Christoph Krutzler: "Unangepasst, aus Prinzip"

Die BVZ hat Schauspieler Christoph Krutzler besucht und ganz genau hingehört, wer der Krutzler denn wirklich ist.

Erstellt am 04. März 2020 | 05:25
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Christoph Krutzler Interview
Unangepasst aus Prinzip, das sagt Schauspieler Christoph F. Krutzler aus Kemeten über sich selbst. Seine große Liebe gehört neben der Schauspielerei dem Südburgenland. Hier will er sich auch in absehbarer Zeit ein Haus bauen.
Foto: Vanessa Bruckner

Er zählt zu den besten Schauspielern Österreichs – auf den Bühnenbrettern und vor der Kamera. Salzburger Festspiele, Volkstheater oder mit Kommissar Rex und den Vorstadtweibern im TV - Christoph Krutzler ist anders. Mega anders! Vor allem aber ist er herrlich unangepasst, wie seine große Liebe, das Südburgenland.

BVZ: Ist das Burgenland das Burgenland für dich oder das Südburgenland?

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Christoph Krutzler: Ganz klar das Südburgenland, das hat mein Herz. Es ist herrlich hier, aber es ist trotzdem eine der strukturschwächsten Gegenden Österreichs. Die Politiker im Norden pfeifen nach wie vor auf den Süden, das missfällt mir gewaltig. Unsere Lage ist eigentlich top, Graz ist näher als Eisenstadt, aber mit den Öffis hast wenig Möglichkeiten, dass du da runterkommst. Ich habe in Graz studiert, ich weiß, wovon ich rede. Die Sanierung der Bahnstrecke Oberwart-Friedberg hätte 800.000 Euro gekostet. Die hat man angeblich nicht. Aber für die Sanierung des Bahnhofes in Mattersburg, nur des Bahnhofes wohlgemerkt, hatte man Millionen. Da fühl ich mich verarscht.

BVZ: Wo sollte das Südburgenland noch wachsen? Und wo soll es bitte immer so bleiben, wie es ist?

Krutzler: Es muss sich seinen Gemeinschaftssinn erhalten. Ein eklatantes Merkmal von einfachen, bescheidenen Gesellschaften ist die ausgeprägte Hilfsbereitschaft und Solidarität. Sobald die Menschen mehr haben, haben sie auch Angst, dass ihnen etwas weggenommen wird. Wünschen würde ich mir, dass jeder Burgenländer einmal für ein paar Jahre weg von zu Hause lebt, den eigenen Kirchturm nicht sehen kann. Wenn mehr Menschen einen weiteren Horizont hätten, würde das unsere Gesellschaft schon sehr entspannen. Mit Erfahrungen, die man in der großen Welt gesammelt hat, kann man der kleinen Welt schon sehr dienlich sein.

BVZ: Du lebst in Wien und bist in Kemeten aufgewachsen, kennst hier jeden Winkel. Die einen sagen, zu Hause ist, wo das Herz ist. Andere meinen, zu Hause ist, wo immer man selbst ist. Wie definierst du zu Hause?

Krutzler: Ich war seit mittlerweile 31 Jahren nicht mehr zu Hause. Mit zehn Jahren bin ich ins bischöfliche Knabeninternat gekommen und seither ist überall, wo ich bin, eine Durchgangsstation. Gefühlsmäßig. Aber die Wiese dort oben und der Acker, die gehören mir und hier bau ich mir mein Zuhause in absehbarer Zeit und darf nach 40 Jahren Reise dann hoffentlich endlich heimkommen nach Kemeten.

BVZ: Als Schauspieler muss man dich nicht näher vorstellen. Aber du warst auch Co-Leiter des OHO, Intendant der Lesungen am „picture on“ und gestaltest das Uhudlertheater in Moschendorf mit. Dein Schaffen im Südburgenland scheint dir nach wie vor wichtig zu sein.

Krutzler: Das ist Idealismus in jeglicher Form. Zum einen, um die Region zu stärken. Wir haben tolle starke Sponsoren beim Uhudlertheater, anständige Firmenchefs, die ihre Mitarbeiter aus der Region haben und drauf schauen, dass die Wertschöpfung auch in der Region bleibt. Diese Anständigkeit, die bei uns im Süden noch herrscht, schätze ich und damit einher die Leute, die ihre Wahrheit für sich gefunden haben und auch leben.

BVZ: Dann ist das Uhudlertheater deine südburgenländische Wahrheit?

Krutzler: Absolut. Dort treffen sich Leute auf neutralem Boden wegen der Kunst, aber eben nicht nur, sondern auch, um ihr Netzwerk zu erweitern. Die Merkel kommt ja auch nicht nur zu den Salzburger Festspielen, weil ihr Theater so gut gefällt. Dort werden Geschäfte gemacht. Man redet miteinander, wie früher im Wirtshaus, wo Geschäfte abgewickelt wurden. Das ist sympathisch, ehrlich und für mich wichtig und richtig. Heuer spielen wir erstmals an zwei Wochenenden, am letzten August- und am ersten Septemberwochenende. Also noch mehr Zeit, um im Südburgenland die richtigen Leut´ zamm zubringen und natürlich der Kunst ihre Bühne im Landessüden zu bieten.

BVZ: Als Schauspieler bist du ein Vollblutmime, sagen die einen. Dein Freund Günter Schütter beschreibt dich als „Urgewalt, Unangepasst, Urvieh und Heimatliebender.“ Wer ist Christoph Krutzler?

Krutzler: Unangepasst, aus Prinzip, ja (lacht). Das war ich schon als Kind, diese Rolle kann man sich nicht aussuchen.

BVZ: Aber deine Rollen als Schauspieler sehr wohl. Welche bekommen den Vorrang?

Krutzler: Bei den Theaterrollen antworte ich mit Oskar Werner „Gebts mir das Schwierige, weil mir fällt’s leicht. Im Rabenhoftheater spiele ich aktuell die österreichische Innenministerin. In Wirklichkeit stehe ich aber in Lederhose auf der Bühne und rede harsch – aber trotzdem sieht das Publikum die Frau Innenministerin dort oben. 2005, als mich der Schotti ans Volkstheater geholt hat, habe ich für mich persönlich die Pflicht erfüllt. Jetzt reite ich schon seit 15 Jahren die Kür und bin froh, dass ich all diese Stationen sehen durfte. Neun Jahre Volkstheater, Burgtheater, die verschiedenen Filme, Rabenhoftheater. Auch durfte ich mit vielen Musikern zusammenarbeiten, was mir persönlich besonders viel Freude macht. All diese Dinge sind mir als nicht selbstverständlich bewusst und ich bin jeden Tag für jede Station meines Lebens sehr dankbar. Sogar für die „G’schissenen“, die mich letztlich zu dem gemacht haben, der ich heute bin.

BVZ: Wer ist Christoph Krutzler, wenn du ihn so sein lässt?

Krutzler: Ich bin der fadeste, durchschnittlichste Mensch der Welt. Wenn ich nach einem langen Drehtag heimkomme, koche ich am liebsten, das war´s. Wenn der NSA-Typ, der mich, so glaub ich ganz fest, überwacht, am Montag den Monitor aufdreht und beobachtet, denkt er sicher „Scheiße, scho wieder der Krutzler, vui fad.“

Interview: Vanessa Bruckner