Ein(e) Burg für Camper am Badesee

Die ersten rollten 1975 in ihren Wohnwägen an. Manche blieben bis heute. Der Badesee in Burg und seine Dauer-Camper. Ein Plädoyer auf vier Reifen, die gar nicht mehr rollen wollen.

Vanessa Bruckner Erstellt am 15. August 2021 | 06:07

Die Fakten zuerst: 12 Stellplätze bietet der Campingpatz beim Badesee Burg für Tagescamper. Rund 50 davon stehen für die sogenannten Dauercamper zu Verfügung.

Soweit also die Zahlen, die eigentlich eh auch schon für sich sprechen, weil: Der Burger Campingplatz hat viele Fans – und die meisten davon schon sehr lange. Seit 1975 bietet die Gemeinde Urlaubern in ihren fahrenden Domizilen die Möglichkeit, die Handbremse zu ziehen und direkt am Seeufer zu parken. Und das Angebot nahmen von Beginn weg viele und außerdem sehr gerne an. Damals, vor 46 Jahren.

Viele Camper schon seit Jahrzenten am Badesee

Und zwar so gerne, dass einige Gäste in den 1970ern bereits kamen, um zu bleiben. Sieht man sich am Platz für die Dauercamper nämlich um, wird einem schnell klar: Viele Reifen dieser Wohnwägen hatten seit einer Ewigkeit keine Straße mehr unter sich.

Da sind ganze Häuser drumherum gebaut worden, um die Wohnwägen. SAT-Schüsseln an den Dächern inklusive. Eine Dauer-Parkerin, pardon, DauerCamperin ist Barbara Györög. Seit sie und ihr Mann damals, das war 1987, die Liebe zum Wohnmobil entdeckten, kam die Familie damit nach Burg an den Badesee.

Györög ist Oberwarterin, verlässt zum Campen also nicht einmal den Bezirk, und kommt trotzdem jedes Jahr wieder. Früher noch mit der ganzen Familie, „die Kinder sind quasi am See hier aufgewachsen“, heute bleibt die mittlerweile pensionierte ehemalige Schuldirektorin immer noch gut zwei Monate im Sommer durchgehend in ihrem Wohnwagen in Burg.

„Wenn es regnet, dann schaust du eben zu“

Warum sie dem Mini-Zuhause auf vier Rädern nach wie vor ihrer komfortablen Wohnung in Oberwart vorzieht? „Weil Campen ein eigenes Lebensgefühl ist. Langsamer, ruhiger. Ich genieße die Tage an der Luft und am See und wenn es regnet, dann schaust du eben dem Regen zu und rätselst, ob der kleine Bach nebenan heute wieder übergehen wird, oder eben nicht. That´s it“, lacht die 68-Jährige.

Früher wohlgemerkt, da sei das Leben am Campingplatz in Burg „wilder“ gewesen. „Jeder ist irgendwo mit seinem Wohnwagen gestanden, fixe Stellplätze, die gab es anfangs noch nicht. Und wir haben schon ordentliche Feste hier gefeiert, also damals, als wir jung und die Kinder noch klein waren. Man hat sich schnell angefreundet. Manche dieser Freundschaften und Nachbarschaften hier bestehen bis heute. Das liebe ich so am Burger Campingplatz, deshalb komme ich jeden Sommer wieder.“

Der Campingwagen der Oberwarterin ist ein 1990er Baujahr. Für die Jahresstellkarte inklusive Badeeintritt und Stromkosten sind rund 900 Euro zu berappen. Luxus gibt´s dafür keinen - klar aber auch, schließlich erzählen wir hier vom Campen! Barbara Györög verzichtet für ihr „Campingplatz-Lebensgefühl“ gut und gerne auf den Luxus von fließendem Wasser, eines Geschirrspülers oder einer Waschmaschine.

„Im Juni ist es immer auch ein bisserl Überwindung, wieder in den Camper zu ziehen. Das muss ich schon zugeben. Da fahr ich runter und bin zuerst einmal einige Tage mit Putzen und Siedeln beschäftigt. Aber der Sommer im Camper am See, der ist alle Jahre wieder ein Highlight und am letzten Tag, immer im September, da spaziere ich noch einmal rund um den See und verabschiede mich. Das ist mir ein lieb gewordenes Ritual geworden.“