verkehr in diesem Stadtbereich massiv.“ In diesem Zusammenhang kündigte Doskozil auch an, dass sich die KRAGES, künftig um neue Geschäftsfelder, etwa den Krankentransport, bemühen werde. Außerdem sei es durchaus vorstellbar, dass die KRAGES in Zukunft auch dort Facharztpraxen mit Spitalsärzten betreiben könnte, wo sich trotz mehrmaliger Ausschreibung keine Fachärzte finden. Groß war auch das Interesse der Besucher beim Thema Pflege.

Ein Ständchen von den Bahnfreunden

Für eine Showeinlage und viel Gesprächsbedarf sorgte im Offenen Haus Oberwart auch das Thema Bahn. Herbert Glotz wollte von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil beispielsweise wissen, ob das Pilotprojekt mit den selbstfahrenden Zügen zwischen Oberwart und Friedberg kommt oder nicht? Doskozil dazu. „Wichtig ist es erstmals, dass es gelungen ist, die Holzverladestelle von Oberwart nach Rotenturm zu bringen. Zum Projekt der autonomen Züge gibt es nach wie vor keine Entscheidung, diese liegt bei der ÖBB.“ Für die Showeinlage sorgten dann Vertreter der Gruppe „Pro Bahn“, die dem Landeshauptmann in einem Rap so ihre Kritik  äußern wollten, dass es keinen Personenverkehr mit der Bahn gibt. „Es fährt kein Zug, Zug, Zug nach Oberwart, Wart, Wart. Es fährt kein Zug, Zug, Zug und das ist hart, hart hart“, so eine Textzeile. Doskozils Antwort: „Man arbeite an einer großen Lösung für die oststeirischen und Oberwarter Pendler“.

Auch in Oberwart stand der Landeshauptmann den Besuchern noch lange für persönliche Gespräche zur Verfügung. „Auch wenn ich selbstverständlich nicht alle Wünsche erfüllen und alle Probleme lösen kann. Wichtig ist mir, dass die Themen und Anliegen der Menschen in einem offenen Dialog angesprochen und Ideen auch aufgegriffen werden.“

Fortgesetzt wird die „Doskozil fragt nach“-Tour am 2. September in Neudörfl sowie am 4. September in Deutschkreutz.