Benjamin Posch über seine Begegnung mit China. Nach drei Jahren als Lehrer in China ist Benjamin Posch mit vielen Erfahrungen im Gepäck nach Pinkafeld zurückgekehrt.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 30. Juli 2021 (05:53)

BVZ: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, als Lehrer eine Stelle in China anzunehmen?

Benjamin Posch: Eine gute Freundin aus Pinkafeld war schon ein Jahr in China und hat den Kontakt zu dem Schulleiter hergestellt, der auch ein Österreicher war. Das verlief relativ unkompliziert. Es wurden Grundschullehrer gesucht und nach ein paar Telefonaten war relativ schnell klar, dass das passen wird.

BVZ: Wie lange waren Sie insgesamt dort und an welcher Schule haben Sie unterrichtet?

Posch: Ich war jetzt insgesamt drei Jahre in China, die Dienstverträge liefen immer über die Dauer von einem Jahr und wurden dann neu verlängert. Meine Schule war die Hübschmann-Zhan Foreign Children School in Shenyang. Die Schule hatte rund hundert Schüler und ich habe vorrangig für die deutsche Sektion gearbeitet.

BVZ: Hatten Sie geplant, so lange in China zu bleiben?

Posch: Ursprünglich hatte ich geplant, nach einem Jahr zurückzukommen. Aber dann konnte ich parallel zu meiner Arbeit in China die Trainerausbildung zur UEFA A-Lizenz absolvieren, damit stand einer Verlängerung nichts mehr im Wege.

Ich bin zu den Kursen immer nach Österreich geflogen, das war vor der Corona-Zeit. So nahmen die Dinge ihren Lauf. Gestartet in das Projekt China bin ich als Klassenleiter. Am Ende durfte ich die Grundschule leiten, war stellvertretender Schulleiter der deutschen Schule und Botschafter der gesamten Schule innerhalb Shenyangs.

BVZ: Gibt es einen großen Unterschied zwischen dem österreichischen und dem chinesischen Schulsystem?

Posch: Der Unterschied in unserer Schule war relativ gering, außer dass es hier alle Klassen von der ersten bis zur zwölften Schulstufe gibt. Unterrichtet wurde nach dem Bayrischen Lehrplan. Unsere Schule war jedoch auf dem Campus einer chinesischen Privatschule mit rund 6000 Schülern. Dort sitzen in jeder Klasse zwischen 50 und 60 Schüler. Sie haben oft Lerneinheiten bis zum späten Abend. Und es war anfangs schon überwältigend, wenn man in der Pause 1500 Schüler synchron Seilspringen sieht.

BVZ: Wie war in dem vergangenen Jahr die Corona-Situation vor Ort? Posch: Corona war im letzten Jahr von den Einschränkungen her sehr gering spürbar in China. Wir konnten uns sicher viel freier bewegen wie hier in Europa. Ich bin extrem viel in China gereist und habe viel gesehen. Nur eine Heimreise war im letzten Sommer nicht möglich, da ich zum damaligen Zeitpunkt sonst mein Visum bei der Ausreise verloren hätte.

Unsere Schule war nur einmal für fünf Wochen zwischen Jänner und Feber gesperrt, da es in der Stadt vier Corona-Fälle gegeben hat. Sonst konnten wir uns immer frei bewegen, jeder hat eine App am Handy, mit der man sich überall registrieren kann und auch verständigt wird, falls man in die Nähe eines Infizierten gekommen ist. Maske wurde immer getragen, das machen die Chinesen aber sowieso, auch wenn sie nur einen Schnupfen haben. Außerdem ist die Luftqualität im Winter oft nicht gut.

BVZ: Was nehmen Sie aus dieser Zeit für Ihr weiteres Leben mit und was haben Sie besonders vermisst?

Posch: Viel Gelassenheit, man lernt gelassen, geduldig und flexibel zu werden. Das ist das Wichtigste in China. Und man lernt so banale Dinge zu schätzen wie beispielsweise, dass man das Wasser aus dem Wasserhahn trinken kann. Vermisst habe ich meine Familie und meine Freunde und das österreichische Essen. Denn eine gute Leberpastete hat es in China nicht gegeben.

Interview: Dorothea Müllner-Frühwirth