Bombenattentat von Oberwart jährt sich zum 27. Mal

Aktualisiert am 04. Februar 2022 | 12:27
Lesezeit: 3 Min
Vor 27 Jahren hat eine Rohrbombe in Oberwart vier Angehörige der Volksgruppe der Roma getötet. Erwin Horvath, Karl Horvath, Peter Sarközi und Josef Simon wurden Opfer eines gezielten rassistischen Anschlags.
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Vor 27 Jahren — in der Nacht vom 4. auf den 5. Feber 1995 — wurden Erwin Horvath, Karl Horvath, Peter Sarközi und Josef Simon, Angehörige der Volksgruppe der Roma, durch eine Rohrbombe getötet. Auf der Bombe war ein Schild mit der Aufschrift „Roma zurück nach Indien“ angebracht. Bei dem Versuch, dieses Schild zu entfernen, explodierte die Sprengfalle. Die rassistische und völkisch motivierte Anschlagserie, die Franz Fuchs zwischen 1993 und 1997 verübte, forderte vier Todesopfer und 15 zum Teil Schwerverletzte.

Petrik sieht Gesellschaft und Politik in der Pflicht

"Der Anschlag gegen die Volksgruppe der Roma im Jahr 1995 muss uns auch heute eine Mahnung sein, entschieden gegen jede Form von Rassismus in unserer Gesellschaft aufzutreten", erinnert die GRÜNE Klubobfrau Regina Petrik. Dieser Mord erschütterte das Burgenland bis ins Mark. Seither hat sich vieles zum Besseren verändert, Bewusstsein wurde entwickelt und die Roma als Volksgruppe offiziell anerkannt.

"Im Blick auf die hundertjährige Geschichte unseres Bundeslandes müssen wir Burgenländerinnen und Burgenländer uns allerdings die Frage stellen, ob wir genug gegen rassistische Haltungen und Handlungen unternommen haben. Es ist nicht zu leugnen, dass Roma bis in die jüngste Geschichte hinein Diskriminierung und Herabwürdigung erlebt haben", sieht Petrik noch keine Gleichstellung erreicht.

So erfahren Roma und Romnja am Arbeitsmarkt immer noch Vorurteile und Zurückweisung. "Wir müssen als Gesellschaft und Politik alle Bemühungen daransetzen, dass Rassismus bei uns keinen Platz hat und dass sich die Angehörigen aller Volksgruppen als gleichberechtigte Mitglieder unserer demokratischen Gesellschaft erleben", mahnt Petrik.

Rosner: „Niemals vergessen, damit so etwas Schreckliches nie wieder passiert!“

„Wir dürfen dieses schreckliche Ereignis niemals vergessen. Es ist unsere Aufgabe, als Gesellschaft gegen jede Form von Rassismus entschieden aufzutreten, damit so etwas wie vor 27 Jahren niemals wieder passiert“, so der 2. Landtagspräsident und Bürgermeister von Oberwart Georg Rosner abschließend.

Gedenkfeier am Sonntag

Am Sonntag, dem 6. Februar (14.30 Uhr), findet bei der Oberwarter Gedenkstätte „Am Anger“ die jährliche Gedenkfeier statt. Dabei werden auch aus Keramik gefertigte Windlichter von Kindern und Jugendlichen aus der Volksgruppe, die sich mit dem Attentat künstlerisch auseinandersetzten, von Generalvikar Michael Wüger gesegnet. „Diese Windlichter sollen ein fester Bestandteil der Gedenkstätte werden“, erklärt Romapastoral Manuela Horvath und meint weiter, „damit für jedes Opfer immer ein Licht brennt.“

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