Alexander Wessely: „Tragen alle selbe Uniform“. Militärdekan und Bischofsvikar Alexander Wessely ist als Militärseelsorger für die burgenländischen Soldatinnen und Soldaten zuständig - auch in Zeiten der Pandemie.

Von David Marousek. Erstellt am 28. März 2021 (06:45)
Alexander Wessely kümmert sich nicht nur um das seelische Wohl der Soldatinnen und Soldaten, sondern auch der Tiere.
Militärpfarre

Die Militärseelsorge hat den Auftrag den rund 100.000 katholische Soldatinnen und Soldaten beizustehen. Sei es in der Kaserne, bei den Auslandseinsätzen oder auch bei familiären Ereignissen wie Taufen, Hochzeiten oder Begräbnissen. Seit 2006 leitet Militärpfarrer Alexander Wessely die Pfarre im Burgenland.

BVZ: Welche Rolle spielen Religion und Spiritualität für Soldaten?

Alexander Wessely: Eigentlich mehr als man denkt. Wir merken, dass bei den Soldaten und Soldatinnen viele Fragen gerade in dieser Zeit auftauchen, gerade nach dem Sinn des Lebens und der Lebensgestaltung. Das brach im letzten Jahr auf. Da war man selbst in einer Art Schockstarre, wir dachten, mit einem Online-Video zur Unterstützung wäre alles getan und dann geht es bald wieder normal weiter. Von Beginn des Lockdowns waren wir verstärkt bei den Soldatinnen und Soldaten, besonders bei den Assistenzeinsätzen im Burgenland. Da gab es eine große Ungewissheit, wie es weitergeht. Keiner wusste, was Sache ist. Da war der Militärpfarrer ein willkommener Gast. Auch weil unsere Soldaten gesundheitspolizeiliche Dienste erledigen. Für Gespräche und Fragen des Lebens ist ein Militärpfarrer immer da. Wenn zum Beispiel die Familie des Soldaten ein Kind erwartet, dann gibt es oft Fragen, was uns das Leben bringt.

BVZ: Wie sieht es mit dem Online-Angebot der Militärpfarre aus?

Wessely: Wir haben auch unser Online-Angebot verstärkt, nicht nur beim Livestream Gottesdienste und haben mit „Fanny das Schaaf“ nun ein Pfarrmaskottchen. Das Schaf war plötzlich nicht nur bei den Kindern beliebt, sondern bei allen. Seit einem Jahr bastelt die Fanny für Kinder. Es gab auch ein virtuelles Nikolausfest und Faschingsfest. Wir wollen, soweit wie möglich, normalen Alltag ermöglichen. Nicht betonen was nicht möglich ist, sondern was möglich ist.

BVZ: Lassen sich die Arbeit als Berufssoldat und Religion so leicht verbinden? Immerhin würde man gegen das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten“ womöglich verstoßen?

Wessely: „Es heißt eigentlich „Du wirst nicht morden“ in der richtigen Übersetzung, das ist ein ganz anderer Ansatz. Das eine hat Vorsatz, das andere nicht. Die Frage stellt sich auch nicht beim Rotkreuzmitarbeiter, ob er einem Drogen-Junkie hilft, denn er hilft einfach. Die Kirche muss in besonderen Lebenssituation mithelfen und einfach für die Leute da sein.

BVZ: Über was reden Soldaten gerne mit Ihnen als Militärdekan?

Wessely: Eigentlich ist es immer recht ähnlich, vor allem bei den Grundwehrdienern. Wie stelle ich mir meine Zukunft vor oder die Familienplanung. Bei Berufssoldaten oft die Freuden, Nöte und Ängste des Alltags. Ab und zu auch um den Groll abzuladen. Viele sagen, es ist gut einfach mit jemandem zu reden. Das haben wir verlernt. Wir sind vernetzt über die Medien, aber haben verlernt miteinander zu reden. Die häufigste Frage ist ‚Wie geht es dir?‘. Für die Militärseelsorge ist es wichtig zu wissen, wie es den Menschen geht. Freude und Sorge zu teilen. Wir tragen zwar hohe Dienstgrade, aber ich arbeite nach dem Kreuz und nicht nach dem Dienstgrad. Das ist für Soldaten auch wichtig, um unbeschwert zu arbeiten. Wir tragen alle die selbe Uniform.“

BVZ: Sind die Gesprächstermine seit der Pandemie häufiger geworden?

Wessely: Insofern ja, weil wir gerade anfangs verstärkt bei den Soldaten waren. Aber es ist sicher keine Steigerung von 400 Prozent. Häufiger wurde vor allem der Einsatz bei der Miliz und dem Aktivstand, die erreichen wir sehr gut durch das persönliche Gespräch. Über die vielleicht gar nicht mehr so modernen Medien erreichen wir auch viele. Einige Senioren, die haben wir dann einfach angerufen, damit sie nicht vereinsamen. Deshalb haben wir auch Online-Gottesdienste angeboten. Mir was es wichtig, dass die Soldaten und Familienangehörige eine vertraute Stimme bei der Messe hören und nicht den Pfarrer von ‚Dribsdrü‘. Unsere Leute haben ihren Pfarrer gesehen, den sie kennen. Die Kameradschaft wurde ins Wohnzimmer geholt. Wir hatten dabei alle Unterstützung von Seiten des Bundesheeres und der Kommandanten. Da gab es auch viel Wertschätzung für unsere Arbeit. Das tut gut, weil wir sind am Anfang nicht von den Stiefeln rausgekommen sind.

BVZ: Welche Pläne hat die Militärpfarre Burgenland für Zukunft?

Wessely: Wir versuchen so weit wie möglich die Normalität aufrecht zu erhalten.Die Mariazell-Walfahrt im Herbst soll es geben. Fanny das Schaf wird eine weitere Staffel bekommen. Es gibt auch ein Jubiläumsbier, das Martinsbier. Es wurde in Gols gebraut. Das Bier wird den Soldaten, wohlweisend für nach dem Dienst, nach Hause mitgegeben. Mit solchen Sachen kommt man automatisch ins Gespräch.