Energiezukunft startet in Oberwart und Stegersbach. Am Dienstag wurde in Oberwart das Forschungsprojekt "Urbane Speicher-Cluster Südburgenland" präsentiert. In den nächsten drei Jahren soll in der Region Oberwart-Stegersbach der Grundstein für die Energiewende gelegt werden.

Von Michael Pekovics. Erstellt am 26. September 2017 (13:43)
Michael Pekovics

Die Region Oberwart-Stegersbach wird Vorreiter in Sachen Speicherlösungen für Energie. Gemeinsam mit über 30 Firmen, Institutionen und Haushalten sollen in den nächsten drei Jahren unter dem Projektnamen "USC Südburgenland" (Urbane Speicher-Cluster) zwei Energie-Cluster entstehen. Damit könnte sich das Südburgenland zur europäischen Vorzeigeregion auf dem Gebiet der vernetzten Erneuerbaren Energie-Speicherung in Europa entwickeln.

Konkret geht es darum, die bereits bestehenden und neu dazukommende Photovoltaik-Anlagen (PV) zu vernetzen und mit Speichermöglichkeiten zu versehen. Kurz zusammengefasst: Der Strom soll da verbraucht werden, wo er erzeugt wird. Bislang ist ja eines der größten Probleme von Photovoltaik-Anlagen, dass der meiste Strom tagsüber produziert wird, aber morgens oder abends verbraucht wird. 

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Diese sogenannten "Energie-Flexibilitäten" bergen jede Menge ungenutztes Potential, wie Projekt-Initiator Andreas Schneemann (Energie Kompass) erklärte: "Die Voraussetzungen in der Region sind aufgrund der hohen Dichte an PV-Anlagen ideal. Jetzt bringen wir den Stein ins Rollen und wollen den nächsten Schritt gehen, nämlich in den Kleinstkundenbereich, dorthin, wo diese Systeme in weiterer Folge dann auch zum Einsatz kommen werden."

Zwei Energiecluster für Oberwart und Stegersbach

Geplant ist ein "Living-Lab"-Testbetrieb eines Energiemanagementsystems, aufgeteilt in zwei Cluster - einer in der Golfregion Stegersbach, an dem sich auch die umliegenden Gemeinden beteiligen, und einer in der Stadt Oberwart, wo mit dem Projekt "Smart City" bereits vor Jahren der Grundstein für das Projekt "USC" gelegt wurde. 

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Im Zuge des Projekts wurden Kooperationen mit zahlreichen Firmen eingegangen, wie zum Beispiel mit "Kreisel Electric", einem der Vorreiter in Sachen Stromspeicher. "Technisch ist alles möglich, aber die Umsetzung in die Praxis ist eine andere Sache." Gerade deshalb sei das Projekt USC so interessant: "Weil es jetzt darum geht, den ersten Schritt in Richtung Energiewende zu machen. Projekte wie diese sind im Hinblick auf die international aufkommende Elektro-Mobilität essentiell." Schließlich gebe es kaum etwas schöneres zu wissen, dass man sein Auto zu Hause mit Strom auflädt, der tagsüber am eigenen Dach erzeugt wurde, schwärmt der österreichische Speichertechnologie-Pionier Kreisel.

Das Projekt "USC Südburgenland" ist auf drei Jahre angelegt und wird vom Klima- und Energiefonds mit 800.000 Euro gefördert. Geschäftsführerin Theresia Vogel lobte in ihrem Statement die Vorreiterrolle des Südburgenlandes: "Wer Energiewende sagt, muss auch Speicher sagen. Jetzt geht es darum, Speicher optimal ins Energiesystem einzubetten. Um das zu garantieren sind Pionierprojekte wie dieses wichtig." 

Modell soll auf andere Regionen übertragbar sein

Das Projektziel ist ehrgeizig: "Wir wollen ein duplizierbares Modell schaffen, das in andere Regionen transferierbar ist", sagt Schneemann. Als nächste Schritte nach der erfolgten Förderzusage sollen die rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen abgeklärt und dann die Bürgermeister der Gemeinden genau informiert werden. "Haben wir alles unter Dach und Fach und Lösungen für einige noch anstehende Probleme gefunden, wird die Bevölkerung informiert", sagt Schneemann.

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Am Projekt können sich auch Privathaushalte beteiligen, diese profitieren dann von niedrigeren Energiepreisen, laut Schneemann sind "massive Einsparungen" zu erwarten. Investitionen in Anlagen werden aber nicht gefördert, das Geld vom Klima- und Energiefonds dient zum Großteil der Forschung. "Unser Ziel ist es, dass sich Österreich einen technologischen Vorsprung verschafft. Und natürlich auch, dass in der Region etwas passiert", sagt Klimafonds-Geschäftsführerin Kreisel.

Bürgermeister hofft auf Betriebsansiedelungen

Angesichts des dreijährigen Projektzeitraums und der Einzigartigkeit des Projekts könnte es durchaus zu neuen Betriebsansiedelungen kommen, wie Bürgermeister Georg Rosner hofft: "Die Zukunft ist interkommunal, auch im Bereich der Erneuerbaren Energie. Es freut mich, das Projekt gemeinsam mit der Golfregion Stegersbach umzusetzen, eventuell kommen dadurch auch neue Betriebe in die Region." Auch Schneemann geht davon aus, dass "wir mit dem USC Südburgenland Investitionsanreize schaffen und Investitionen auslösen".

"Heute kostet eine Photovoltaik-Anlage inklusive Speichermöglichkeit und Wechselrichter für ein Einfamilienhaus rund 15.000 Euro", erklärt Kreisel, der von einer "Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren mit einer verbleibenden Speichereffizienz von 70 Prozent ausgeht". Natürlich würden die Systeme im Lauf der Zeit immer besser werden, aber: "Immer nur zu warten, wird zu wenig sein. Wir müssen heute anfangen, denn in Wahrheit befinden wir uns technologisch noch in der Steinzeit."

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In der angesprochenen Golf- und Thermenregion Stegerbach fungiert der Tourismusverband mit Obmann Richard G. Senninger als Trägerverein. Er erhofft sich durch das Projekt auch touristische Vorteile: "Dem Gast von heute ist es wichtig, Authentizität geboten zu bekommen. Wir wollen unseren Gästen ein gutes Gefühl geben, wenn sie bei uns sind - ein nachhaltig und echtes gutes Gefühl." 

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Folgende Unternehmen und Organisationen beteiligen sich bereits am USC Südburgenland:

  • Energie Kompass GmbH
  • Siemens Österreich
  • KEBA AG
  • Hoval GmbH
  • FH Oberösterreich
  • Johannes Kepler Uni Linz
  • Stadtgemeinde Oberwart
  • Kreisel Electric
  • Zentrum für Ökomobilität
  • Seier GmbH
  • Schlaustrom GmbH
  • Tourismusverband Golf- und Thermenregion Stegersbach
  • B-Süd