Ein Team für Leut‘ und Herz in der Region. Oberwarts Team Österreich Tafel gibt seit neun Jahren jeden Samstagabend Lebensmittel an Bedürftige aus. Überschuss hilft bei Mangel und Herz in der Not.

Von Vanessa Bruckner. Erstellt am 11. September 2019 (04:03)
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Die freiwilligen Helferinnen und Helfer der Team Österreich Tafel in Oberwart sind für Menschen, denen es nicht so gut geht, im Einsatz.

Nächstenliebe verbindet, Essen bekanntlich auch. Damit die einen Lebensmittel für eine gute Mahlzeit haben, geben andere ihre Freizeit, ihre Waren und vor allem: ihr Herzblut. Die Team Österreich Tafel ist eine Initiative vom Österreichischen Roten Kreuz und von Ö3.

Unter dem Motto „Sammeln statt vergammeln, verwenden statt verschwenden“ haben die ehrenamtlichen Helfer seit 2010 Woche für Woche einen fixen Einsatz: Jeden Samstag sammeln sie in Supermärkten einwandfreie, aber nicht mehr verkäufliche Lebensmittel ein. Diese Überschuss-Lebensmittel werden dann unmittelbar an Menschen in Not ausgegeben.

Aber wer sind die TÖTis aus dem Bezirk eigentlich?

Die BVZ hat das 80-köpfige Team an Freiwilligen am Ausgabetag bei der Arbeit besucht. Franz Polster aus Eisenzicken ist zum Beispiel einer davon. Quasi der Oberchef, der die Gruppe auch leitet. Der 66-Jährige ist, wie die Mehrheit der Mitglieder bereits in Pension.

„Überwiegend arbeiten Frauen bei uns in der Warenausgabe mit und die Männer holen die Waren von den Geschäften ab. Die Zusammenarbeit mit den Firmen ist wirklich top, wir bekommen Waren von über 30 Lebensmittelgeschäften und Bäckereien in Oberwart. Es ist nicht jede Woche gleich viel, aber es reicht immer für alle“, so Polster, der anfügt: „Die Kunden stehen oft schon eine Stunde früher an. Da wird auch geplaudert und wir TÖTis sind für viele vorrangig auch zwischenmenschliche Anlaufstelle.“

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Sonja Hofer ist über eine Freundin zu den TÖTis, wie sich die Gruppe selbst nennt, gestoßen. „Mir war schnell fad im Ruhestand, ich bin gern unter Menschen und wenn ich dabei auch noch helfen kann, ist das super“, sagt die lebenslustige Oberwarterin.

„Anfangs war ich schon schockiert. Einerseits davon, wie viele vor allem Einheimische das Angebot der Tafel brauchen, um eine ordentliche Mahlzeit am Tisch zu haben und andererseits auch geschockt davon, wie viele einwandfreie Lebensmittel bei uns ansonsten einfach im Müll landen"

Ihre Kollegin Angelika Melkes kommt aus Tauchen. „Anfangs war ich schon schockiert. Einerseits davon, wie viele vor allem Einheimische das Angebot der Tafel brauchen, um eine ordentliche Mahlzeit am Tisch zu haben und andererseits auch geschockt davon, wie viele einwandfreie Lebensmittel bei uns ansonsten einfach im Müll landen. Wenn eine Frau das tiefgekühlte Baguette nicht mitnimmt, weil das Backrohr aufzuheizen zu viel Strom kostet, dann kann man kaum glauben, dass so etwas bei uns in Oberwart überhaupt noch möglich ist,“ erzählt Melkes.

TÖTi Martin Bogad beschäftigt vor allem die Tatsache, dass „viele Bezugsberechtigte oft aus Scham nicht kommen oder keine Möglichkeit haben, am Samstagabend nach Oberwart zu fahren, weil sie kein Auto haben.“

V. Bruckner
Auch Papierkram gehört zur Arbeit des Teams.

Voll ausgelastet sind die TÖTis, trotzdem. „Wir haben viel Arbeit aber Gott sei Dank auch mehr als genug freiwillige Helfer“, informiert Franz Polster. Rotkreuz-Bezirksstellenleiter Rudolf Luipersbeck bringt noch eine abschließende Bitte an die Gemeinden im Bezirk: „Es gibt in fast jeder Ortschaft bedürftige Menschen, die aber nicht mobil sind und demzufolge wäre es schön, wenn sich die Gemeinden mit Ideen einbringen würden, damit diese Personen am Samstagabend nach Oberwart kommen können.“