Gartenbaufirma verschenkt Blumen und Pflanzen. Die Firma "Gartenbau Gall" aus Markt Allhau verteilt Blumen und Pflanzen an die Bevölkerung in Markt Allhau und Buchschachen.

Von Eva-Maria Leeb. Update am 23. März 2020 (15:13)
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Beliefern die Haushalte in Markt Allhau und Buchschachen mit einem Gratis-Blumengruß. Andreas Gall, Jochen Fink, Petra Garber, Nadja und Nathalie Garber.
Hermann Pferschy

Aufgrund der aktuellen Situation hatte die Firma "Gartenbau Gall" aus Markt Allhau eine wirklich nette Idee. Sie verschenken Blumen und Pflanzen an die Bewohner von Markt Allhau und Buchschachen.

Zur Seite stehen ihnen dabei die freiwilligen Helfer Jochen Fink und Petra Garber, die die Belieferung der einzelnen Haushalte übernehmen. Nadja und Nathalie Garber bereiten die Zustellungen gemeinsam mit den Mitarbeitern der Firma Gall vor. Bürgermeister Hermann Pferschy ist von der Aktion begeistert. "Ein herzliches Dankeschön an diese vier Personen für ihren uneigennützigen Einsatz und natürlich auch an die Firma 'Gartenbau Gall', im Speziellen an Juniorchef Andreas Gall, für diese uneigennützige Aktion", sagt der Bürgermeister.

Die BVZ sprach mit Gärtner Andreas Gall über die aktuelle Situation

Interview von Christina Wiednig

BVZ: Andreas, du als Juniorchef stehst vor neuen Herausforderungen. Wie gehst du damit um?

Andreas Gall: Die Krise ist wie ein unangekündigter Tsunami  über unser Unternehmen hereingebrochen. Wenn man in dieser Situation über irgendetwas froh sein kann, dann ist es, dass wir als Familie und unsere tollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam versuchen, diese Krise zu bewältigen. Ich muss mich also nicht ganz alleine diesen Herausforderungen entgegenstemmen. Die letzten ein bis zwei Wochen verlaufen sehr chaotisch, denn unser Betrieb lebt in normalen Zeiten von schnellen Entscheidungen und Abläufen. Diese sind zusammengebrochen und wir versuchen nun wieder in die Spur zu finden.

BVZ: Wie ist denn eure kostenlose Hauslieferung bei den Menschen in Markt Allhau angekommen? Welche Feedbacks gab es von den Menschen?

Gall: Die Ereignisse haben sich in der letzten Woche überschlagen. Wir mussten sehr schnell sehr viele Dinge neu entscheiden. Unter anderem waren wir gezwungen, die vorbestellte Ware der letzten Woche zu entsorgen, da die nächsten Jungpflänzchen ins Glashaus mussten. Dabei kam uns die Idee, einen Teil der Ware zu retten und uneigennützig unserer Gemeindebevölkerung zur Verfügung zu stellen. Die Rückmeldungen waren phänomenal. Uns wurden so viele schöne Nachrichten geschickt beziehungsweise  haben wir unzählige Anrufe mit Danksagungen erhalten. Es tut uns leid, dass wir es nicht geschafft haben, uns bei allen für die Nachrichten zu bedanken. Somit machen wir das hier auf diesem Wege. 

BVZ: Wie viele Blumen/Kräuter konntest du so vor der Mülltonne bewahren?

Gall: Verhältnismäßig leider wenige. Da wir die kostenlose Bereitstellung unserer nicht abgenommenen Blumen auch auf umliegende Gemeinden ausgeweitet haben, werden es rund  50.000 Stück sein, die wir verschenken konnten. Unsere Gärtnerei hat jedoch Millionen von Pflanzen, denen in den nächsten Wochen allesamt die Entsorgung droht.

BVZ: Du musstest aufgrund der Annahmestopps deiner Hauptkunden einen neuen Absatzweg finden. Seit Freitag läuft die Aktion mit dem Lieferservice und ihr beliefert mehrere Orte. Gibt es schon Bestellungen, wie läuft eure Aktion an?

Gall: Die umliegende Bevölkerung hat uns sehr ermutigt,  den Weg einer Online-Bestellung mit Hauszustellung zu gehen. Wir haben zwar zunächst nur angrenzende Orte in Betracht gezogen, aber die Nachfrage war von viel mehr Gemeinden gegeben. Grob gesagt versuchen wir jetzt, einen Umkreis von 10 bis 15 Kilometern zu beliefern. Mal sehen, wie gut unser neues System funktioniert und auch angenommen wird. In den ersten Tagen sind auch zahlreiche Bestellungen gekommen. Das war richtig schön zu erleben.  Wir sind für jede einzelne sehr dankbar und wir konnten erstmals auch dafür wieder drei Arbeitsplätze sichern. Angesichts unserer Kapazität für den österreichischen Großhandel werden wir es jedoch nicht vermeiden können, weiterhin eine Vielzahl der Pflanzen entsorgen zu müssen.

BVZ: Denkst du, dass ihr als Gartenbau Gall diesen Absatzweg auch nach der Krise behalten werdet?

Gall: Ja, das wollen wir unbedingt. Es hängt aber stark davon ab, ob es auch nachgefragt wird. Nach der Krise wird sich auch jeder wieder nach „Draußen“ sehnen. Wir hoffen dennoch,  hier etwas Nachhaltiges aufbauen zu können. 

Wie viele Mitarbeiter hast du derzeit beschäftigt und ist die Grenzüberwachung von Ungarn nach Österreich ein Problem für euch als Unternehmen?

Wir haben aktuell über 30 Personen beschäftigt. Da nahezu 100 Prozent unserer Kunden schließen mussten, führen wir die Gärtnerei nur noch als Notbetrieb. Mitarbeiter, die in Ungarn wohnen, haben wir somit aktuell nicht im Betrieb und daher sind wir auch von den Grenzkontrollen nicht betroffen.

BVZ: Wie viele Pflanzen/Kräuter befinden sich derzeit in euren Lagern die nicht ausgeliefert werden können?

Gall: Im Moment sind es Hundertausende. Wenn die Krise länger anhält werden es Millionen.

BVZ: Wie schätzt du die wirtschaftliche Lage in deiner Branche für die nächsten Wochen ein?

Katastrophal! In Gärtnereien gibt es einen Kulturplan. Pflanzen sind fertig, müssen hinaus, andere Pflänzchen warten darauf, ins Glashaus zu kommen. Das ist ein Kreislauf, der monatelang geplant wird. Wir können diesen Kreislauf nicht stoppen. Die Pflanzen gehen zwar hinaus, aber landen am Kompost, statt in den Gärten.

BVZ: Ein Kommentar zum Schluss?

Gall: Der Gartenbau hat in Österreich keine starke Lobby. Wir hoffen, dass auf uns nicht vergessen wird.