Doskozil vor Mitarbeitern: Neustart für Planungen. Bei einer Betriebsversammlung im Krankenhaus Oberwart gab Landesrat Hans Peter Doskozil gestern bekannt, dass das Projekt für den Neubau derzeit ganz genau geprüft werde und die Gespräche mit der Steiermark wieder aufgenommen werden.

Von Michael Pekovics. Erstellt am 25. Januar 2018 (08:34)
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Landesrat Hans Peter Doskozil ist seit seiner Amtsübernahme damit beschäftigt, sich einen genauen Überblick über alle laufenden Projekte in seinen Ressorts zu verschaffen. Der Neubau des Oberwarter Krankenhauses steht da ganz oben auf der Prioritätenliste. Kein Wunder, ist es doch mit den bisher kolportierten Baukosten von 160 Millionen Euro das größte Projekt in der Geschichte des burgenländischen Gesundheitswesens.

Bei einer Betriebsversammlung vor rund 150 Mitarbeitern im Krankenhaus Oberwart gab Doskozil gestern bekannt, dass die Pläne für den Neubau grundsätzlich neu überprüft werden sollen, das Projekt "Neubau" an sich aber nicht infrage gestellt werde. "Das Projekt ist in einem größeren Zusammenhang zu sehen, vor allem was die Steiermark betrifft", sagte Doskozil und erneuerte dabei auch die Standortgarantie für alle burgenländischen Krankenanstalten, vor allem für Güssing und Oberpullendorf.

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Doskozil sprach bei der Betriebsversammlung auch an, dass die bisher kalkulierten Baukosten von 160 Millionen Euro wohl nicht ausreichen würden, um das Projekt zukunftsweisend umzusetzen. Auch deshalb sei es wichtig, die Gespräche mit der Steiermark wieder aufzunehmen, weil sich das Gesundheitssystem ständig weiterentwickle, sich die Rahmenbedingungen laufend ändern würden und ein Projekt dieser Größenordnung auf Jahrzehnte hinweg geplant werden müsse.

"Gespräche mit der Steiermark sind zu führen"

"Die Gespräche mit der Steiermark sind zu führen, um mögliche Synergien mit Hartberg zu finden und das Projekt in einem größeren Ganzen zu sehen", sagte Doskozil auf Anfrage der BVZ. Und es sei durchaus möglich, dass "mehr als 160 Millionen Euro gebraucht werden, aber das weiß man erst, wenn alle Faktoren ganz genau geprüft wurden", so der Landesrat, der derzeit alle anstehenden Projekte "ganz genau überprüft".

Die Belegschaft des Krankenhauses nahm die Worte des Neo-Landesrates bei der gestrigen Betriebsversammlung positiv auf. "Er hat ganz klar gesagt, dass es sich mit 160 Millionen Euro nicht ausgehen wird und dass die Gespräche mit der Steiermark wieder aufgenommen werden", erzählte ein Krankenhaus-Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte, der BVZ. "Im Endeffekt hat er dafür so viel Applaus bekommen, wie noch kein Politiker vor ihm - so ehrlich war noch keiner." 

Der ärztliche Leiter des Krankenhauses Oberwart, Kurt Resetarits, meinte auf Anfrage der BVZ, dass "die Nutzergespräche mit den einzelnen Abteilungen über die zukünftigen Anforderungen weiter gehen". Für ihn sei aus heutiger Sicht ein Spatenstich bis zum Jahr 2020 "realistisch". 

Reaktionen von ÖVP und Grüne

ÖVP-Landesparteiobmann Thomas Steiner meldete sich am Nachmittag mit einer Aussendung zu Wort. Er sieht ein "Eingeständnis der falschen rot-blauen Politik", Doskozil müsse jetzt nach der Reihe alle Versäumnisse von Rot-Blau aufarbeiten. "Die überregionale Zusammenarbeit mit der Steiermark ist von großer Bedeutung, wir bieten beim Neubau des Krankenhauses die Zusammenarbeit an", betonte Steiner. 

Zustimmung kommt diesbezüglich vom Grünen Landtagsabgeordneten Wolfgang Spitzmüller: "Bei einem Projekt dieser Größenordnung darf man nicht an den Landesgrenzen haltmachen. Außerdem erwarten wir uns, dass hier professionelle Arbeit geleistet wird." Und er erinnert daran, dass "Doskozil damit seinem Parteikollegen Norbert Darabos widerspricht, der garantiert hatte, dass ein Finanzvolumen von 160 Millionen Euro nicht überschritten werde".