Treestyler Martin Bauer ist "Mann fürs grobe Schöne". Martin Bauer schafft mit seiner Motorsäge unglaubliche Kunstwerke. Musik als Gehörschutz, hunderte Eulen und ein heimisches Ausnahmetalent.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 10. November 2019 (03:58)
Ausnahmetalent. Die Teilnahme an der Weltmeisterschaft für Chainsaw Carver ist noch ein großes Ziel von Martin Bauer.
Vanessa

Der richtige Sender muss es schon sein, wenn Martin Bauer seinen Gehörschutz mit inkludiertem Radio aufsetzt. Ansonsten braucht der 37-Jährige nicht viel. Gutes Holz, genug Platz und seine Motorsäge. Damit fertigt der Kemetner Kunststücke, die ins Staunen versetzen. Wikinger, Heiligenfiguren, Möbelstücke, sogar Portraits von Verstorbenen - und Eulen. „Bei 150 Eulen hab ich aufgehört zu zählen“, lacht der Techniker, der das Chainsaw Carving, wie das Schnitzen mit der Kettensäge fachgerecht heißt, seit 13 Jahren betreibt. Gezeichnet habe er immer schon gerne und als die Schwester ihn bat, aus einem alten Birnenbaum einen Blumentrog zu machen, staunte diese nicht schlecht, als der Bruder drei Tage später mit der Skulptur eines schlafenden Engels vor der Tür stand.

„Das meiste entsteht aus dem Kopf, für die heiklen Parts fertige ich vorab Zeichnungen“, erklärt Bauer, der ausgebildeter Forstwirt und Baumpfleger ist. Das Holz für seine Kunstwerke schlägt er selbst aus heimischen Wäldern. Im Burgenland ist Martin Bauer der einzige „Motorsägenkünstler“, österreichweit gibt es nur 15 Leute, die dieses Handwerk beherrschen. Der Familienvater hat bislang über 500 Kunstwerke geschaffen und ist als Chainsaw Carver bei Veranstaltungen gut gebucht. Sein bislang aufwendigstes Werk, eine Wikinger-Skulptur, hat knapp vier Tage Arbeit in Anspruch genommen.

„Die meisten Aufträge kommen für Jubiläen rein, da sind auch skurrile Wünsche dabei. Ein Kunde hat aus einem Baumstumpf ein Portrait seines verstorbenen Vaters, der Jäger war, bei mir bestellt. Ein paar Wochen später musste ich den Kopf dann absägen, weil die Hunde immer draufgepinkelt haben“, erinnert sich Bauer lachend. Die Aufträge trudeln mittlerweile aus ganz Österreich in Kemeten ein. Dieser Mann ist definitiv fürs Grobe zuständig – schöne Sache!