Schulqualitätsmanager: „Wir brauchen soziale Kontakte“. Klaus Schermann, Schulqualitätsmanager, über Distance Learning, das besser funktioniert als im Frühjahr, den Nachteil für Schüler und wachsendes Engagement, das es jetzt dringend braucht.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 27. November 2020 (12:57)
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Klaus Schermann, Schulqualitätsmanager für die Bezirk Oberwart und Oberpullendorf.
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BVZ: Drei Wochen Distance-Learning für alle Schüler, aber es kann auch jedes Kind in die Schule kommen, das will, soll oder muss. Was sagen Sie denn zu diesem Konzept für den Schulbereich?

Klaus Schermann: Die Schulen im Bezirk Oberwart haben bereits am Wochenende vor dem Lockdown mit den Planungen für das Homeschooling begonnen und waren dementsprechend gut vorbereitet. Am Montag wurden die Planungen nur mehr finalisiert. Die Rückmeldungen nach einer Woche waren durchwegs positiv, was mich persönlich überrascht.

BVZ: Beim ersten Schul-Lockdown hat man nicht alle Schüler erreichen können, wie ist das jetzt?

Schermann: Die Schulen handeln autonom, haben eigene Konzepte entwickelt. Wir haben dann mit allen Direktoren ein Online-Meeting gemacht, weil es mir wichtig ist, alle zu Wort kommen zu lassen und ich kann sagen, dass es jetzt besser funktioniert, als noch im Frühjahr. Die Schulen setzen die Online-Tools, wie Skooly beispielsweise sehr gut ein und nützen auch Zoom verstärkt. Die Schulen/Lehrer und auch die Kinder trauen sich jetzt mehr. Es geht auch darum, die leistungsstarken Kinder noch mehr zu motivieren und zu schauen, dass die leistungsschwachen Kinder nicht benachteiligt sind. Wir erreichen mittlerweile fast alle Kinder zu Hause, nur sehr wenige nicht.

BVZ: Wie stehen Sie dazu, Kinder einen ganzen Vormittag vor dem Bildschirm zu unterrichten, wenn es in der Schule schon manchmal schwerfällt, still zu sitzen?

Schermann: In den Ober- und Unterstufen und Mittelschulen klappt der Unterricht via Video mittlerweile sogar sehr gut, das ist auch logisch, denn je älter die Schüler sind, umso einfacher ist es auch, den Unterricht via Livestream zu machen. In der Volksschule ist das natürlich nicht so und ich finde auch, dass sechs Stunden Videokonferenz pädagogisch von meiner Seite her diskutierbar sind. Es wird aber schon versucht den Stundenplan einzuhalten, teilweise analog, teilweise digital als Ergänzung. Es braucht aber definitiv mehr Pausen, weil die durchgehende Beschallung für die Kinder nicht zielführend ist.

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Bildungsdirektion Burgenland; Illustration: robuart; Tartila/Shutterstock.com; Grafik: Bischof

BVZ: Haben die Schüler durch das Distance Learning Nachteile für ihre weitere Schullaufbahn?

Schermann: Das ist ein sehr komplexes Thema. Die Schüler haben definitiv einen Nachteil durch den Lockdown, ich bin aber überzeugt, dass durch noch mehr Engagement von Pädagogen und Eltern, die Defizite reduziert werden können.

BVZ: Welche Rückmeldungen bekommen Sie von Eltern?

Schermann: Mir ist es sehr wichtig, Feedback einzuholen. Da geht es um Wertschätzung, da geht es darum, zu wissen, wo muss ich ansetzen, wo stehen wir, gibt es Überforderung, Unterforderung. Wir haben viel gelernt, weiterentwickelt und sind froh über jede Rückmeldung. Wir begleiten, so gut wie es geht.

BVZ: Wie ist die Stimmung unter den Lehrern?

Schermann: Für viele ist das nicht einfach, aber die Stimmung ist trotz des massiven Aufwandes unter den Lehrern sehr gut. Wir sind optimistisch und froh, dass die Schulen autonom viel lösen. Wir müssen aber auch Rücksicht auf Lehrer nehmen, die selbst Kinder zu Hause betreuen müssen. Das sind gar nicht so wenige. Da muss man sich die Ressourcen anschauen und damit umgehen.

BVZ: Hoffen Sie auf einen Neustart am 7. Dezember?

Schermann: Wir hoffen natürlich sehr darauf. Unterm Strich muss man aber das Positive sehen und auch, dass viele Menschen sehen, wie wichtig die Schule ist und dass man das über die Digitalisierung nicht alles gut machen kann. Wir brauchen soziale Kontakte, weil wir soziale Wesen sind.